Die Mutter aller Billigflüge

Die texanische Southwest Airlines ist die größte Inlandsfluggesellschaft der USA, gilt als Urahnin aller heutigen Billigflieger und ist seit 40 Jahren profitabel unterwegs. Entscheidend dafür ist auch die Boeing 737-Flotte, die mit fast 700 Flugzeugen die größte der Welt ist. Für die älteren Versionen 737-300 und –500 beginnt das Ende ihres Lebenszyklus. Um die CFM56-3-Triebwerke kümmert sich die MTU Maintenance und sorgt dafür, dass sie auch in den kommenden Jahren noch hocheffizient eingesetzt werden können.

05.2013 | Autor: Andreas Spaeth

Die Idee, das Fliegen zu revolutionieren, entstand im Jahre 1966 auf einer Cocktail­serviette: Herbert D. Kelleher, heute 83 Jahre alt und in Amerika nur Herb genannt, war damals Anwalt in Texas. In einer Bar in San Antonio entwarf er mit seinem Klienten Rollin King auf einer Serviette die Geschäfts­idee einer nur inner­halb von Texas verkehrenden Billig­flug­gesell­schaft. Damals war der weltweite Luftverkehr und der in den USA hochgradig staatlicher Regulierung unterworfen; Flüge innerhalb eines Bundesstaates waren davon nicht betroffen. Nach drei Jahren Rechts­streitigkeiten mit Behörden und Mitbewerbern konnte Southwest Airlines am 18. Juni 1971 mit drei Boeing 737-200-Flugzeugen an den Start gehen. Da Southwest schon immer anders sein wollte als andere Flug­gesell­schaften, fiel man in den 1970er-Jahren nicht nur mit schriller Werbung und Hot Pants als Uniformen für die Flugbegleiterinnen auf, sondern punktete vor allem mit günstigen Flugpreisen und dem Verzicht auf unnötige Service­leistungen. „Zu meinen Anfangs­zeiten waren nur 15 Prozent aller Amerikaner jemals geflogen, heute sind es 85 Prozent“, erinnert sich Kelleher. Das ist sicherlich auch ein Verdienst seiner Airline-Gründung. Erfolgreiche Low Cost-Fluggesell­schaften auf an­deren Kontinenten, etwa Ryanair in Europa, geben heute noch Southwest als Vorbild an.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Airline mit Sitz in Dallas zu einer der größten amerikanischen Flug­gesellschaften und zur profitabelsten der USA. In der 42-jährigen Unternehmens­geschichte gab es nur zwei Quartale, in denen kein Gewinn gemacht worden war. Der heutige Status: Im vergangenen Jahr beförderte Southwest aus­schließ­lich auf Kurzstrecken im Inland mit 694 Boeing 737-Flugzeugen insgesamt 109 Millionen Passagiere. Weltweit lag sie nach ihrer Beförderungs­leistung 2011 auf Platz drei – hinter Delta und American – und flog 2012 insgesamt 417 Millionen Dollar Gewinn ein. Inklusive des Strecken­netzes der in Southwest aufgegangenen Air Tran bedient die Gesellschaft 97 Ziele in 41 US-Bundesstaaten und betreibt etwa 3.520 Flüge am Tag. Vom kurzen Hüpfer innerhalb Texas bis hin zum Küste-zu-Küste-Flug von Baltimore nach Los Angeles ist alles vertreten. Ein Southwest-Flugzeug bestreitet am Tag im Schnitt sechs Flüge und ist zehn Stunden und 55 Minuten lang in der Luft – das ist branchenweit ein Spitzenwert. Von Beginn ihres Betriebs an setzte Southwest auf Simplizität – auch in ihrer Flotten­struktur. Mit kurzen Ausnahmen wurden aus­schließ­lich Boeing 737-Jets eingesetzt. Kelleher: „Die 737 ist ein wunderbares Flug­zeug. Wenn wir damit nicht ziemlich zufrieden wären, hätten wir nicht so viele davon gekauft.“

Southwests Boeing 737-Flotte ist die größte der Welt. Für die älteren Versionen beginnt jetzt das Ende ihres Lebenszyklus.

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MTU Maintenance Canada

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Auf Expansionskurs: Die MTU Maintenance Canada in der Nähe von Vancouver.

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Triebwerke im Shop der MTU Maintenance Canada.

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Ein CFM56-3 Triebwerk in der Instandhaltung.

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Im Accessory Repair Centre werden auch Kabelsätze geprüft und repariert.

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Prüfung einer Lagermutter.

Für wichtige Weiter­entwicklungen der 737 war Southwest Airlines immer wieder Erstkunde. Die Versionen 737-300, -500 und –700 gehen ebenso auf Erst­bestellungen der Airline aus Dallas zurück wie aktuell der Start der 737 MAX 8; von ihr hat Southwest 150 Exemplare bestellt, die ab 2017 geliefert werden sollen. Gleichzeitig nähern sich die 128 Jets des Typs 737-300 sowie 20 Exemplare der 737-500 dem Ende ihres Lebenszyklus. „Southwest hat einen sehr flexiblen Austrittsplan für die 737-Classic-Flotte, der von vielen Variablen abhängt“, sagt Mandy Gower, Manager Powerplant Supply Chain Management bei Southwest. Eine davon ist der langfristige Vertrag mit der MTU Maintenance, die die CFM56-3-Triebwerke der älteren 737 bis zum Ende begleiten soll. „Die Zahlen müssen für uns stimmen, denn nur wenn die Instandhaltungskosten gering sind, kann Southwest den weiteren Betrieb der 737-Classic-Flotte rechtfertigen“, so Gower, „Die MTU Maintenance Canada ist ein wichtiger Garant der Gesamteffizienz unserer Classic-Flotte.“

Das Prinzip ist einfach: „Wenn ein Flugzeug aus­gemustert wird, betrifft dies nicht notwendigerweise auch die Trieb­werke“, erklärt Christoph Heck, Leiter Marketing & Sales The Americas der MTU Maintenance Hannover, „durch Reparatur und Über­holung werden die Triebwerke regelmäßig wieder wie neu.“ Mit dem nun statt­findenden Generations­wechsel der Flugzeuge geht auch der Bedarf für überholte CFM56-3-Triebwerke zurück. Bei Southwest werden deshalb künftig auch CFM56-3 als Ersatzteil­spender für die Instandhaltung anderer Triebwerke gleichen Typs genutzt. „Aus zwei mach eins“, bringt es Christoph Heck auf den Punkt, „aber ohne dabei in irgendeiner Weise die Qualität oder Sicherheit der Triebwerke zu beeinträchtigen. Denn bei aller Kreativität die Kosten zu senken, sparen auch die Low Cost-Flug­gesell­schaften nicht an der Sicherheit.“ Gower ergänzt: „Der Fokus liegt darauf, Teile zur weiteren Nutzung aus unseren eigenen Trieb­werken zu gewinnen. Die MTU Main­tenance Canada zerlegt derzeit unsere CFM56-3, repariert Teile, lagert sie und baut sie in andere Triebwerke ein. Dieser Zyklus hilft, den Einsatz von Neuteilen für die Überholung zu verringern, was die Kosten deutlich reduziert.“

Die MTU Maintenance Canada hält neben CFM56-Triebwerken auch CF6-Antriebe instand.

Die Triebwerke werden bei der MTU Maintenance Canada in Vancouver, deren Kapazitäten kürzlich erweitert wurden, überholt. Dan Watson, Chief Commercial Officer der MTU Maintenance Canada: „Southwest nutzt fast das gesamte Portfolio der MTU Maintenance, dazu gehört auch die Vor-Ort-Unter­stützung durch die MTU Maintenance Dallas, welche sich auf Trieb­werks­reparaturen am Flügel spezialisiert hat.“ Er ist sich sicher: „Die MTU ist der größte un­abhängige Trieb­werks­instand­halter der Welt und hat sowohl die Ressourcen als auch die Erfahrung, um Southwest in allen Bereichen zu unterstützen. Grade als Low Cost-Flug­gesell­schaft ist Southwest auf schlanke Strukturen angewiesen und strebt nach integrierten Lösungen für ihre Zulieferer. Und genau solche maß­geschneiderten Lösungen kann die MTU bieten.“

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