MTU-Führungskraft Dr. Mihaela Sorina Seitz fördert MINT-Studentinnen

Frauen, die ein naturwissenschaftlich-technisches Studium absolvieren, haben beste Karrierechancen. Ein Gespräch mit Dr. Mihaela Sorina Seitz von der MTU Aero Engines, über die Förderung von MINT-Studentinnen.

04.2020 | Autorin: Nicole Geffert

Autorin:
Nicole Geffert arbeitet seit 1999 als freie Jour­nalistin mit den Themen Forschung und Wissen­schaft, Geld und Steuern, Aus­bildung und Beruf.

Immer noch sind Frauen in Deutschland in den naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen verhältnismäßig unterrepräsentiert. Sie möchten das ändern und unterstützen engagierte und begabte Studentinnen. Worauf zielt Ihr Engagement?

Mit zunehmenden Berufsjahren ist es für mich immer wichtiger geworden, junge Frauen, die ein sogenanntes MINT-Fach – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik – studieren, persönlich zu beraten und beruflich zu begleiten. Das ist auch deshalb wichtig, weil es einerseits nach wie vor einen steigenden Bedarf an hochqualifizierten, technisch ausgebildeten Nachwuchskräften gibt. Andererseits mangelt es insgesamt an MINT-Absolventen. Mein Engagement zielt darauf ab, junge Frauen in naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen zu ermutigen, ihre Stärken in diesen Berufen zu nutzen und sich später auch den Anforderungen einer Führungsposition zu stellen. Solange Frauen in den Ingenieursberufen zahlenmäßig noch nicht so stark wie Männer sind, ist es wichtig, sie zu fördern.

Dr. Mihaela Sorina Seitz: Die Leiterin Advanced Materials bei der MTU fördert MINT Studentinnen.

Dr. Mihaela Sorina Seitz, Jahrgang 1968, ist seit 2018 Leiterin Advanced Materials bei der MTU Aero Engines. Davor war sie in der Programmleitung für GE Triebwerksprogramme tätig. Weitere Stationen ihrer Karriere waren unter anderem Leiterin Repair Engineering bei der MTU Maintenance Hannover und der MTU in München, Leiterin Marketing, Sales und Customer Account sowie Executive Business Assistant für den Vorstand Zivile Instandhaltung. Zur MTU kam sie 1999 als Ingenieurin für Prozess- und Verfahrensentwicklung. Zuvor hatte sie ihr Studium an der Universität „Politehnica“ in Bukarest sowie an der Friedrich-Alexander Universität in Erlangen-Nürnberg als Dr.-Ing. Werkstoffkunde und Technologie der Metalle abgeschlossen.

Wie sieht Ihre Förderung von MINT-Studentinnen konkret aus?

Ich engagiere mich seit einigen Jahren in dem Mentoring-Programm, das die Universität Stuttgart koordiniert und das die MTU mit Führungskräften unterstützt. Als Mentorin berate und begleite ich in diesem Programm Doktorandinnen in technisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen. Die Motivation in der jungen Generation ist enorm. Viele der jungen Frauen haben einen sehr hohen Anspruch an sich selbst, möchten alles perfekt machen. Das kann auch mal zu Selbstzweifeln führen. Doch für sich und seine Leistung einzustehen, das kann und muss man lernen. Ich hatte das Glück, dass ich in meiner beruflichen Laufbahn Vorgesetzte hatte, die meine Leistung erkannt und honoriert haben. Ist das nicht der Fall, muss man den ersten Schritt machen, selbstbewusst nach vorne treten und auf die eigene Leistung hinweisen. Das fällt vielen Männern tatsächlich leichter. Da haben wir Frauen noch Luft nach oben.

Welche Themen bewegen die angehenden Ingenieurinnen?

Was sie sich ausdrücklich wünschen, ist Feedback: Wo stehe ich? Wie kann ich mich weiter entwickeln? Welches Potenzial habe ich? Diese Erfahrung mache ich nicht nur als Mentorin, sondern auch in meiner ehrenamtlichen Mitarbeit im Vorstand der MTU Studien-Stiftung, deren Vorsitzende ich seit 2019 bin. Einmal im Jahr organisieren wir für MINT-Studentinnen ein mehrtägiges Training zu einem bestimmten Thema. Die Studentinnen, die daran teilnehmen, bringen herausragende fachliche Leistungen mit, sind aufgeschlossen für Neues und haben den Anspruch, Dinge zu bewegen. Sie nutzen die gemeinsamen Tage, sich auszutauschen und Netzwerke zu gründen. Mit intensivem "Networking" können sie von diesen Kontakten profitieren – sei es, um sich beispielsweise über Praktika, Auslandsaufenthalte oder berufliche Fragen auszutauschen.

Können Sie ein Beispiel nennen, wie eine MINT-Absolventin von Ihrer Beratung profitiert und in einem technischen Beruf Karriere gemacht hat?

In dem Mentoring-Programm der Universität Stuttgart habe ich eine junge Frau begleitet, die gerade ein technisches Masterstudium erfolgreich abgeschlossen hatte und nun vor der Frage stand, ob sie noch promovieren sollte. In ihrer Familie gab es niemanden mit einer akademischen Ausbildung, sie selbst hatte zunächst nur geringe Vorstellungen davon, ob eine Promotion das richtige für sie ist und wie ein späterer Einsatz in der Industrie aussehen könnte. Durch unsere Gespräche konnte ich sie darin unterstützen, eine klare Entscheidung für ihren weiteren beruflichen Weg zu treffen. Sie hat ihre Promotion bei einem führenden deutschen Forschungsinstitut abgeschlossen und war dort auch Teamleiterin. An einem für sie entscheidenden Zeitpunkt in ihrer Karriere hat sie mich erneut kontaktiert: Sie wollte wissen, wie es ist, für den Vorstand zu arbeiten. Sie ist als Projektleiterin im Bereich Technologie in einem deutschen Industrieunternehmen eingestiegen und berichtet direkt an den Technologie-Vorstand des Unternehmens.

In Ihrem Team bei der MTU Aero Engines sind Frauen und Männer gleichstark vertreten. Fördern Sie beide auch gleichermaßen?

Ich gebe jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter den Raum, die eigenen individuellen Stärken und Fähigkeiten einzubringen. Gerade junge Mitarbeiter – Frauen wie Männer – entwickeln ihr Potenzial aber erst noch. Dann ist es optimal, wenn sie nicht nur einen Vorgesetzten, sondern auch einen Arbeitgeber wie die MTU haben, der sie fördert. Wir haben in diesem Unternehmen ein hervorragendes Schulungsangebot und ein Umfeld, das zur Weiterbildung anregt. Sie können hier als Mitarbeiter ein Leben lang lernen und Neues entdecken. Ich ermutige meine Mitarbeiter stets, diese Chancen auch zu nutzen. Ich selbst bin ein Mensch, der immer wieder neue Herausforderungen sucht, mit Neugier an sich arbeitet. Mich begeistert es, Talente zu beflügeln, indem ich ihnen ihre Potenziale und Perspektiven aufzeige.

Gemischte Teams, heißt es, arbeiten erfolgreicher. Ist das auch Ihre Erfahrung?

Ja, und zwar wenn junge und erfahrene Kollegen, Frauen und Männer, im Team zusammen arbeiten. Die Aufgaben werden heute, bedingt auch durch die hohe Komplexität der Projekte in der Triebwerkstechnik, nicht von einem Einzelnen, sondern in interdisziplinären Teams gelöst. Diese Teamarbeit – das ist meine Erfahrung – kommt besonders Frauen zugute. Denn viele Frauen haben große Stärken in der Kommunikation und zeichnen sich durch ein besonderes Maß an Empathie und Weitsicht aus. Fachlich stehen sie Männern in nichts nach, sie arbeiten strukturiert, lösungsorientiert und bringen die Themen auf den Punkt. Frauen wird ja gern zugeschrieben, dass sie sich vor allem Wertschätzung im Job wünschen. Das tun Männer aber auch! Und, das verrate ich Ihnen gern zum Abschluss: Auch eine Führungskraft freut sich über positives Feedback ihrer Mitarbeiter.

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