AeroMexico auf dem Weg der Modernisierung

AeroMexico ist Branchenprimus in Lateinamerikas zweitgrößter Volkswirtschaft. Ebenso wie Mexiko selbst hat sich der 2007 privatisierte, einzige Full-Service-Carrier des Landes erfolgreich auf den Weg der Modernisierung gemacht.

05.2017 | Autor: Dr. Philipp Bruhns

Autor:
Dr. Philipp Bruhns ist seit mehr als 15 Jahren im Bereich Unternehmenskommunikation tätig, seit 2008 selbständig. Als Autor hat sich der in Dänemark lebende, promovierte Psycholinguist auf Maintenance-Themen sowie Gesundheit und Soziales spezialisiert.

Zum letzten Jahreswechsel dürften die Korken sowohl in Mexiko-Stadt als auch in Atlanta etwas lauter geknallt haben. Kurz vor Weih­nachten haben AeroMexico und Delta Air Lines den letzten wett­bewerbs­rechtlichen Anforde­rungen für ihren geplanten Zusammen­schluss im Rahmen eines soge­nannten „Joint ­Cooperation Agreements“ zugestimmt. Damit ist der Weg frei für das Joint Venture, mit dem die beiden Partner seit April 2017 ihre Kräfte noch enger bündeln wollen. Im Laufe des Jahres wird Delta seinen Anteil an Mexikos führender Air­line auf bis zu 49 Pro­zent erhöhen. Für Aero­Mexicos CEO Andrés Conesa, der mit seinem Team die letzten Jahre beharrlich auf die Allianz zwischen den lang­jährigen Code­sharing-Partnern hin­gearbeitet hat, markiert die Einigung vor Jahres­frist „den Beginn einer neuen Ära in der nord­ameri­kanischen Luft­fahrt“, bei dem ein gemein­sames Netz­werk den Kunden beider Air­lines künftig noch mehr Optionen bei Ver­bindungen, Pro­dukten und Ser­vices bieten soll. Es ist übrigens nicht das erste Joint Venture zwischen Delta und AeroMexico: Bereits seit 2014 betreiben die beiden Partner gemeinsam ein Main­tenance-Werk im mexi­ka­nischen Querétaro.

Mexiko Zahlen & Fakten

Amtliche Bezeichnung:
Vereinigte mexikanische Staaten (Estados Unidos Mexicanos)

Amtssprache:
Spanisch, daneben 68 indigene Sprachen

Hauptstadt:
Mexiko-Stadt, historisch Mexico-Tenochtitlan, gegründet 1325. Gut 8,8 Millionen Einwohner, mit Metropolregion rund 20 Millionen und damit drittbevölkerungsreichste Stadt der Welt.

Fünftgrößtes Land auf dem amerikanischen Doppelkontinent.

Rund 2 Mio. km2 Fläche, mehr als 3.000 km lang und 200 bis 2.000 km breit.

120 Mio. Einwohner, Bevölkerungs­dichte 62 Einwohner pro Quadratkilometer.

Rund 1,082 Billionen US-Dollar (2015) Bruttoinlands­produkt, pro Kopf 8.698,59 US-Dollar

Global im Kommen

Der Zusammenschluss mit Delta zeigt auch, wie viel die Air­line mit dem az­te­kischen Adler­krieger „Cuauhtli“ im Logo auf dem Weg zum selbst­ge­steckten Ziel – in Punkto Qualität und Leistungs­fähigkeit in der Welt­spitze anzu­kommen – bereits erreicht hat. Wer heute bei der 1934 ge­gründeten, über fast 50 Jahre hinweg staatlich geführten und erst seit 2007 wieder privatisierten ­AeroMexico nach typisch mexi­ka­nischen Klischees sucht, wird kaum fündig werden. Nun ja, zumindest wenn er den Weg zum Flug­hafen in der 20-Mil­lionen-Metro­pol­region Mexiko-Stadt ­hinter sich gebracht hat, denn der kann schon einmal zwei Stunden dauern. Eine moderne Flotte, pünktlicher und freund­licher Service, Internet­zugang und viel Onboard-Entertain­ment stehen für das moderne ­„Corporate Mexico“ und orien­tieren sich klar am nord­amerika­nischen Standard. Qualität, Kom­fort und gute Ver­bindungen sind die Faktoren, auf die es bei den Geschäfts­reisenden, mit denen­ AeroMexico fast 80 Pro­zent seiner Gewinne erzielt, am meisten ankommt. Der hohe Geschäfts­flieger-Anteil überrascht kaum, wenn man bedenkt, dass das zweit­größte und mit rund 120 Mil­lionen Ein­wohnern zweit­bevölkerungs­reichste Land Latein­amerikas, trotz aller Heraus­forder­ungen, längst zum Global Player geworden ist. Die Wirtschaft der G20-Nation wächst weiterhin beständig, wenn auch nicht mehr mit den be­ein­dru­ckenden ­Raten der Ver­gangen­heit. Weitere Wirtschafts­reformen sollen dafür sorgen, dass das Land künftig unab­hängiger von der ­Auto­mobil­pro­duktion und Erd­öl­förderung wird. ­AeroMexico bedient als einzige Gesellschaft des Landes Lang­strecken­ziele zu den Handels­partnern in Asien, Europa und Süd­amerika. Mit der bereits be­gon­nenen Um­stellung der Widebody-Flotte von Boeing 767 und 777 auf die Dream­liner-Versionen 787-8 und -9 werden nicht nur Effi­zienz und Kom­fort gesteigert, sondern durch längere Reich­weiten auch Poten­zial für den inter­kon­ti­nen­talen Strecken­ausbau geschaffen. Die Mittel­strecken-Flotte im wichtigen U.S.- und Mittel­amerika-Geschäft wird ab 2018 mit ähnlicher Ziel­setzung mit der 737-MAX runderneuert.

Diese Inves­ti­ti­onen sind auch im Hinblick auf eine weitere ­Zukunfts­ent­scheidung interes­sant: Der Flug­hafen-Neubau in ­Mexiko-Stadt soll die geo­grafisch günstig zwischen Nord- und Süd­halb­kugel sowie Atlantik und Pazifik gelegene Mega-City, zum führenden globalen Hub in Latein­amerika machen. 2020 soll der erste Ab­schnitt mit drei Start- und Lande­bahnen und einem von Star­architekt Norman Foster ent­worfenen Terminal­gebäude in Betrieb gehen.

Inside MTU Maintenance-Kooperation

Seit 2011 ist die Aero­Mexico-Gruppe der größte exklusive Kunde der MTU Main­tenance bei der Instand­haltung der Trieb­werke für den bra­si­li­a­nischen Regionaljet-Best­seller E190/195. Insgesamt 64 CF34-10E des Her­stellers GE Aviation werden aktuell von der MTU Main­tenance Berlin-Branden­burg für Aero­Mexico Connect bis min­destens 2022 betreut.

Die Regionaltochter des me­xi­ka­nischen Markt­führers ist einer der größten Be­treiber dieses Trieb­werks­typs in Latein­amerika. Für die MTU als welt­weit erster un­ab­hän­giger In­stand­halter dieses noch recht jungen Trieb­werks­typs war die Partner­schaft mit Aero­Mexico ein wichtiger Tür­öffner in der Region, wie der Leiter Programs and Sales des MTU Main­tenance-Stand­ortes in Ludwigsfelde, Thomas Needham, erklärt: „Die Embraer-Jets sind zwar ein welt­weiter Verkaufs­schlager, haben aber in Latein­amerika, wo sie her­gestellt werden, einen besonders hohen Markt­anteil. Das Ver­trauen einer der führenden Air­lines Latein­amerikas mit einer derart großen Flotte macht uns sehr stolz.“

Starke regionale Präsenz

Doch auch ins mexikanische Inlands­geschäft ist in den vergangenen Jahren viel Bewegung gekommen. Als Folge der kon­ti­nu­ier­­lichen wirtschaft­lichen Entwicklung wächst die mexi­kanische ­Mittel­klasse und die verfügbaren Ein­kommen steigen stetig. Immer mehr Mexi­kaner nutzen nun auch für private Reisen das Flug­zeug. Vor allem der Low-Cost-Markt in Mexiko floriert deshalb. Besonders auf den viel­frequentierten Strecken zwischen der Haupt­stadt und Metro­polen wie Tijuana, Monterrey und ­Guadalajara oder dem Tourismus­zentrum Cancún herrscht starker Wett­bewerb. Aero­Mexico, die unter anderem alle Städte des Landes mit 500.000 oder mehr Ein­wohnern anfliegt, ist auf diesen Strecken ebenfalls vertreten. Eine eigene Low-Cost-Air­line, so bekräftigte Aero­Mexico-CEO Conesa im vergangenen Sommer, solle jedoch vorerst nicht kommen, denn Aero­Mexico beginne schon heute im klassischen Geschäft von diesen neu erschlos­senen Ziel­gruppen zu profi­tieren. Im Inland und auf ­Flügen in die Nachbar­staaten hat die Air­line zudem noch einen weiteren Trumpf in der Hand: Mit der Regional­tochter Aero­litoral, die unter dem Namen „AeroMexico Connect“ mit 65 kleineren Embraer-Regional­jets Ziele im Inland wie im an­grenzenden ­Aus­land anfliegt, können auch Strecken mit geringerem Pas­sagier­auf­kom­men von Aero­Mexico profitabel bedient werden. Auch bei Aero­Mexico Connect wird die ohnehin junge Flotte weiter mo­der­ni­siert und die 50-Sitzer des Typs ERJ145 durch die größeren und neueren E190 in einer Kon­fi­gu­ra­tion mit Business-Class ersetzt. Mit an Bord ist dabei die MTU Main­tenance, die seit 2011 exklusiv die am Flügel der E190 zum Einsatz kom­menden CF34-10E-Trieb­werke betreut (siehe Inside MTU).

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Aussichten: In jedem Fall spannend

Die Weichen für die Zukunft scheinen für Aero­Mexico in die richtige Richtung gestellt. Und: Das Land ist nach wie vor ein schlafender Luft­verkehrs­riese, wie ein Vergleich mit zwei Nach­barn zeigt: So ist etwa die Wirt­schafts­kraft pro Kopf in Mexiko mittler­weile sogar leicht höher als beim lang­jährigen Latein­amerika-Primus Bra­silien. Trotzdem fliegen Mexi­kaner mit­tleren Ein­kom­mens im Schnitt noch rund 25 Pro­zent seltener. Um zu den US-Ameri­kanern auf­zu­schließen wäre gar eine Verdrei­fachung der Flug­frequenz not­wendig. Dass die Fun­da­men­tal­daten stimmen, bestätigt auch Silvan Brandt, der die Markt­ent­wicklung als Director Sales für die Region bei der MTU Main­tenance genau be­obachtet. „Auch wenn sich in diesen Tagen, nach dem US-­Regierungs­wechsel, viele Blicke gespannt nach Washington richten, hat sich an wesentlichen, grund­sätzlichen Voraus­setzungen nur wenig geändert.“ Für ihn bleibe Mexiko ein Markt mit enormem Potenzial. Das gelte ebenso für viele weitere Länder in der Region, in der die MTU Main­tenance stark vertreten sei.

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