Angewinkelte Flügel reduzieren die Last auf Tragfläche und Zelle
„Wenn man ohnehin ein Gelenk im Flügel hat, um ihn am Boden hochzuklappen, dann kann man einen Mechanismus integrieren, der den Außenflügel bei starken Böen im Flug automatisch anwinkelt“, erklärt Zeumer. „Damit reduziere ich den Auftrieb am Außenflügel – und damit die Biegebelastung des Flügels – deutlich.“ Ein so entlasteter Flügel ist eine Möglichkeit, leichter und damit effizienter zu bauen. „Wichtig ist dabei, dass der längere, schlankere Flügel beim Gewicht im Rahmen bleibt. Wenn er zu schwer ist, werden die Effizienzvorteile der höheren Spanweite wieder aufgefressen“, so Zeumer.
Airbus UpNext plant, die Testflüge mit dem umgerüsteten Citation‑Jet ferngesteuert und ohne Pilot:innen an Bord durchzuführen. So lassen sich lange Zulassungsverfahren umgehen und die Technologie bei Versuchsflügen bis an ihre Grenzen testen. Das Testflugzeug dient dabei lediglich als verkleinertes Abbild eines künftigen Schmalrumpfflugzeugs der nächsten Generation. Dessen Spannweite würde umgerechnet rund 50 Meter betragen – vergleichbar mit der Boeing 787. Heutige Mittelstreckenflugzeuge wie die Familien A320neo und Boeing 737‑MAX kommen dagegen auf knapp unter 36 Meter Spannweite. „Die Flügellänge dieser Flugzeuge ist durch die Bodeninfrastruktur begrenzt und damit etwas geringer, als es für den Verbrauch ideal wäre. Das zeigt schon der Vergleich zur deutlich kleineren, aber moderneren Embraer E195‑E2, die trotz ihrer geringeren Größe ebenfalls über 35,1 Meter Spannweite verfügt“, erklärt Zeumer.
Airbus untersucht derzeit Flügellängen zwischen 45 und 52 Metern – Abmessungen, mit denen die meisten Gates auf den Vorfeldern heutiger Flughäfen nicht mehr in Frage kommen. „Die nächste Generation von Single‑Aisle‑Flugzeugen wird auf jeden Fall Klappflügel haben“, ist sich Zeumer sicher. „Ob man den Klappmechanismus auch im Flug zur Lastminderung einsetzen wird, bleibt abzuwarten.“