Wie sieht Ihre Förderung von MINT-Studentinnen konkret aus?
Ich engagiere mich seit einigen Jahren in dem Mentoring-Programm, das die Universität Stuttgart koordiniert und das die MTU mit Führungskräften unterstützt. Als Mentorin berate und begleite ich in diesem Programm Doktorandinnen in technisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen. Die Motivation in der jungen Generation ist enorm. Viele der jungen Frauen haben einen sehr hohen Anspruch an sich selbst, möchten alles perfekt machen. Das kann auch mal zu Selbstzweifeln führen. Doch für sich und seine Leistung einzustehen, das kann und muss man lernen. Ich hatte das Glück, dass ich in meiner beruflichen Laufbahn Vorgesetzte hatte, die meine Leistung erkannt und honoriert haben. Ist das nicht der Fall, muss man den ersten Schritt machen, selbstbewusst nach vorne treten und auf die eigene Leistung hinweisen. Das fällt vielen Männern tatsächlich leichter. Da haben wir Frauen noch Luft nach oben.
Welche Themen bewegen die angehenden Ingenieurinnen?
Was sie sich ausdrücklich wünschen, ist Feedback: Wo stehe ich? Wie kann ich mich weiter entwickeln? Welches Potenzial habe ich? Diese Erfahrung mache ich nicht nur als Mentorin, sondern auch in meiner ehrenamtlichen Mitarbeit im Vorstand der MTU Studien-Stiftung, deren Vorsitzende ich seit 2019 bin. Einmal im Jahr organisieren wir für MINT-Studentinnen ein mehrtägiges Training zu einem bestimmten Thema. Die Studentinnen, die daran teilnehmen, bringen herausragende fachliche Leistungen mit, sind aufgeschlossen für Neues und haben den Anspruch, Dinge zu bewegen. Sie nutzen die gemeinsamen Tage, sich auszutauschen und Netzwerke zu gründen. Mit intensivem "Networking" können sie von diesen Kontakten profitieren – sei es, um sich beispielsweise über Praktika, Auslandsaufenthalte oder berufliche Fragen auszutauschen.
Können Sie ein Beispiel nennen, wie eine MINT-Absolventin von Ihrer Beratung profitiert und in einem technischen Beruf Karriere gemacht hat?
In dem Mentoring-Programm der Universität Stuttgart habe ich eine junge Frau begleitet, die gerade ein technisches Masterstudium erfolgreich abgeschlossen hatte und nun vor der Frage stand, ob sie noch promovieren sollte. In ihrer Familie gab es niemanden mit einer akademischen Ausbildung, sie selbst hatte zunächst nur geringe Vorstellungen davon, ob eine Promotion das richtige für sie ist und wie ein späterer Einsatz in der Industrie aussehen könnte. Durch unsere Gespräche konnte ich sie darin unterstützen, eine klare Entscheidung für ihren weiteren beruflichen Weg zu treffen. Sie hat ihre Promotion bei einem führenden deutschen Forschungsinstitut abgeschlossen und war dort auch Teamleiterin. An einem für sie entscheidenden Zeitpunkt in ihrer Karriere hat sie mich erneut kontaktiert: Sie wollte wissen, wie es ist, für den Vorstand zu arbeiten. Sie ist als Projektleiterin im Bereich Technologie in einem deutschen Industrieunternehmen eingestiegen und berichtet direkt an den Technologie-Vorstand des Unternehmens.