Spannende Zeiten für Hersteller

PCC Structurals aus Portland (Oregon) ist einer der wichtigsten Partner der MTU für Feingusskomponenten. Ein Interview mit Jim Criswell, Vice President, Strategic Sales von PCC Structurals, kurz vor seiner Abreise zur Paris Air Show 2017.

06.2017 | Autorin: Eleonore Fähling

Herr Criswell, PCC Structurals erzielt rund 70 Prozent seines Umsatzes im Luft- und Raumfahrt­geschäft. Mit welchen Branchen­trends rechnen Sie für die Paris Air Show?

Jim Criswell: Wir haben schon viel über die neue Generation moderner Turbofan-Trieb­werke, vor allem die LEAP- und PurePower-Reihe, und die neuen, von ihnen an­ge­triebenen Flug­zeuge gehört. Viele dieser Tech­nologien werden nun nicht mehr nur in Demons­tratoren oder Prototypen, sondern in rundum zertifizierten Serien­modellen verwirklicht. Wir freuen uns sehr, die neuen Pro­zesse für viele dieser neuen Programme mitzuent­wickeln. Zudem werden Unternehmen wie Mitsubishi und Embraer wahrschein­lich Flug­zeuge ausstellen, die sie über eine längere Zeit hinweg entwickelt haben – etwa die MRJ-90, KC-390 und hoffentlich auch einen E-Jet. Hersteller in unserer Branche erleben gerade spannende Zeiten.

PCC Structurals und MTU arbeiten derzeit vor allem gemeinsam an Widebody-Triebwerken wie dem GE9X. Die Gussteile, die Sie bisher für die MTU herstellen, sind bereits riesig. Kommende Trieb­werks­genera­tionen mit sehr hohen Neben­strom­ver­hältnissen könnten aber noch größere Komponenten erfordern. Wo liegen die technischen Grenzen und wie wollen Sie sie überwinden?

Criswell: Wir fertigen die weltweit größten Fein­guss­komponenten aus Titan, Stahl und Super­legierungen. Ihre Maximalgröße liegt mit unserer derzeitigen Ausrüstung bei 2,13 Metern. Wie Sie schon sagten, könnten für Widebody-Triebwerke immer größere Komponenten mit den Eigenschaften und Gewichtseinsparungen von Feingussteilen nötig werden. Angesichts dieser Anforderungen untersuchen unsere Material- und Technologieteams gemeinsam mit Teams für die Kundenentwicklung, wann wir neue Ausrüstung und Prozesse für künftige Komponenten einführen müssen.

Hauptsitz von PCC Structurals in Oregon (USA).

Precision Castparts Corporation (PCC) wurde 1956 in Portland (Oregon) gegründet. Heute setzt die Unter­nehmens­gruppe mit welt­weit rund 30.000 Mitarbeitern an etwa 160 Fertigungs­standorten jährlich ungefähr 10 Milliarden US-Dollar (2015) um. PCC Structurals, die Ursprungs­division von PCC, bietet nach eigener Aussage „hinsichtlich Legierungen, Größe und Komplexität das branchen­weit breiteste Portfolio an Gussteilen”. Der weltweit führende Hersteller von Feinguss-Struktur­komponenten ist auf Nickelbasis-Super­legierungen, Titan, Edelstahl und Aluminium spezialisiert. Er produziert unter anderem Gehäuse, Kanäle und Naben für die Luft- und Raumfahrt- sowie die Energie­branche. MTU und PCC Structurals arbeiten unter anderem bei Komponenten für das Turbinen­zwischen­gehäuse des GEnx, GP7000 und GE9X zusammen.

Warum und inwiefern sind Werkstoffe und Pro­duk­tions­kompetenzen für innovative Flug­zeug­trieb­werks­tech­nologien entscheidend?

Criswell: Dieses Know-how war in unserer Branche schon immer sehr wichtig. In der Luft- und Raumfahrt reicht die grundlegende Theorie und Erfahrung nicht aus, da wir uns ständig in allen geschäftlichen Aspekten verbessern müs­sen. Wer in dieser Industrie erfolgreich sein will, muss bei Konstruktion, Einkauf und Fertigung erfinderisch und innovativ sein. Material­ent­wicklung und -auswahl sind dafür vor allem bei Metallurgie­pro­zessen entscheidend. Wir prüfen regelmäßig gemeinsam mit den PCC-Divisionen TIMET und Special Metals, mit welchen Werkstoffen wir die Kundenanforderungen optimal erfüllen können.

Wird die additive Fertigung die Guss­teil­industrie revolutionieren? Was planen Sie?

Criswell: Die additive Fertigung ist für bestimmte Anwendungen im Guss­teile­bereich vorteilhaft. Auch wenn sich diese Technologie bei der Fertigung für die Luft- und Raumfahrt bislang nur begrenzt nutzen lässt, sind wir überzeugt, dass sie für die Branche immer wichtiger wird. Daher hat PCC Structurals im ver­gangenen Jahr den renommierten Spezialisten für 3D-Druck im DMLS-Verfahren (direktes Metall-Laser-Sintern), Atlantic Precision, Inc. (API) in Port St. Lucie (Florida), über­nommen. Da API nun zu PCC gehört, können wir Prozesse für Teile vergleichen, die Kunden derzeit entwickeln, und unter­suchen, wie sich unsere eigenen Fertigungs­verfahren für Gussteile optimieren lassen.

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