Niederdruckturbinenentwicklung bei der MTU
Die MTU beschäftigt sich seit den 1960er-Jahren mit der Turbinentechnologie. Erste eigenständige Entwicklungsaktivitäten kamen mit dem Tornado-Triebwerk RB199 auf das Unternehmen zu: Die MTU zeichnet für die Mitteldruckturbine verantwortlich.
Als Pratt & Whitney Anfang der 1970er-Jahre ein Triebwerk für eine neue Generation mittelgroßer Passagierflugzeuge mit etwa 200 Sitzen auflegte – Projektname JT10-D – entwickelte und fertigte die MTU erstmals in ihrer Geschichte eine zivile Niederdruckturbine. Das JT10-D wurde in PW2037 umbenannt und fand seine Anwendung in der Boeing 757 und im Militärtransporter Boeing C-17 Globemaster.
Die fünfstufige JT10-D-Niederdruckturbine setzte auf Anhieb Maßstäbe: Der Wirkungsgrad war so hoch, dass er die Fachwelt aufhorchen ließ. Als Ergebnis daraus war die MTU geradezu prädestiniert, bei einem Folgeprogramm – dem V2500 – ebenfalls wieder dieses Modul zu übernehmen. Das V2500 bringt unter anderem die Airbus A320ceo-Familie in die Luft und wurde zum wichtigsten zivilen Triebwerksprogramm der MTU. Es folgten eine Reihe weiterer Entwicklungsprogramme für Niederdruckturbinen, etwa für die Triebwerke PW300 und PW500, die Geschäftsreiseflugzeuge antreiben, sowie für das PW4000 und GP7000.
Heute hat die MTU den Ruf, einer der erfahrensten und technologisch führenden Niederdruckturbinenhersteller der Welt zu sein. Die jüngste Entwicklung: Die schnelllaufende Niederdruckturbine der MTU ist eine Schlüsselkomponente des innovativen Getriebefans und wird für diese Anwendung ausschließlich von der MTU beherrscht. Der GTF Advantage™ erhält eine weiter optimierte NDT made by MTU.
Was zeichnet die schnelllaufende NDT im Getriebefan aus?
Die GTF-NDT erreicht deutlich höhere Umfangsgeschwindigkeiten, wodurch die aerodynamische Belastung sinkt und sich größere Stufenarbeiten bei gleichzeitig höheren Stufen-Wirkungsgraden realisieren lassen. Das verringert die Anzahl der Stufen nahezu auf die Hälfte.
Die schnelllaufende NDT weist eine neuartige, aerodynamisch optimierte 3D-Beschaufelung auf. Aufgrund der Wahl gegenläufiger Drehrichtungen von Hoch- und Niederdruckwelle konnte die bisher übliche erste Leitschaufelstufe der NDT in das Turbinenzwischengehäuse integriert werden. Weitere Highlights sind ein neues Gehäusekonzept zur besseren Abschirmung vom Heißgas sowie leichtere Werkstoffe für die Rotorscheiben. MTU-Bürstendichtungen reduzieren Kühl- und Leckageluft. Boroskopaugen sind die ersten Serienbauteile, die additiv per Laser Powder Bed Fusion gefertigt werden.