Wie sind Sie Senior Flight Test Engineer bei der MTU geworden?
Ich habe Luft- und Raumfahrttechnik an der Technischen Universität in München studiert. 1998 habe ich meine Karriere bei der MTU Aero Engines in München gestartet. Es hat nicht lange gedauert, bis sich die Chance bot, ins Flugerprobungsteam für das Eurofighter-Triebwerk EJ200 einzusteigen, das bei der damaligen EADS in Manching – etwa 70 Kilometer nördlich von München – stationiert war. Ich erinnere mich noch gut an den abwechslungsreichen Job da draußen, als die Eurofighter täglich über unsere Köpfe gedonnert sind. Es hieß damals, wer dort arbeitet, hat Kerosin im Blut.
Der Job in der Flugerprobung hat Sie nie mehr losgelassen?
Richtig. Nirgends in der MTU ist man dem fliegenden Triebwerk so nah wie in der Flugerprobung. Das begeistert mich. Deshalb habe ich auch keine Minute gezögert, als es darum ging, ab 2007 das TP400-D6-Flugerprobungsteam für den Militärtransporter A400M zu verstärken. Seit 2008 arbeite ich im Flight Test Center von Airbus in Toulouse/Frankreich. 2014 wechselte ich dann erstmals vom militärischen in das zivile Programm. Seitdem arbeite ich als MTU-Mitarbeiter in Toulouse, um Airbus bei der Erprobung und Zertifizierung des PW1100G-JM zu unterstützen, das die Airbus A320neo-Familie antreibt.
Wie sieht ein typischer Tagesablauf bei Ihnen aus?
Es gibt keinen typischen Tagesablauf, das ist der Reiz. Aber es gibt durchaus festgelegte Abläufe und Prozesse. Jeder Flug will sorgfältig vorbereitet sein. Vor jedem Erprobungsflug bin ich mit dem Team eine Stunde vorher am Flugzeug. Wir tragen Sicherheitskleidung wie Leuchtwesten, Helm und Sicherheitsschuhe. Ich inspiziere die Triebwerke, dann steige ich in das Flugzeug. Sitzreihen gibt es keine. Den Platz beanspruchen etwa Monitore und Geräte für die umfangreiche Messtechnik. Ich starte die Engine Monitoring Station (EMS), das elektronische Aufzeichnungsgerät für die Triebwerksparameter, und bereite alles für die Aufzeichnung der Triebwerksdaten vor.
Sind Sie während der Erprobungsflüge mit an Bord?