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Mehr als nur Schub: Wie Triebwerke für Strom sorgen
Vom Triebwerksgenerator bis zur Notfallturbine: So wird ein Flugzeug mit Strom versorgt – und warum an Bord jedes Kilo zählt.
Autor: Thorsten Rienth | 2 Min. Lesezeit veröffentlicht am: 23.01.2026
Autor:
Thorsten Rienth
schreibt als freier Journalist für den AEROREPORT. Seine technikjournalistischen Schwerpunkte liegen neben der Luft- und Raumfahrtbranche im Bahnverkehr und dem Transportwesen.
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Was wäre ein Flugzeug ohne Triebwerk? Klar: Es würde nicht fliegen. Doch moderne Triebwerke leisten weit mehr als nur Vortrieb. Sie bremsen beim Landen, versorgen die Kabine mit Luft und Wärme, erzeugen Strom für Bordelektronik und treiben hydraulische Systeme an. Sie sind das energetische Rückgrat des Flugbetriebs – und übernehmen Funktionen, die für Sicherheit, Komfort und Effizienz unverzichtbar sind. In diesem Teil: Wie Triebwerke Strom erzeugen – und warum das Bordnetz eine technische Meisterleistung ist.
Ein modernes Verkehrsflugzeug ist voller elektrischer Verbraucher – vom Wetterradar in der Nase über Cockpitinstrumente bis zur Leseleuchte am Sitz. Doch an Bord zählt jedes Kilo, und der Platz ist knapp. Für große Batterien reicht er nicht. Deshalb erzeugen Triebwerksgeneratoren den Strom während des Flugs. Sie sind typischerweise an der Hochdruckverdichterwelle angebracht, erklärt Christopher Simson, MTU-Ingenieur in der Vorauslegung ziviler und militärischer Programme:
„Der Flugzeughersteller gibt vor, wie viel elektrische Leistung er bei welchen Betriebspunkten benötigt. Die Generatoren werden dann dementsprechend ausgelegt. Zum Einsatz kommen meist Drei-Phasen-Wechselstromgeneratoren mit sterngeschalteter Statorwicklung."
MTU-Ingenieur
Das Bordnetz arbeitet typischerweise mit 115 Volt und 400 Hertz. Warum nicht 50 oder 60 Hertz wie im Haushalt? Bei höheren Frequenzen lassen sich Transformatoren deutlich kleiner und leichter bauen, weil sie weniger Metall und Wicklungen benötigen. Bestimmte Avioniksysteme oder die Notstromversorgung benötigen jedoch Gleichstrom – dafür sind Transformator-Gleichrichter an Bord.
Am Boden liefert meist eine Ground Power Unit (GPU) den Strom. Sie wandelt die örtliche Netzspannung in die Bordspannung um. Alternativ kann die Auxiliary Power Unit (APU), ein kleines Triebwerk im Heck, Strom erzeugen – sowohl am Boden als auch in der Luft.
Am Boden versorgt eine Ground Power Unit (GPU) das Flugzeug mit elektrischem Strom. Sie übernimmt die Energieversorgung für Bordnetze und Systeme, solange die Triebwerke abgeschaltet sind.
Stromerzeugung im Notfall
Selbst auf einen kompletten Stromausfall sind moderne Flugzeuge vorbereitet. Zunächst übernimmt eine Notfallbatterie essenzielle Funktionen wie Fluginstrumente, Kommunikation und Notbeleuchtung. Sie gleicht einen Stromverlust in Mikrosekunden aus und hält typischerweise 20 Minuten. Als letzte Reserve dient die RAT (Ram-Air-Turbine, deutsch: Stauluftturbine). Sie lässt sich mechanisch ausklappen und liefert, vom Fahrtwind angetrieben, Strom für wichtige Systeme wie die Fly-by-wire-Steuerung. Zu diesem Zeitpunkt haben die Pilot:innen längst die Notlandung am nächstgelegenen Flughafen eingeleitet.