Triebwerksleasing im Aufwind

Das Triebwerksleasinggeschäft wächst und verändert sich – und die MTU Main­tenance Lease Services B.V. mit ihm. AEROREPORT hat mit Alistair Dibisceglia, Vice President und Head of Global Leasing, über die anstehenden Heraus­for­derungen für das Leasing und Asset-Man­age­ment gesprochen.

01.2018 | Autorin: Victoria Nicholls

Autorin:
Victoria Nicholls berichtet innerhalb der MTU-Unternehmens­kommunikation über Themen wie Triebwerks-MRO, Leasing und Asset Management sowie internationale Markttrends. Die gebürtige Britin wohnt in Berlin und arbeitet an den MTU-Standorten in Hannover und Ludwigsfelde.

„Get Lucky“ von Daft Punk war 2013 einer der größten Hits. Dass die MTU Aero Engines im selben Jahr mit dem japa­nischen Handels­riesen Sumitomo zwei Joint Ventures gründete, war jedoch keinem glück­lichen Zu­fall, sondern strategischer Geschäfts­beobachtung geschuldet. Die MTU wollte in den wachsenden Markt für Trieb­werks­leasing einsteigen. So entstanden die MTU Main­tenance Lease Services B.V. (MLS), die haupt­sächlich Kurzfrist-Leasing anbietet, und die Sumisho Aero Engine Lease B.V. mit Fokus auf dem mittel- und lang­fristigen Leasing­geschäft. Die MTU Aero Engines ist an den beiden Joint Ventures mit 80 beziehungs­weise 10 Prozent beteiligt.

Seither hat die MTU Maintenance Lease Services sämtliche Erwartungen übertroffen: An ihrem Sitz in Amsterdam beschäftigt sie mitt­ler­weile über 30 Mitarbeiter. Ihr Leasing­angebot umfasst mehr als 100 Trieb­werke, darunter die beliebten CFM56, V2500 und GE90.

Diesen Erfolg verdankt sie teilweise dem rasanten Wachs­tum der Branche: Laut dem inter­nationalen Consulting-Unter­nehmen ICF vermieten Leasing­gesell­schaften weltweit rund 12.000 kommerzielle Strahl­flugzeuge im Wert von etwa 240 Milliarden US-Dollar an Airlines. Dies entspricht in Anzahl und Wert über 40 Prozent der aktuellen Flugzeug­flotte. Und der Markt wächst absolut gesehen weiter. ICF zufolge machen Narrowbodys mit 52 Prozent den Großteil am Leasing­markt aus, doch auch Regional­flugzeuge (37 Prozent) und Großraum­maschinen (40 Prozent) haben mittlerweile Fuß gefasst.

Dem steigenden Wettbewerb eine Flügellänge voraus

MLS verdankt seine positive Entwicklung nicht allein dem Branchen­wachstum. Denn natürlich zieht ein finan­ziell aussichts­reicher Markt auch neue Teil­nehmer an und steigert so den Wett­bewerb. So beobachtete Boeing Capital Corpo­ration 2017 die Ent­wicklung eines neuen Versicherungs­markts, der Flug- und Leasing­gesell­schaften vielfältigere Finanzierungs­möglichkeiten für ihren Flottensupport bietet.

„Der zunehmende Wettbewerb zwingt uns dazu, noch stärker auf die Bedürf­nisse unserer Kunden einzugehen und ihnen mit neuen Lösungen und Alter­nativen vorzu­greifen“, erklärt Alistair Dibisceglia, Vice President und Head of Global Leasing der MLS. „Daher entwickeln wir unser Produkt­portfolio ständig weiter.“ Bereits kurz nach seiner Gründung 2013 nahm MLS Asset-Manage­ment in sein Service­portfolio auf, um die Air­lines bei einer möglichst effizienten Nutzung ihrer Trieb­werke zu unterstützen. Nun konzentriert sich das Unter­nehmen auf Anbieter von Flugzeug- und Triebwerksleasing.

Leasinggesellschaften übernehmen das Steuer

MLS hat ein sogenanntes Lease Enhance­ment Program gestartet, das sowohl Leasing­geber als auch -nehmer über den gesamten Produkt­lebens­zyklus begleitet. „Mehr und mehr Leasing­gesell­schaften möchten die Trieb­werks­instand­haltung stärker selbst in die Hand nehmen, indem sie Instand­haltungs­reserven managen und optimieren und die Shop Visits ihrer Trieb­werke terminieren. Dies gilt ins­besondere beim Über­gang von einem Betreiber zum nächsten“, erläutert Dibisceglia, der Mitte 2016 zu MLS kam und zuvor in führenden Posi­tionen bei Inter­national Lease Finance Corpo­ration/AerCap und Castle­Lake tätig war. „Wir bieten unsere Services ab dem Kauf oder zu jedem beliebigen Zeit­punkt im Lebens­zyklus des Trieb­werks an. Der Kunde kann jederzeit einen Vertrag abschließen oder kündigen. Unser Ziel ist es, Risiken abzu­schwächen und einen maximalen Rest­wert zu erhalten“, ergänzt Dibisceglia.

Zudem unterstützt MLS Lessoren und Triebwerks­eigner über den gesamten Lebens­zyklus mit technischer Beratung und bei Über­gängen von einem auf den nächsten Nutzer. „Hierzu sind wir durch unsere umfassende MRO-Expertise in der Lage“, betont Dibisceglia. „Neue Investoren unter anderem aus der Versicherungs- und Finanz­branche kommen auf den Markt und suchen nach technisch versierten Partnern, die das Triebwerks­management für sie übernehmen. Schließlich wollen sie ihre Maschinen in gutem Zustand erhalten und ihren Restwert maximieren.“ Das Angebot umfasst sowohl Inspek­tionen und Prüfungen der Trieb­werke als auch Flotten­management und natürlich die MRO-Über­wachung im Rahmen von Shop Visits. Darüber hinaus bietet die MLS Vermögens- und Investitions­bewertungen, Schulungen und Vermittlungsdienste an.

Bestellungen auf Luftfahrtmessen (Paris und Farnborough) 2012 – 2017

Laut dem britischen Luftfahrtberater IBA verzeichnete die Paris Airshow 2017 1.070 Fest­be­stel­lungen und Ab­sichts­er­klärungen und 188 Optionen. 86 Prozent der Fest­bestel­lungen und Ab­sichts­erklärungen gingen zu 47 Prozent von Airlines beziehungs­weise Betreibern und 53 Prozent von Leasing­gesell­schaften ein. Die Grafik zeigt die Auftrags­verteilung auf den Luft­fahrt­messen in Farnborough und Paris der letzten fünf Jahre.

Kreative Lösungen

Doch auch für die Entwicklung voll­kommen neuartiger Lösungen ist MLS der richtige Ansprech­partner für Eigner und Betreiber. Gegen Ende eines Leasing­vertrags möchte etwa ein Leasing­geber die verleasten Trieb­werke verkaufen. Die Air­line würde sie zwar gerne weiter nutzen, aber der Erwerb und die Instand­haltung über ihre restliche Lebens­dauer wäre für sie unwirt­schaftlich. Hier kommt die MTU Main­tenance Lease Services ins Spiel: Sie kauft dem aktuellen Eigner die Trieb­werke ab und vermietet sie für die verbleibende Lebens­dauer an die Flug­gesell­schaft. Zudem kann die MTU Main­tenance unbrauchbar gewordene Trieb­werke durch funktio­nierende aus ihrem Port­folio austauschen, um das Flug­zeug über seine wirt­schaftliche Nutzungs­dauer im Betrieb zu halten.

Prognose

Kurzum: Das Leasinggeschäft boomt und scheint weiter auf dem Vor­marsch zu bleiben. Bis zum Ende des Jahr­zehnts wird es der Prognose von Boeing Capital Corpo­ration zufolge die Hälfte der gesamten aktiven Flugzeug­flotte ausmachen. Da bis 2025 mit einem Bedarf an über 19.000 kommer­ziellen Strahl­flugzeugen gerechnet wird, dürften Leasing­gesell­schaften beträchtliche Summen beisteuern, um das enorme Wachs­tum zu stützen. Die MTU schätzt den Trend im Trieb­werks­leasing­geschäft ähnlich ein und bereitet sich ent­sprechend darauf vor. „Letztlich läuft es auf ein altes Sprich­wort hinaus“, weiß Dibisceglia: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“

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