Ein Lächeln am Himmel

MTU Aero Engines erschließt sich Schritt für Schritt den lange verschlossenen japanischen Markt. Die vertiefte Kooperation mit der auf­strebenden Solaseed Air ist der jüngste Erfolg.

05.2015 | Autorin: Nicole Geffert

Autorin:
Nicole Geffert arbeitet seit 1999 als freie Journalistin mit den Themen Forschung und Wissenschaft, Geld und Steuern, Ausbildung und Beruf.

Spätestens seit den 1980er Jahren gehört Japan, der 6.800-Insel-Staat am äußersten östlichen Rand Asiens, zu den global führenden Wirtschafts­mächten. Seine gut 125 Millionen Einwohner erwirtschaften das dritt­höchste Brutto­inlands­produkt weltweit und lassen damit Industrie­staaten wie Deutschland und Großbritannien hinter sich.

Diese Wirtschafts­kraft spiegelt sich auch im Luft­verkehr wider. Der Haneda-Flughafen in Tokio - das Drehkreuz der größten japanischen Fluglinien – liegt mit 72,8 Millionen Passagieren auf Platz vier der meist frequentierten Flughäfen rund um den Globus. Nach Angaben der Weltbank beförderten die im Land registrierten Airlines im Jahr 2013 knapp 106 Millionen Passagiere. Und obwohl damit der Markt weitgehend gesättigt ist, prognostiziert die Japan Aircraft Development Corporation (JADC) für die kommenden 20 Jahre ein durch­schnittliches Wachstum des Passagier­auf­kommens von 1,6 Prozent pro Jahr. Entsprechend ist auch der Flug­zeug­markt in Bewegung. Vor gut einem Jahr orderte die größte Fluglinie All Nippon Airways (ANA) auf einen Schlag 40 Lang­strecken­jets bei Boeing und 30 Mittel­strecken­jets bei Airbus für insgesamt 16,6 Milliarden US-Dollar.

Mehr Passagiere und mehr Flugzeuge bedeuten auch mehr Instand­haltung. Lange blieb dieses Geschäft allerdings inländischen Anbietern vorbehalten; die beiden größten Fluglinien verfügen über eigene Shops; hinzu kommt die traditions­reiche IHI Corporation. Leo Koppers, Leiter Vertrieb bei der MTU Maintenance, weiß um die Hürden: „Japan ist ein geschlossener Markt, der für Anbieter aus dem Ausland kaum zugänglich ist.“

Doch 2010 erteilte das Japanese Civil Aviation Bureau (JCAB) der MTU Maintenance Zhuhai die Zulassung für die Instand­haltung von Trieb­werken. Erstmals bescheinigte eine japanische Behörde einem vergleichs­weise jungen Betrieb im konkurrierenden Nachbar­land China höchste Qualität. Mit Erfolg hatte sich das Werk auf CFM56- und V2500-Antriebe spezialisiert. Noch im selben Jahr lieferte der japanische Primus ANA seine ersten CFM56-3 in den Shop und nutzt seitdem regelmäßig dessen Instand­haltungskompetenz.

TRIEBWERKS­INSTAND­SETZUNG BEI DER MTU MAINTENANCE ZHUHAI

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Ein V2500 wird untersucht.

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Ein V2500 wird untersucht.

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Vorbereitung eines Hochdruckverdichters zum Hoch­geschwindigkeits­schleifen.

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Vorbereitung eines Hochdruckverdichters zum Hoch­geschwindigkeits­schleifen.

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Ein CFM56-3 vor dem Prüflauf.

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Ein CFM56-3 vor dem Prüflauf.

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Triebwerksgehäuse warten auf die Montage.

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Triebwerksgehäuse warten auf die Montage.

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Ein CFM56-3 im Prüfstand.

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Ein CFM56-3 im Prüfstand.

Ein Jahr später kam mit Solaseed Air ein zweiter japanischer Kunde hinzu. Seit 2011 lässt das Unternehmen mit dem schwungvollen Smiley auf den grünen Hecks die CFM56-3-Triebwerke seiner Flotte in Zhuhai instand setzen. Solaseed Air, eingetragen als Skynet Asia Airways Co. Ltd., bedient seit 2002 Ziele im Süden von Japan. „Seed smiles in the sky“ lautet ihr Motto. Mittlerweile ist das Netzwerk auf 62 Flüge pro Tag auf acht Routen gewachsen. Die Airline verbindet große Städte ihrer Heimatinsel Kyushu mit Tokio, dem im Umfeld der zweiten Wirt­schafts­metropole Osaka gelegenen Kobe und dem sub­tropischen Urlaubsparadies Okinawa.

Im Januar 2015 vertieften die beiden Unter­nehmen ihre Partner­schaft mit einem Exklusiv­vertrag über die Instand­haltung aller 24 CFM56-7B- und -7BE-Antriebe für die Boeing 737-800-Flotte der Airline. Solaseed Air-CEO Hiroshi Takahashi erklärte dazu: „Die MTU Maintenance hat sich als zuverlässiger und vertrauens­würdiger Partner mit einer heraus­ragenden Service­qualität erwiesen. Wir freuen uns, dass sich das Unter­nehmen nun auch um unsere neuesten Trieb­werks­modelle kümmert.“

Typisch Japan Kirschblüten, Pagode und im Hintergrund der Fujiyama, Japans höchster und heiligster Berg. Sein stilisiertes Bild ziert die Kabinendecke im Mitsubishi Regional Jet.

In welchem Maß Japaner hohe Qualität und heraus­ragenden Service zu schätzen wissen, belegt auch die Erweiterung der Zusammenarbeit von ANA und MTU. Obwohl die Airline über eigene Shops verfügt, liefert sie seit Ende 2013 auch Trieb­werke zum deutschen Maintenance-Standort in Hannover-Langenhagen. „Eine Zulassung als Instand­setzungs­betrieb der japanischen Luftfahrt­behörde JCAB für komplette Trieb­werke japanischer Kunden steht kurz bevor“, sagt Jan Steenbock, Leiter Vertrieb Asien bei der MTU Maintenance.

Gleichzeitig dehnt die MTU Aero Engines mit zwei Joint Ventures mit dem japanischen Handels­haus Sumitomo ihre Präsenz in Japan in andere Geschäfts­felder aus (siehe Inside MTU, Leasen statt Kaufen). Schritt für Schritt fasst die MTU Fuß im japanischen Markt: Es war ein historischer Moment in der Luft­fahrt­geschichte des Landes, als im Oktober 2014 der Mitsubishi Regional Jet (MRJ) in Nagoya seinen Rollout hatte. An­ge­trieben wird das neue, umwelt­schonende Flug­zeug für bis zu 100 Passagiere exklusiv mit PW1200G-Triebwerken – einer Neu­ent­wicklung mit MTU-Beteiligung.

Inside MTU Partnerschaften in Japan

Der MTU Maintenance gelang 2009 der Einstieg in den japanischen Markt über einen Instand­setzungs­vertrag mit All Nippon Airways (ANA). Die Instand­haltung ihrer Trieb­werke gewährleistet seitdem die MTU Maintenance Zhuhai in China, ein 50:50 Joint Venture zwischen der MTU Aero Engines und der Holding von Chinas größter Airline, China Southern. Seit 2011 vertraut auch Solaseed Air ihre Triebwerke dem expandierenden Werk an der süd­chinesischen Küste an.

Im September 2013 gründeten die MTU Aero Engines und das japanische Handels­haus Sumitomo Corporation zwei Joint Ventures: MTU Maintenance Lease Services und Sumisho Aero Engine Lease.

Japans erstes Zivil­flugzeug seit Jahrzehnten, der Mitsubishi Regional Jet (MRJ), hatte im Oktober 2014 in Nagoya seinen Rollout. An seinem Getriebefan-Antrieb, dem PW1200G, sind auch die beiden Partner MTU Aero Engines und die Japanese Aero Engines Corporation (JAEC) beteiligt. JAEC ist ein Joint Venture, das die Trieb­werks­aktivitäten von Kawasaki, Mitsubishi und Ishikawajima Harima bündelt. Anlass für den Zusammen­schluss war 1983 die Gründung der International Aero Engines (IAE) – mit dem Ziel, das V2500 für die A320-Familie mit vier weiteren Partnern gemeinsam zu entwickeln. Einer der langjährigen IAE-Partner von JAEC ist die MTU Aero Engines.

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