Luftfahrt-Spezialisten in Polen

Für die Luftfahrt­branche ist Polen ein attraktives Pflaster. Der Standort der MTU in dem Land wächst und wächst. Jetzt kommt ein neues Joint Venture hinzu.

01.2018 | Autor: Thorsten Rienth

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Thorsten Rienth schreibt als freier Journalist für den AEROREPORT. Seine technik­jour­nalistischen Schwer­punkte liegen neben der Luft- und Raum­fahrt­branche im Bahn­verkehr und dem Transport­wesen.

(strich:Fertigung von Bauteilen) Entgraten eines V2500-Rings bei der MTU Aero Engines Polska. Fahren Sie über das Bild für eine größere Ansicht

Fertigung von Bauteilen Entgraten eines V2500-Rings bei der MTU Aero Engines Polska.

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Fertigung von Bauteilen Entgraten eines V2500-Rings bei der MTU Aero Engines Polska.

(strich:Modulmontage) Zusammenbau einer PW2000-Niederdruckturbine bei der MTU Aero Engines Polska. Fahren Sie über das Bild für eine größere Ansicht

Modulmontage Zusammenbau einer PW2000-Niederdruckturbine bei der MTU Aero Engines Polska.

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Modulmontage Zusammenbau einer PW2000-Niederdruckturbine bei der MTU Aero Engines Polska.

(strich:Repair Engineering) Die Entwicklungsingenieure bei der MTU Aero Engines Polska arbeiten unter anderem an neuen Reparatur­technologien. Fahren Sie über das Bild für eine größere Ansicht

Repair Engineering Die Entwicklungsingenieure bei der MTU Aero Engines Polska arbeiten unter anderem an neuen Reparatur­technologien.

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Repair Engineering Die Entwicklungsingenieure bei der MTU Aero Engines Polska arbeiten unter anderem an neuen Reparatur­technologien.

(strich:Weiterbearbeitung)Reinigen von Triebwerksbauteilen bei der MTU Aero Engines Polska. Fahren Sie über das Bild für eine größere Ansicht

WeiterbearbeitungReinigen von Triebwerksbauteilen bei der MTU Aero Engines Polska.

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WeiterbearbeitungReinigen von Triebwerksbauteilen bei der MTU Aero Engines Polska.

Mit pathetischen Worten soll man es nicht über­treiben, heißt es. Sondern sie sich für Augen­blicke aufheben, wenn sie wirklich passen. Für Dr. Uwe Zachau ist gerade einer dieser Momente. Von einem Meilen­stein für beide Unter­nehmen spricht er. Von einem ambitionierten Hoch­lauf­plan, einem her­vor­ragenden Team, einer riesigen Motivation. Zachau spricht vom neuen gemeinsamen Instand­haltungs­unter­nehmen von Lufthansa Technik und MTU Aero Engines, der Engine Maintenance Europe, kurz: EME Aero. Zachau ist der COO der neuen Firma, Derrick Siebert der CEO. Er sagt: „Wir bringen damit in Europa die Instand­haltung für die neue Generation von Ge­triebefan-Triebwerken auf den Weg.“ Beide Partner halten jeweils 50 Prozent der Anteile.

Der Standort des Joint Ventures wird in Polen liegen. In Polen hat die MTU bereits lang­jährige Erfahrungen sammeln können. In einer Sonder­wirtschafts­zone um Rzeszów ganz im Süd­osten des Landes, wurde 2007 die MTU Aero Engines Polska gegründet. „Die Zone ist Antriebs­kraft für die Wirt­schaft in der Region“, wirbt die Regional­ver­waltung. Etliche Firmen mit klang­vollen Namen haben sich dort mit Pro­duktions- und Forschungs­stätten nieder­gelassen. Eigentlich sollte im Jahr 2020 Schluss sein mit den Vor­teilen der Sonder­wirtschafts­zonen in Polen. Dann ver­längerte das Land das Sonder­wirt­schafts­zonen­recht bis 2026. Beinahe im Monats­takt kommen neue Firmen hinzu.

Luftfahrtregion mit Tradition

So wie vor neun Jahren die MTU selbst. In gerade einmal neun Monaten hatte sie gleich gegenüber dem inter­nationalen Flug­hafen in Jasionka bei Rzeszów das 18.000-Quadrat­meter-Werks­gebäude der MTU Aero Engines Polska hochgezogen – und mit den ersten Maschinen ausgestattet. Über 50 Millionen Euro betrug die Investition. Sogar der polnische Vize-Premier und Wirt­schafts­minister kam zur Eröffnung im Mai 2009.

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MTU Aero Engines Polska

Der Standort der MTU Aero Engines Polska wurde im Mai 2009 eröffnet. Er liegt im „Aviation Valley“, einer Sonderwirtschaftszone im Südosten von Polen bei Rzeszów, dort haben sich über 80 Firmen mit Produktions- und Forschungsstätten der Luftfahrtindustrie niedergelassen. Zum Video ...

„Hier in Rzeszów haben wir Luft­fahrt­erfahrung vorgefunden und eine exzellente Infra­struktur“, sagt Krzysztof Zuzak. Der Manager ist Geschäfts­führer des Standorts. Und ein Mann der aller­ersten Stunde. Unter den mehr als 14.000 Studenten der ört­lichen Poly­technischen Hoch­schule ist die Quote der Luft­fahrt­technik­ingenieure besonders hoch. „Rzeszów hat eine lange Tradition im Flug­zeug­bau“, sagt Zuzak. „Über 60 Prozent unserer Ingenieure kommen vom Poly­technikum hier in Rzeszów.“ Die Fakultät für Mechanik und Aero­nautik bietet Luft­fahrt­industrie-orien­tierte Kurse und Studien­gänge an. Dr. Joachim Wulf, ehemaliger Ent­wicklungs­leiter des MTU-Stand­orts, sagte einmal: „Rzeszów ist eine sehr nette Studenten­stadt, wie Tübingen.“

Die MTU startete mit der Ent­wicklung und Fertigung von Leit- und Lauf­schaufeln für Nieder­druck­turbinen, der Montage von Nieder­druck­turbinen und der Teile­reparatur. Das Pflaster von Stadt und Umland stellte sich schnell als ein sehr gutes heraus. Auch, oder gerade weil die MTU in Rzeszów erstmals alle drei Bereiche rund um das Triebwerk – Entwicklung, Fertigung, Reparatur – unter einem Dach vereint.

Ausbau ist Teil der MTU-Investitions- und Wachstums­strategie

Die Belegschaft von 200 Mitarbeitern wuchs schnell. Vier Jahre später, als die Ent­scheidung für den ersten Aus­bau des Standorts fiel, waren es bereits 500; im Jahr 2017 mehr als 750. Außerdem zahlt sich die Weit­sicht aus den Planungs­jahren aus. „Wir haben das Gebäude von vor­neherein so konzipiert, dass es erweiter­bar ist, sodass man für die Zukunft gerüstet ist“, sagt Zuzak. Mit den neuen Gebäuden steigt die über­baute Fläche in Jasionka auf fast drei Hektar. Die Erweiterung ist, wie auch die etwa zur gleichen Zeit fertig­gestellte Blisk-Fertigungs­halle in München und das Logistik­zentrum in Hannover, Teil der MTU-Investitions- und Wachstums­strategie.

Die MTU nutzt den Rzeszówer Ausbau unter anderem für Vor­arbeiten für die neuen Getriebe­fan-Trieb­werke und Tätig­keiten, die sich aus der Erhöhung des Programm­anteils am A320-Triebwerk V2500 ergeben haben. Das polnische Werk über­nimmt dabei im Wesentlichen die Verant­wortung in den Bereichen Logistik, Beschaffung, Kons­truktion und Qualitäts­sicherung. Außerdem sind hier die Modul­montage-Akti­vitäten für verschiedene ziviler Programme gebündelt. Derzeit wird die Entwicklungs­abteilung ausgebaut und wird einmal Arbeits­plätze für insgesamt 140 Inge­nieure bieten.

Im neu ge­gründeten Joint Venture von Lufthansa Technik und MTU Aero Engines in Polen sollen ab 2020 PW1000G-Trieb­werke instand gesetzt werden. Bereits 2018 beginnt die Quali­fikation von Mit­arbeitern sowie die Simu­lation und Vor­bereitung der Instand­haltungs­pro­zesse.

Das Beste aus zwei Welten

Bei der EME Aero arbeiten die Teams derzeit die Details eines ambitionierten Hoch­lauf­plans für den Shop aus. Eine komplexe Sache sei das, erklärt Jana Kotlar, die Projekt­managerin bei der MTU. „Es geht schließ­lich nicht nur um ein neu zu bauendes Gebäude, sondern auch darum, innerhalb von ver­gleichs­weise kurzer Zeit stabile Pro­zesse zu implementieren.“

Im Laufe des Jahres sollen die Mit­arbeiter­quali­fikationen starten. Zeit­versetzt folgt eine Simulations­phase, die von der Ein­lastung bis zum Ab­nahme­lauf jedes Detail des In­stand­setzungs­pro­zesses auf die Probe stellt. „Bei den Pro­zessen bedienen wir uns vom Besten aus zwei Welten“, sagt Kotlar. Etwas mehr als ein Dutzend Teil­projekte tragen den Aufbau. „Der Lead liegt bei jeweils einem der Partner, doch die Schnitt­stellen sind eng verzahnt.“

In ihrer Zusammen­arbeit bringen Lufthansa Technik und die MTU einiges an Erfahrung mit. Seit dem Jahr 2003 betreiben sie ein eben­falls gleich­berechtigtes und im Maintenance-Bereich aktives Joint Venture in Malaysia. Spezialisiert ist es auf die Schaufel­reparatur von Nieder­druck­turbinen und Hoch­druck­ver­dichtern. „Auch aus Deutschland kennen wir uns gut“, sagt Kotlar, „zum Beispiel durch gegenseitige Unter­stützung bei Test­läufen und bei der Ersatz­teil­be­schaffung“.

Das erste instand­zusetzende PW1000G-Trieb­werk soll im Jahr 2020 durch den Shop gehen, EME Aero nach abge­schlossenem Hoch­lauf mehr als 1.000 Mit­arbeiter be­schäftigen.

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