An Gate B7 steht das heutige Flugzeug mit dem Kennzeichen YL-AAV zum Flug nach Teneriffa bereit, ausgeliefert im Dezember 2019. Die A220 bietet bei Air Baltic 148 komfortable Sitze und obwohl noch keine Schulferienzeit ist, sind 143 davon auf Flug BT761 an diesem Morgen besetzt. Der Kapitän nach Teneriffa ist heute Chefpilot Gerhard Ramcke, ein Deutscher aus Hamburg, der fast 10.000 Flugstunden im Logbuch hat – davon 3.100 auf der A220 – und seit 17 Jahren für Air Baltic fliegt. Es gibt vermutlich keinen anderen Flugkapitän, der so viel Erfahrung mit der A220 auf sehr langen Strecken hat. Er hat bereits die erste CS300 weltweit (wie die heutige A220-300 damals hieß) beim Hersteller in Montréal-Mirabel abgeholt und über den Atlantik nach Hause geflogen, weitere Ablieferungsflüge folgten. Noch mehr Meriten auf A220-Langstrecken erwarb er sich bei einer ausgedehnten Vorführungstour 2019, als Airbus ein Flugzeug von Air Baltic mietete um es den ganzen Weg von Riga nach Australien und weiter nach Neuseeland und einigen anderen Südseestaaten sowie in asiatische Länder zu fliegen. „Das war schon ganz besonders“, erinnert sich Ramcke mit einem Lächeln.
Heute morgen ist die Route für ihn viel weniger exotisch. Die Distanz nach Teneriffa wurde mit 2.578 nautischen Meilen (4.774 km) berechnet, inklusive eines kleinen Umwegs, um den von Russland verwalteten Luftraum über Kaliningrad südwestlich von Riga zu umgehen, dessen Überflug wegen des Ukraine-Kriegs verboten ist. „Das ist nur ein kleiner Umweg für uns, vielleicht nochmal 50 oder 80 km zusätzlich auf diesem ohnehin längsten A220-Passagierflug. Aber weil wir jetzt manchmal niedriger oder Umwege fliegen müssen haben wir heute 0,3 Tonnen mehr Sprit getankt“, erklärt der Kapitän. Ansonsten ist es eine Route die in fast gerader Linie den äußersten Nordosten Europas mit den Kanarischen Inseln vor der afrikanischen Küste verbindet, „da gibt es normalerweise sehr wenig Variationen“, weiß Ramcke. Insgesamt sind heute 14,1 Tonnen Sprit an Bord, während die Kapazität Platz für 17 Tonnen geboten hätte. Das Startgewicht liegt bei 63,7 Tonnen, dreieinhalb Tonnen unter dem maximalen Startgewicht. Es ist offensichtlich, dass die A220 eine beträchtliche Reichweite hat: Schon früher hatte Air Baltic-Chef Martin Gauss betont, dass sie ohne Probleme sogar Addis Abeba oder Delhi aus Riga erreichen könnte.