Hightech in Asien: Digitali­sierung beflügelt die Luftfahrt

Spitzenreiter Asien: Rasantes Passagierwachstum, Investitionen bei Entwicklung, Fertigung und MRO aus dem Westen und Innovations­kraft asiatischer Unter­nehmen sorgen für Boom in der Luftfahrt.

02.2018 | Autorin: Melanie Wolf

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Melanie Wolf berichtet innerhalb der MTU-Unternehmens­kommunikation über Themen wie zivile und militärische Triebwerks­programme sowie internationale Markttrends und Standorte. Sie ist seit 2012 im Unternehmen.

Keine Frage, der asiatische Luftfahrtmarkt boomt. Das klare Ziel der Region lautet: In der nächsten Dekade die Nummer eins in der Welt zu werden und den aktuellen Welt­markt­führer USA vom Thron zu stoßen. Die Chancen stehen so gut wie nie. Drei Fak­toren sprechen dafür: Das über­propor­tionale Wachstum im Passagier­verkehr, die steigenden Investi­tionen der Branche aus dem Westen in die Wirtschafts­regionen Asiens und die rasant ansteigende Inno­vations­kraft asiatischer Unter­nehmen und Start-ups in der Luftfahrtbranche.

Boom im Passagierverkehr

Keine Region auf der Welt, gemessen am Passa­gier­verkehr, wird in den nächsten 20 Jahren so schnell wachsen wie Asien. So die Prognose der Flugzeug­bauer Boeing und Airbus, die dort in den kommenden 20 Jahren die größte Nachfrage nach neuen Flug­zeugen erwarten. Unter der Top Ten der am schnellsten wachsenden Regionen sind allein fünf Länder aus Fernost: Gemessen an der aktuellen Flotten­größe der Länder ist China Spitzen­reiter, gefolgt von Indien, Indonesien, Thailand und Viet­nam. Heute sind in Asien rund 7.000 zivile Flug­zeuge im Service, bis 2036 werden es bereits über 17.000 Flieger sein; dies entspricht dann der Gesamt­flotte von Europa und USA zusammen.

Kapazitätszuwachs 2016 absolut (in Mrd. Sitzplatzkilometern) und Wachstumsrate

Kapazitätszuwachs 2016 absolut (in Mrd. Sitzplatzkilometern) und Wachstumsrate

Investment in Effizienz

Die Flugzeugindustrie aus dem Westen verlagert vermehrt Standorte nach Fernost – als Teil ihrer erneuerten Supply Chain Strategie, die primär auf das Thema Effizienz abzielt. Dies heißt konkret, dass Her­steller nicht nur ihre Fertigung, sondern auch ihre Ent­wicklung zunehmend nach Asien verlagern. Inter­essant ist, dass der erwartete Rück­gang nicht nur die Produktions­standorte betrifft, sondern in gleichem Ausmaß auch die Entwicklungs­kapa­zitäten. Bisher war man davon aus­gegangen, dass die Ent­wicklung in Europa bleibt, und im Ausland die Pro­duktion zu deutlich günstigeren Kosten angesiedelt wird.

Heute dreht sich jedoch alles um das Thema Effizienz eines Standorts. Katalysator dafür ist die digitale Trans­formation, die auch die Luft- und Raum­fahrt durchzieht. In Asien investiert man in hohem Maß in die Digita­lisierung. Schwerpunkte sind hierbei die Zukunft der Instand­haltung (MRO) und der Pro­duktion, mit Fokus auf die Ent­wicklung und Imple­men­tierung intelligenter Fertigungs­prozesse für die nächsten Jahrzehnte. Dass dies nur mit exzellent ausgebildetem Personal funktionieren kann, hat man in Fernost im Blick und investiert in Forschungs- und Ausbildungs­einrichtungen rund um die Themen Digita­lisierung, Automa­tisierung, Robotik und Sensorik.

Die MTU Aero Engines hat bereits früh erkannt, welches Potential in der Region steckt und sich recht­zeitig im Reich der Mitte positioniert. Zwei erfolgreiche Joint Ventures, die beide auf Expan­sions­kurs sind, investieren auch in den kom­menden Jahren weiter in den Ausbau ihres Port­folios, modernste Maschinen­parks und hoch­qualifizierte Mit­arbeiter. Airfoil Services Sdn. Bhd. (ASSB) mit Sitz in Malaysia ist ein 50:50-Joint Venture zwischen der MTU Aero Engines und der Lufthansa Technik. Das Unter­nehmen betreut seit über 25 Jahren mehr als 80 Kunden weltweit und bietet ein breites Spek­trum an Repa­raturen für Triebwerks­schaufeln an. Im Fokus sind Schaufeln des Hoch­druck­ver­dichters und der Nieder­druck­turbine von Antrieben für Lang-, Kurz- und Mittel­strecken­flug­zeuge. Mit seinen über 450 Be­schäftigten setzt das Unter­nehmen etwa 450.000 Bau­teile pro Jahr instand. In 2017 konnte ASSB seine Aus­lastung um 35 Pro­zent steigern; ein Rekord in der Geschichte des Unter­nehmens – Tendenz steigend; deshalb wird man vor Ort weiter in die eigene Infra­struktur und neue Mit­arbeiter investieren.

Eine ähnliche, wenn auch nicht ganz so lange Erfolgs­geschichte schreibt die MTU Main­tenance Zhuhai mit über 15 Jahren im Geschäft. Sie steht heute an der Spitze der Trieb­werks­instand­setzung in China und will in den nächsten Jahren zum größten zivilen Instand­haltungs­unter­nehmen in Asien werden. Die Chancen dafür stehen gut, denn allein in den vergangenen fünf Jahren hat sich der Umsatz des Unter­nehmens ver­doppelt. Um der steigenden Nach­frage vor allem auf dem asia­tischen Instand­haltungs­markt Rechnung zu tragen, wurde der Standort Ende 2012 ausgebaut; die Kapa­zität stieg um 50 Pro­zent von 200 auf 300 Shop Visits pro Jahr. Hightech wird in Zhuhai groß geschrieben, man arbeitet mit einem hoch­modernen Maschinen­park. Zum Einsatz kommen High­tech-Repa­ratur­ver­fahren, für die die MTU Main­tenance, einer der weltweit größten Instand­halter ziviler Luftfahrt­antriebe, bekannt ist. Das Unter­nehmen, das am Delta des südchinesischen Perl­flusses liegt, befindet sich in der Sonder­wirtschafts­zone Zhuhai und profitiert von der räumlichen Nähe zu den Metropolen Hongkong, Guangzhou, Shenzhen und Macao; gute Voraussetzungen also um bald die Nummer 1 in Asien zu werden.

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