Betriebsunterbrechung heißt nicht Stillstand

Gelebte Solidarität im Kollegenkreis, rund um die Welt im Dienst des Kunden oder den Corona-Helfern Hilfe leisten. Und was ein Roadtrip durch Australien damit zu tun hat.

04.2020 | Autor: Thorsten Rienth

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Thorsten Rienth schreibt als freier Journalist für den AEROREPORT. Seine technikjournalistischen Schwerpunkte liegen neben der Luft- und Raumfahrtbranche im Bahn­verkehr und dem Transportwesen.

Nach drei Wochen Betriebsunterbrechung fährt die MTU den Betrieb an ihren deutschen Standorten sowie in Polen wieder hoch: In der Unternehmenszentrale in München vom 20. April an, zunächst in Kurzarbeit. Schrittweise wird Deutschlands führender Triebwerkshersteller seine Kapazitäten erhöhen, stets entsprechend der Kundenbedarfe und der Situation in der Zulieferkette.

Eine Woche zeitversetzt folgen mit der MTU Maintenance Hannover und der MTU Maintenance Berlin-Brandenburg die beiden anderen deutschen Standorte. Einige der weltweiten Instandhaltungsstandorte arbeiten bereits wieder auf hohem Niveau. Andere reagieren entsprechend der Nachfrage sehr flexibel. Auch während der Betriebsunterbrechung ging an einigen Stellen die Arbeit weiter.

Gelebte Solidarität – Hilfsfonds für Härtefälle im Kollegenkreis

An allen Standorten sind zahlreiche Maßnahmen für den Gesundheitsschutz der Mitarbeiter für den Hochlauf und die Zeit danach getroffen worden. Technischer und organisatorischer Art, an den Arbeitsplätzen selbst, aber auch an den Abläufen des Arbeitsalltags. Bei der MTU Maintenance Zhuhai etwa wird das Essen zentral in der Kantine zubereitet. Jede Abteilung hat einen Repräsentanten bestimmt, der für die Kollegen die Mahlzeit abholt.

Schutzmaßnahmen: Bei der MTU Maintenance Zhuhai werden z.B. bei Ankunft und Verlassen des Geländes Schutzmasken getragen und die Körpertemperatur wird regelmäßig kontrolliert.

Weil Kurzarbeit zu besonderen Härtefällen unter Kollegen führen kann, setzte die MTU innerhalb kurzer Zeit einen solidarischen Hilfsfonds auf. Über vier Millionen Euro ist er mittlerweile schwer. Vorstand und weit über 90 Prozent der Leitenden Angestellten verzichteten auf erhebliche Teile ihrer variablen Vergütung des vergangenen Geschäftsjahrs. „Mit diesem Solidarfonds tragen wir dazu bei, dass die Belastungen auf alle Schultern verteilt werden“, sagt MTU CEO Reiner Winkler.

**Schutzmasken:** Die MTU übergab Schutzmasken an bayrische Krankenhäuser und dem DRK-Landesverband Brandenburg. Fahren Sie über das Bild für eine größere Ansicht

Schutzmasken: Die MTU übergab Schutzmasken an bayrische Krankenhäuser und dem DRK-Landesverband Brandenburg.

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Schutzmasken: Die MTU übergab Schutzmasken an bayrische Krankenhäuser und dem DRK-Landesverband Brandenburg.

Auch bei der Bekämpfung der Pandemie war die MTU ganz unmittelbar mit Hilfe und Spenden beteiligt. So übergab das Unternehmen in München etwa 50.000 Schutzmasken an bayrische Notfalleinrichtungen und Krankenhäuser. Hintergrund war, dass die MTU stets Schutzmasken vorhält, sich weitere Masken im Zulauf befanden und auch für den Notbetrieb ausreichend Material vorhanden war. Die MTU Maintenance Berlin-Brandenburg übergab 10.000 Masken an den DRK-Landesverband Brandenburg. Diese Spende kam in erster Linie in Brandenburger Pflegeeinrichtungen zum Einsatz.

Die Belegschaft der MTU Aero Engines Polska mit Sitz in Rzeszów beteiligte sich an einer Geldspendenaktion für das nicht weit entfernte Krankenhaus in Lańcut. Es gehört zu jenen Kliniken in Polen, die COVID-19-Patienten intensivversorgen. „Es ist wichtig, vor allem an jene Menschen zu denken, die in den Krankenhäusern und in der Pflege arbeiten und dieser Tage ihr Bestes geben. Denn auf ihnen lastet aktuell der stärkste Druck,“ sagt Geschäftsführer Krystof Zuzak.

Immer im Dienst des Kunden

Gerade die Instandhaltungsbedarfe von Triebwerken oder Industriegasturbinen (IGT) richten sich nicht nach Pandemieverläufen. Deshalb war etwa die MTU Maintenance Dallas vor allem in Diensten ihrer Frachtkunden im Einsatz – damit deren Flotten weiterflogen und den dringend benötigten Warentransport sicherstellen konnten. Die Kollegen der MTU Maintenance Lease Services (MLS) mit Büros in Amsterdam, Singapur, Dublin, Dubai und Hannover waren ebenso durchgehend im Einsatz. Sie managten Flotten- und Assetmanagement sowie die Verteilung von Triebwerksteilen aus dem Home-Office.

Nun zahlte es sich aus, dass die MTU ihre Digitalisierung gerade in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut hatte. Dies zeigte sich während der Betriebsunterbrechung zum Beispiel auch am Münchner Ausbildungsteam: Aufgaben und Korrekturen gingen zwischen Ausbildern und Auszubildenden derweil per Skype, Teams, WhatsApp, WebEx hin und her.

**Digitalisierung:** Das Münchener Ausbildungsteam kommuniziert via Skype oder WebEx. Fahren Sie über das Bild für eine größere Ansicht

Digitalisierung: Das Münchener Ausbildungsteam kommuniziert via Skype oder WebEx.

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Digitalisierung: Das Münchener Ausbildungsteam kommuniziert via Skype oder WebEx.

**Notbesetzung:** Kleine Teams erledigen die wichtigsten Aufträge für unser Kunden. Fahren Sie über das Bild für eine größere Ansicht

Notbesetzung: Kleine Teams erledigen die wichtigsten Aufträge für unser Kunden.

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Notbesetzung: Kleine Teams erledigen die wichtigsten Aufträge für unser Kunden.

Ganz ersetzen lässt sich die praktische Arbeit an Maschinen so einfach natürlich nicht. Im Betriebsteil in Erding liefen die Arbeiten für die militärischen Kunden in Notbesetzung weiter. Im zivilen Bereich war unter anderem die Montage des PW1100G-JM-Triebwerks weiter im Dienst oder die Teileinstandhaltung für das V2500.

Steve Walkingshaw aus dem IGT Field Service der MTU in Australien setzte sich im Sinne eines Kunden gar für 2.000 Kilometer hinters Lenkrad – und fuhr für dringende Tätigkeiten an einer Industriegasturbine von Mount Gambier in Bundesstaat South Australia bis nach Alice Springs in der Mitte des Landes.

Helfern helfen, oder: MTU-Technologie im Einsatz

Die MTU Maintenance Berlin Brandenburg arbeitete unter anderem konzentriert daran, die Instandsetzung eines PW206B2-Triebwerks für einen Airbus H135P2-Rettungshubschrauber des finnischen Skärgardshavets Helikoptertjänst AB schnellstmöglich abzuschließen. Der Kunde ist auf medizinische Hubschrauber-Notfallflüge spezialisiert und damit gerade in Corona-Zeiten besonders gebraucht. Die Rückmeldung an die Kollegen aus Ludwigsfelde: „Vielen Dank für Eure exzellente Arbeit!“

Helfern helfen: Die Instandsetzung eines PW206B2 Triebwerks wurde so schnell wie möglich abgeschlossen.

Auch bei den „MedEvac“-Einsätzen (Medical Evacuation) der Bundeswehr war die MTU mit von der Partie, und zwar in Form der CF6-80C- und TP400-D6-Triebwerke an den zu fliegenden Intensivstationen umgerüsteten Airbus A310- und Airbus A400M-Flugzeugen. Sie flogen Corona-Patienten aus Italien und Frankreich zur medizinischen Behandlung nach Deutschland.

Während die „MedEvac“-Variante der A310 dank zahlreicher Einsatzjahre einen großen Bekanntheitsgrad hat, ist die Version des Airbus A400M noch vergleichsweise neu: Im August 2018 hatte die Bundeswehr den ersten von vier ICAE-Rüstsätzen (Intensive Care Aeromedical Evacuation) in Betrieb genommen. Das medizinische Team kann zwei Intensivpatienten, zwei „Intermediate Care“-Patienten und zwei der Stufe Low Care betreuen.

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