AEROREPORT: Wie ist die MTU mit dieser Situation umgegangen?
Schreyögg: Wir haben stets an die fundamentale Stärke unserer Industrie geglaubt. Deshalb haben wir jede Möglichkeit genutzt, um in unsere talentierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und unsere globalen Standorte zu investieren. Ein Beispiel hierfür ist unser neuer Reparaturstandort, MTU Maintenance Serbia: Den haben wir während der Pandemie aufgebaut und 2022 eröffnet.
Und jetzt, wo die Luftfahrtindustrie wieder voll auf Kurs ist, arbeiten wir hart daran, in allen Bereichen aufzustocken – von der Lieferung neuer Antriebe und Ersatzteile bis hin zur bestmöglichen Betreuung unserer Instandhaltungskunden.
AEROREPORT: Was sind Ihre Prioritäten für das restliche Jahr 2024, wo doch so viel zu tun ist?
Schreyögg: In einem Wort: Flexibilität.
AEROREPORT: Das bedeutet?
Schreyögg: Eine Nachfrage, die die Kapazitäten übersteigt, ist für ein Unternehmen grundsätzlich ein „gutes“ Problem. Aber es ist auch eine Gratwanderung, wenn es darum geht, Kunden und Partner zufrieden zu stellen. Deshalb müssen wir als Unternehmen flexibel agieren und optimale Lösungen finden, um unseren Verpflichtungen nachzukommen.
AEROREPORT: In dieser Antwort steckt eine ganze Menge Management-Sprech. Können Sie uns ein konkretes Beispiel dafür geben, was Sie meinen?
Schreyögg: Zum Beispiel ist die Lieferkette stark belastet. Das kann bedeuten, dass man bei Instandhaltung, Reparatur und Überholung, kurz MRO, auf gebrauchte Teile zurückgreifen muss. So können wir den Teilebedarf decken, wenn ein Triebwerk zur Überholung im Shop ist – ohne von Neuteilen abhängig zu sein, die aufgrund von Engpässen oft nicht in ausreichender Menge verfügbar sind.
Dies klingt einfacher, als es tatsächlich ist. Der Markt für gebrauchte Teile ist äußerst volatil und die Nachfrage ist aktuell sehr hoch. Unsere Teams müssen daher nicht nur schnell handeln, sondern auch über fundiertes Wissen in technischen, finanziellen und marktspezifischen Bereichen verfügen.