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CF6-80C2: Der Widebody-Klassiker wird 40 Jahre alt
Über 1,9 Millionen Flugstunden: Die CF6-80C2 gehört zu den erfolgreichsten Triebwerken der Welt. Und seine Geschichte ist noch lange nicht zu Ende erzählt.
Autor: Saša Lakić | 3 Min. Lesezeit veröffentlicht am: 08.01.2026
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Saša Lakić
ist in Berlin ansässig und der Medienbeauftrage für das globale MTU Maintenance-Netzwerk. Bevor er 2019 in die Logistikabteilung der MTU Maintenance Canada wechselte, war er als Reporter tätig. Er interessiert sich für Triebwerke, sammelt Schallplatten und liebt das Oxford-Komma.
Die CF6-80C2 hat in ihrer 40-jährigen Geschichte einiges erlebt: den Fall der Berliner Mauer, den Beginn des Internetzeitalters und die Revolution durch Smartphones. Seit dem Entry-Into-Service im Jahr 1985 transportiert das Triebwerk zuverlässig und sicher wirklich alles – von Last-Minute-Geschenken bis hin zum Präsidenten der Vereinigten Staaten als Antrieb der Air Force One.
Die inzwischen legendäre und meistverkaufte Widebody-Triebwerkserie CF6 markiert auch einen Meilenstein in der Geschichte der MTU Aero Engines: die erste zivile Risk-and-Revenue-Sharing-Partnerschaft mit GE Aerospace. Seit dem Entwicklungsstart der CF6-50-Variante 1971, kollaborieren die zwei Hersteller an dem Erfolgstriebwerk. Mit einem Programmanteil von 9,1 Prozent fertigt die MTU am Standort München Leit- und Laufschaufeln für die Hochdruckturbine sowie die vordere Außendichtung (Forward Outer Seal) und den Hitzeschutz. Parallel zum Wachstum der weltweiten „-80er“-Flotte in den späten 1980er- und 1990er-Jahren baute die MTU umfassende MRO-Dienstleistungen auf – zunächst in Hannover (seit 1989), später auch in Kanada (seit 2020).
Das Erfolgsrezept: einfach, robust und fehlertolerant
Anjum Hashmi, Chief Powerplant Engineer für das CF6-80C2-Programm bei der MTU Maintenance Canada, arbeitet seit den frühen 1980er-Jahren an CF6-Triebwerken. Den Großteil seiner Karriere widmete er dem CF6-50 – zunächst bei Pakistan International Airlines und seit 2000 bei der MTU. Er führt den Erfolg der CF6-Familie auf ihre einfache, robuste und fehlertolerante Kernarchitektur zurück, die Ausfälle reduziert und Instandhaltungsintervalle verlängert.
„Das hielt das CF6-Triebwerk über ein halbes Jahrhundert wettbewerbsfähig. Wir mussten unser Know-how ständig mit neuen Modifikationen und Hardware-Updates weiterentwickeln.“
Chief Powerplant Engineer
„Über 40 Jahre am selben Triebwerkstyp zu arbeiten, war nie langweilig“, sagt Hashmi, der stolz darauf ist, das CF6-80C2-MRO-Programm am Standort südlich von Vancouver mit aufgebaut zu haben. „Ich bin regelmäßig auf etwas Interessantes gestoßen, das ich noch nie zuvor gesehen hatte. GE hat die Hardware kontinuierlich weiterentwickelt, während neue Technologien entstanden. Das hielt das CF6-Triebwerk über ein halbes Jahrhundert wettbewerbsfähig. Wir mussten unser Know-how ständig mit neuen Modifikationen und Hardware-Updates weiterentwickeln.“
Während sich andere MRO-Anbieter von der CF6-80C2 zurückziehen, bleibt die MTU Maintenance auch heute weltweit einer der führenden Servicepartner für das Triebwerk – insbesondere für Frachtfluggesellschaften. Das Leistungsspektrum umfasst dabei unter anderem maßgeschneiderte Arbeitsumfänge, Leasing- und Asset-Management sowie On-Site-Services. Seit der Ersteinführung des CF6-80C2-Programms 1989 am Standort Hannover, hat die MTU weit über 2.200 Shop Visits durchgeführt. 36 Prozent aller weltweiten Shop Visits des CF6-80C2 laufen heute über die MTU Maintenance.
Fast Facts: CF6-80C2
- Globale Flugstunden (2024): 1,97 Millionen
- Aktuelle Flugzeugflottengröße mit CF6-80C2-Antrieb: 918
- Die MTU hat weit über 2.200 Shop Visits an diesem Triebwerksprogramm durchgeführt
- Die Industriegasturbine LM6000TM, ein Schlüsselprogramm bei der MTU Maintenance Berlin-Brandenburg, ist eine direkte Ableitung des CF6-80C2
- Die militärische Variante F138 kommt im US-Luftwaffen-Transporter C-5M Super Galaxy zum Einsatz
Verlässliches Arbeitspferd für große Nutzlasten
Die CF6-80C2 entstand Anfang der 1980er-Jahre als Weiterentwicklung der erfolgreichen Vorgänger CF6-6 und CF6-50. Mit größerem Fan und einer fünfstufigen Niederdruckturbine erreicht sie bis zu 63.500 Pfund Schub – ideal für große Nutzlasten. Heute ist sie vor allem im Frachtflieger Boeing 767F im Einsatz, aber auch in umgerüsteten Frachtern wie der Boeing 747 und dem Airbus A300. Über 70 Prozent der Flotte befördern Fracht, rund 20 Prozent Passagiere. Der Rest dient militärischen Zwecken, etwa als F138 im US-Luftwaffen-Transporter C-5M Super Galaxy.
Rund 120 Fluggesellschaften setzen das Triebwerksmodell in ihrem Betrieb ein und die Passagier-zu-Fracht-Umrüstungen während der Pandemiejahre erlebten einen massiven Boom. „Die CF6 hat mit Abstand die meisten Flugstunden aller Widebody-Triebwerke und der Erfolg der CF6-80 wird sich fortsetzen, dank ihrer starken Präsenz im Frachtmarkt“, sagt Nicolas Emmrich, Market Analyst bei der MTU. „Die CF6-80 war ein echter Meilenstein für die MTU: Sie positionierte das Unternehmen als globalen Partner im Widebody-Segment, brachte jahrzehntelang hochprofitables Aftermarket-Geschäft und ebnete den Weg für unsere Expertise im Widebody-Triebwerksbereich, einschließlich der Programme der neuen Generation wie GEnx und GE9X.“
Bis 2040 wird die weltweite von -80ern betriebene Flotte von derzeit 918 auf etwa 450 Flugzeuge schrumpfen. Dabei wird MTUs führende Philosophie für kosteneffiziente MRO für Betreiber, die ihre Assets mittelfristig ausmustern wollen, noch wichtiger. Nach 40 Jahren einer bemerkenswerten Erfolgsgeschichte wird die letzte CF6-80C2 zwar 2027 zusammen mit der finalen Boeing 767F ausgeliefert. Doch das bedeutet noch lange nicht das Ende dieses Klassikers.