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Für die MTU weltweit im Einsatz

Martin Kösters gesamtes Berufsleben bei der MTU Aero Engines ist von Standortwechseln geprägt. Als die MTU ihre weltweiten Maintenance-Aktivitäten ausbaut, ist er als Mann der ersten Stunde und Projektleiter mit dabei.

04.2021 | Autorin: Nicole Geffert

Autorin:
Nicole Geffert arbeitet seit 1999 als freie Journalistin mit den Themen Forschung und Wissenschaft, Geld und Steuern, Ausbildung und Beruf.

Kopf

Wie viele Baupläne Martin Köster in den vergangenen Jahrzehnten ausgerollt und studiert hat, kann er nicht mehr zählen. In den vergangenen Wochen und Monaten hatte der Senior Consultant der MTU Aero Engines vor allem zwei Pläne griffbereit: den für den Aufbau des MRO-Shops von EME Aero in Polen sowie den für den Bau der Testzelle am zweiten Standort der MTU Maintenance Zhuhai.

„Meine Laufbahn bei der MTU ist eng mit dem globalen Wachstum der MTU verknüpft.“

Martin Köster

Senior Consultant der MTU Aero Engines

Kösters gesamtes Berufsleben ist von Standortwechseln geprägt. In den vergangenen 30 Jahren war er für die MTU weltweit im Einsatz, um am Auf- und Ausbau verschiedener MRO-Shops als Projektleiter in einem engagierten Team mitzuwirken. Dass die MTU weltweit so erfolgreich aufgestellt und für ihre Kunden präsent ist, verdankt sie dem Know-how, Einsatz und Engagement ihrer Mitarbeiter:innen. Köster ist einer von ihnen und sagt rückblickend: „Meine Laufbahn bei der MTU ist eng mit dem globalen Wachstum der MTU verknüpft.“

Kösters Karriere beginnt auf dem damals neuen Prüfstand der 1979 gegründeten MTU Maintenance Hannover, mit der die MTU in das Instandhaltungsgeschäft für zivile Triebwerke einsteigt. Als Mann der ersten Stunde ist er vor Ort, als die MTU in den folgenden Jahrzehnten ihre weltweiten Maintenance-Aktivitäten ausbaut und ihren einzigartigen „Global Footprint“ hinterlässt.

Standortaufbau im analogen Zeitalter

1989 übernimmt Köster den Posten als Projektleiter für den Aufbau der Airfoil Services in Malaysia, damals ein Joint Venture der MTU Maintenance Hannover und Malaysia Airlines, heute ein Joint Venture der MTU und Lufthansa Technik für die Reparatur von Triebwerkschaufeln. „Ende der 1980er Jahre gab es weder Internet, E-Mail noch Mobiltelefon. Da kam es schon mal vor, dass man geduldig am Fax stand, um Unterlagen zur MTU-Zentrale zu verschicken“, erinnert er sich an seinen ersten Auslandseinsatz.

Fremde Sprachen, andere Lebens- und Arbeitsweisen, ungewohntes Klima – für den MTU-Mitarbeiter alles kein Problem. Das Wort „Kulturschock“ nimmt Köster gar nicht erst in den Mund. Im Gegenteil: „Ich habe überwiegend nur Tolles erlebt. Zum Beispiel in Malaysia: Die kulturelle Vielfalt im Land hat mich fasziniert. Die Menschen sind tolerant, jede religiöse Gruppe feiert die Feiertage der anderen mit. Und dann das köstliche Essen! Von den kulturellen Erfahrungen habe ich später Familie und Freunden begeistert erzählt, das alles hat mich im positiven Sinn geprägt.“

Auch im Job hieß es für ihn und sein Team stets: Flexibel reagieren, respektvoll miteinander umgehen, Rücksicht auf die Gegebenheiten vor Ort nehmen, aber auch beharrlich sein, wenn es drauf ankommt – mit dieser Einstellung hat er sehr gute Erfahrungen gemacht.

Durchbruch für das globale Wachstum

1995 lockt den Projektleiter ein neuer Auftrag ans andere Ende der Welt. In Vancouver gilt es, den ehemaligen MRO-Shop von Canadian Airlines (heute Canada Air) in das MTU-Maintenance-Netzwerk zu transferieren – auf dieser Basis entsteht die MTU-Tochter MTU Maintenance Canada. „Die Gründung der MTU Maintenance Canada 1998 war ein wichtiger Durchbruch für die globale Ausbaustrategie des Unternehmens – und das im nordamerikanischen Markt, der vom starken Wettbewerb geprägt ist“, sagt Köster.

Kaum sind die MRO-Aktivitäten im Shop in Vancouver hochgefahren, geht es für ihn 1999 von Kanada direkt nach China, wo sein Know-how beim Aufbau der MTU Maintenance Zhuhai, ein Joint Venture mit China Southern Airlines, gefragt ist. „Es war großartig, in einem deutsch-chinesischen Team zu arbeiten“, erinnert sich Köster, damals Director Facility Engineering. Als Arbeitgeber habe man in China eine besondere Verantwortung für seine Mitarbeiter:innen. Dazu gehöre beispielsweise, eine enge soziale Beziehung aufzubauen und die Verbundenheit und den Zusammenhalt untereinander zu stärken. „Es ist durchaus üblich, auch nach der Arbeit gemeinsam Zeit zu verbringen, um zusammen Sport zu treiben oder sich für das Gemeinwohl zu engagieren.“

Der Shop der MTU Maintenance Zhuhai ist auf Schwemmland errichtet. Fahren Sie über das Bild für eine größere Ansicht

Der Shop der MTU Maintenance Zhuhai ist auf Schwemmland errichtet.

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Der Shop der MTU Maintenance Zhuhai ist auf Schwemmland errichtet.

Der Bau des Prüfstands ist eine Herausforderung. Insgesamt 30.000 Pfähle sorgen für einen sicheren Stand. Fahren Sie über das Bild für eine größere Ansicht

Der Bau des Prüfstands ist eine Herausforderung. Insgesamt 30.000 Pfähle sorgen für einen sicheren Stand.

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Der Bau des Prüfstands ist eine Herausforderung. Insgesamt 30.000 Pfähle sorgen für einen sicheren Stand.

2007 entsteht das neue Werk der Airfoil Services in Kota Damansara, Malaysia. Fahren Sie über das Bild für eine größere Ansicht

2007 entsteht das neue Werk der Airfoil Services in Kota Damansara, Malaysia.

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2007 entsteht das neue Werk der Airfoil Services in Kota Damansara, Malaysia.

Kernkompetenz ist die Schaufelreparatur von Niederdruckturbinen und Hochdruckverdichtern. Fahren Sie über das Bild für eine größere Ansicht

Kernkompetenz ist die Schaufelreparatur von Niederdruckturbinen und Hochdruckverdichtern.

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Kernkompetenz ist die Schaufelreparatur von Niederdruckturbinen und Hochdruckverdichtern.

Testzelle auf Pfählen im Schwemmland errichtet

Zu Kösters Zeit entsteht in Zhuhai der bis dahin größte und modernste Prüfstand der MTU. „Der Bau war eine Herausforderung. Denn der MRO-Shop in Zhuhai ist auf Schwemmland errichtet. Das erforderte eine besondere Konstruktion für die Testzelle: 50 Meter lange Pfähle mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern wurden ins Erdreich gerammt, um sicherzustellen, dass der Boden dem Gewicht und den Schwingungen standhält.“ Insgesamt 30.000 Pfähle sorgen für einen sicheren Stand des Shops im Schwemmland des Perlflussdeltas.

„Mit Löwentanz und traditioneller Eröffnungszeremonie wurde die MTU Maintenance Zhuhai dann eröffnet“, erinnert sich Köster. Die MTU hatte sich als Standort für die Freihandelszone in der Provinz Guangdong entschieden. Die Nähe zu Hongkong und Macau macht den Shop von Anfang an für Drittkunden attraktiv. Bis 2005 koordiniert Köster den Aufbau der MTU Maintenance Zhuhai, die sich seit ihrer Gründung 2001 in den folgenden Jahren zur Nummer 1 in der Triebwerksinstandhaltung auf dem chinesischen Markt entwickelt.

In Zhuhai ist auch Kösters Familie an seiner Seite. Und die Familie ist auch dabei, als es ihn 2005 nach Kuala Lumpur zieht, um dort in einem Team den neuen Standort der Airfoil Services Sdn. Bhd. (ASSB) Malaysia, seit 2003 ein Joint Venture mit Lufthansa Technik, aufzubauen. 2007 entsteht das neue Werk in Kota Damansara, das viermal so groß wie die bisherige Fertigungsstätte ist und Platz für Ausbauaktivitäten bietet, um die Kapazitäten für die Reparatur von Schaufeln für Niederdruckturbinen und Hochdruckverdichtern zu erweitern.

Die MTU-Expert:innen wissen längst, was es heißt, einen Standort zu planen, aufzubauen und in Betrieb zu nehmen – angefangen vom geeigneten Grundstück über das perfekte Hallenlayout und die ausgefeilte Gebäudetechnik bis zur Beschaffung und Installation von Anlagen, Maschinen und Werkzeugen. In Malaysia kommt eine neue Herausforderung hinzu. „Die Verlegung der alten Firma in den neuen Shop war ein Mammutprojekt“, erinnert sich Köster. „Die Mitarbeiter:innen zogen mit um, für deren Familien mussten wir neue Wohnungen, Kitas und Schulen finden.“

Mit jedem Aufbau Innovatives geleistet

2008 erreicht den Projektleiter in Malaysia ein Anruf von der MTU-Geschäftsführung: „Wie schnell können Sie zurück sein?“ Für Köster geht es daraufhin zurück nach Europa, konkret nach Polen. Denn dort entsteht der erste polnische MTU-Standort, die MTU Aero Engines Polska, die nach ihrer Inbetriebnahme 2009 nicht nur Triebwerksbauteile fertigt, sondern die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt – von der Entwicklung bis zur Fertigung und Reparatur.

Martin Köster hat nach 42 Jahren bei der MTU seine berufliche Reise um die Welt beendet. Fahren Sie über das Bild für eine größere Ansicht

Martin Köster hat nach 42 Jahren bei der MTU seine berufliche Reise um die Welt beendet.

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Martin Köster hat nach 42 Jahren bei der MTU seine berufliche Reise um die Welt beendet.

Die MTU Aero Engines Polska nahm den Betrieb im April 2009 auf. Fahren Sie über das Bild für eine größere Ansicht

Die MTU Aero Engines Polska nahm den Betrieb im April 2009 auf.

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Die MTU Aero Engines Polska nahm den Betrieb im April 2009 auf.

Routine werden die Jobs für Köster und sein Team nie. „Nach so vielen Jahren in der Projektleitung profitiert man von seinen Erfahrungen und seinem Know-how, lernt aber immer wieder Neues dazu“, sagt er. „Die MTU hat ihr Triebwerksportfolio erweitert, neue Reparaturverfahren entwickelt und eine hervorragende Engineering-Kompetenz aufgebaut. Das alles hat das weltweite Ansehen der MTU gesteigert. Und mit jedem Aus- und Aufbau eines Standorts haben wir als Unternehmen Innovatives geleistet.“

Aktuelles Beispiel ist das weltweit einzigartige Montagekonzept – entwickelt und realisiert von MTU-Spezialist:innen – im MRO-Shop von EME Aero, dem Joint-Venture der MTU und Lufthansa Technik. Seit 2016 ist Köster als Berater beim Aufbau des zweiten polnischen Standorts im Einsatz. Der hochmoderne Shop für die Instandhaltung der fortschrittlichen PW1100G-JM-Triebwerke aus der Pratt & Whitney GTFTM Triebwerksfamilie, der 2020 seinen Betrieb aufnahm, begeistert ihn.

Kösters Enthusiasmus für das Triebwerksbusiness ist ungebremst. Bis zu seinem Ruhestand hat er zudem das Team in Zhuhai beraten, wo zurzeit ein zusätzlicher Standort aufgebaut wird. Inzwischen hat der Senior Consultant nach 42 Jahren bei der MTU seine berufliche Reise um die Welt beendet. Die MTU setzt ihr globales Wachstum fort – zum Beispiel in Serbien. Die MTU Maintenance Serbia, das neue Reparaturwerk für Triebwerksteile in Nova Pazova nahe Belgrad, wird 2022 an den Start gehen.

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