Mit Schlüssel­kunden über Strategie aus­tauschen

Seit Jahrzehnten arbeitet die Otto Fuchs Gruppe eng mit der MTU zusammen. Das Produkt: hochwertige Schmiedeteile, vor allem aus anspruchsvollen Titanlegierungen. Messegespräch auf der Paris Air Show 2017 mit Dr. Klaus Welschof, Leiter Vertrieb Luft- und Raumfahrt.

06.2017 | Autorin: Eleonore Fähling

Herr Dr. Welschof, die Paris Air Show ist für Sie als Vertriebsleiter der Otto Fuchs Gruppe erfolgreich, wenn …?

… wir die Gelegenheit finden, uns mit unseren Schlüsselkunden über die zukünftige Strategie auszutauschen. Wir beziehen die neuesten Überlegungen der Kunden in unsere Strategie ein, und wir berichten über unsere Weiterentwicklung: In diesem Jahr prägt vor allem die operative Zusammenführung der deutschen Muttergesellschaft Otto Fuchs mit der US-Tochterfirma Weber Metals Inc. zur Otto Fuchs Aerospace Group unsere Gespräche. Hinzu kommt die laufende Montage der größten und modernsten Schmiedepresse der letzten 50 Jahre, der neuen 60.000-Tonnen-Presse, die die Otto Fuchs Gruppe gerade in den USA errichtet.

Otto Fuchs arbeitet mit der MTU bei Verdichterscheiben aus Titan zusammen. Was ist die Besonderheit dieser Scheiben? Was ist Ihre Spezialität?

Ich persönlich blicke auf fast drei Jahrzehnte Zusammenarbeit zwischen MTU und Otto Fuchs zurück – und immer stand der Begriff „Innovation“ im Vordergrund! Gemeinsam mit der MTU konnten wir mehrere völlig neue Titan-Hochleistungs-Legierungen für Verdichterscheiben serienreif machen. Für das Werkstoff- und Prozess-Knowhow ist Otto Fuchs weltbekannt. Otto Fuchs war der erste Supplier, der von MTU eine zweite Auszeichnung erhielt, in diesem Fall für „Innovation“, was bei uns große Freude und ein wenig Stolz ausgelöst hat. Material- und kostensparende Schmiedeprozesse und Prüftechnologien, Big Data und Additive Manufacturing stehen weiterhin im Fokus der Innovation. Mit der MTU trifft Otto Fuchs jährliche Zielvereinbarungen, die auch Forschung und Entwicklung abdecken.

Dr.-Ing. Klaus Welschof (57), seit Ende 2007 Leiter Vertrieb Luft- und Raumfahrt bei der Otto Fuchs Gruppe in Meinerzhagen, seit Anfang 2016 im Executive Management Team “Aerospace Group”, Spartenleitung Aerospace Otto Fuchs Meinerzhagen & Weber Metals Inc., Paramount CA, USA. 1988 Eintritt in die Otto Fuchs KG als Mitarbeiter in Entwicklung und Technische Kundenberatung; später übernahm er verschiedene Aufgaben an der Schnittstelle von Entwicklung, Vertrieb und Projektmanagement. Davor Studium und Promotion in der Luft- und Raumfahrttechnik an der RWTH Aachen.

Standort Meinerzhagen – Luftbildaufnahme von 2014.

Otto Fuchs Gruppe
Mit 8.738 Mitarbeitern weltweit und einem Jahresumsatz von 2,4 Milliarden Euro (Stand 2015) fertigt die 1910 gegründete Otto Fuchs KG hochwertige Halbzeuge, insbesondere metallurgisch anspruchsvolle Schmiedestücke für die Luft- und Raumfahrtindustrie, die Automobilindustrie (Fuchsfelgen) sowie die Bauindustrie (Schüco-Fenster) und den Maschinen- und Anlagenbau. Zur Otto Fuchs Gruppe gehören Tochterfirmen in Deutschland, Ungarn, Südafrika, USA und China.

Neue Werkstoffe und Fertigungsverfahren werden den nächsten Technologieschritt im Flugtriebwerksbau ermöglichen, heißt es. Wie sehen Sie das?

Das ist absolut zutreffend. Die weitere Verbesserung der Energie- und Umwelteffizienz moderner Flugzeugtriebwerke geht von der Verbesserung des aerodynamischen und thermischen Wirkungsgrades aus: Im einen Fall dreht sich der Fan langsamer und die Niederdruckturbine schneller, die andere Richtung zielt auf die Steigerung von Betriebsdrücken und -temperaturen. In beiden Fällen braucht man verbesserte Werkstoffe und als Schlüsseltechnologie eine clevere Verarbeitung; in der Regel bedeutet das neue Schmiedeprozesse oder Additive Manufacturing. An beidem arbeiten wir. Auch wenn Otto Fuchs bei der MTU früher ein Synonym für „Titan“ gewesen ist: Seit 15 Jahren bezieht MTU Nickel-Werkstoffe für Verdichter und Turbinenkomponenten von Otto Fuchs. Und gerade haben wir ein neues Projekt mit MTU vereinbart, das die Turbine der Zukunft weiter verbessert.

Mit der bekannten Fuchsfelge ist Otto Fuchs sehr stark im Automobilbau vertreten. Gibt es Parallelen zwischen den Branchen? Welche Branche lernt eher von welcher?

In beiden Branchen wünschen wir uns, dass der Name Otto Fuchs mit Innovation und Qualität in Verbindung gebracht wird. Unsere Automotive-Sparte verfügt mit der Fuchsfelge® über ein weithin erkennbares Hightech-Produkt, das der Endverbraucher sofort mit Otto Fuchs identifiziert. In der Aerospace-Sparte funktioniert dasselbe auf Experten-Ebene (schmunzelt): Ihre zweite Frage nach den Titanscheiben deutet darauf hin, dass Otto Fuchs auch hier einen guten Ruf genießt.

Am Standort Meinerzhagen trägt die unmittelbare Nachbarschaft der Sparten Automotive und Aerospace dazu bei, dass jeder weiß, was der andere sehr gut kann. Konkrete Beispiele, wie die Sparten voneinander profitieren: Mit Luftfahrtwerkstoffen ist Otto Fuchs Automotive weltweiter Marktführer auf dem Sektor der PKW-Turbolader geworden. Mit der verketteten Automatisierung bei der Produktion fünfstelliger Jahresmengen aus dem Automotive-Bereich wurde die Aerospace-Sparte Qualitäts- und Kostenführer für Schmiedeprodukte in Struktur und Triebwerk. Otto Fuchs Aerospace konnte ohne große Probleme die Vertikale Integration für Luftfahrt-Produkte einführen – im Gegensatz zu anderen Schmieden hatten wir das nötige Wissen seit langem im eigenen Haus.

Aerospace und Automotive vertreten jeweils rund 40 Prozent der metallverarbeitenden Aktivitäten von Otto Fuchs, das bewirkt eine gesunde Konkurrenz um Platz eins (lacht). Die Parallele besteht in der gemeinsamen Verantwortung für nachhaltige Beschäftigung durch Innovation an den Otto Fuchs-Standorten in vier Kontinenten.

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