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20 Jahre über den Wolken: Der Airbus A380 und das GP7000

Vor 20 Jahren hebt die erste A380 mit GP7200-Triebwerken hebt ab. Noch heute begeistert sie viele Menschen.

Autorin: Eleonore Fähling | Min. Lesezeit | veröffentlicht am: |
20 Jahre über den Wolken: Der Airbus A380 und das GP7000

Toulouse, 25. August 2006: Der Himmel ist wolkenverhangen, es ist regnerisch. Doch für die Ingenieur:innen und Mechaniker:innen von Airbus und der Engine Alliance könnte dieser Freitag kaum strahlender sein. Denn endlich soll nun der erste Flug der A380 mit GP7200-Triebwerken stattfinden – ein Jahr nach dem der Riesenvogel das erste Mal vor tausenden Zuschauern abhob. Der Start glückt problemlos und nach knapp über vier Stunden Flugzeit landet die Maschine mit der Seriennummer MSN 009 sicher wieder am Flughafen Toulouse-Blagnac. Für Airbus kam diese Erfolgsmeldung zur rechten Zeit: Mehrfach hatte das Unternehmen seinen Erstkunden bereits Lieferverzögerungen ankündigen müssen.

Wo immer der Riesenvogel auftaucht, zieht er die Blicke auf sich. Etwa bei Evakuierungstests am Hamburger Flughafen oder bei der im November 2006 gestarteten Testflugserie, die ihn nach Düsseldorf, Singapur, Kuala Lumpur, Peking, Shanghai, Hongkong, Tokio, Sydney, Johannesburg und Vancouver führt. Am 23. April 2007 erhält die A380 mit GP7200-Triebwerken nach mehr als 111 Flügen und 1.348 Flugstunden die Typenzulassung der EASA.

Am 25. Oktober 2007 nimmt Singapore Airlines mit der ersten A380 auf der Strecke von Singapur nach Sydney den Linienbetrieb auf. Am 28. Juli 2008 folgt Emirates: Die zweite ausgelieferte A380 ist zugleich die erste Serienmaschine mit GP7200-Triebwerken. Zunächst verbindet sie Dubai täglich nonstop mit New York und London-Heathrow, 2009 kommen Sydney und Auckland hinzu.

Wie Boeing den Anstoß zum GP7000 gab

Für die MTU ist das GP7200 bis heute die größte Beteiligung an einem zivilen Triebwerksprogramm. Dass es das GP7000 überhaupt gibt, verdanken Airbus und die A380-Kunden nicht zuletzt einem Wettbewerber: Boeing. Mitte der 1990er-Jahre unternahm der US-Flugzeugbauer mehrere Anläufe, auf Basis der 747-400 ein Verkehrsflugzeug mit noch größerer Kapazität zu entwickeln. Für die geplanten Super-Jumbos 747-500X und 747-600X fehlte jedoch ein geeigneter Antrieb. Keiner der drei großen Triebwerkshersteller wollte ein solches Triebwerk allein entwickeln.

Deshalb nahmen GE Aviation, Pratt & Whitney und Boeing zum Jahreswechsel 1995/1996 Gespräche über ein mögliches Joint Venture der beiden US-Triebwerkshersteller auf. Ziel war es, gemeinsam einen geeigneten neuen Antrieb zu entwickeln. Im Mai 1996 wurden der Kooperationsvertrag für die Engine Alliance unterzeichnet, kurz darauf begannen die Arbeiten am GP7000.

Die Pläne für die 747-500X und 747-600X verschwanden zwar bald wieder in der Schublade. Die Vorarbeiten waren jedoch nicht vergeblich: Im Mai 1998 hielt eine Absichtserklärung fest, dass die Engine Alliance das GP7000 für das damals noch A3XX genannte größte Verkehrsflugzeug der Welt entwickeln würde.

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Das GP7000 zeichnet sich durch niedrigen Kraftstoffverbrauch, geringes Gewicht und reduzierte Lärmemissionen aus.

A380: am Markt vorbei entwickelt?

Das Großraumflugzeug bietet in einer Einklassenkonfiguration Platz für mehr als 800 Passagiere. Wirtschaftlich einsetzen lässt es sich vor allem in einem Hub-and-Spoke-System: Widebody-Flugzeuge verbinden große Drehkreuze, die Hubs. Von dort reisen die Passagiere mit kleineren Flugzeugen auf weniger stark frequentierten Strecken, den Spokes, weiter. Ein Beispiel ist Emirates mit seinem Drehkreuz Dubai, über das nahezu alle Metropolen der Welt mit nur einem Umstieg erreichbar sind. In den vergangenen 20 Jahren haben jedoch Direktverbindungen an Bedeutung gewonnen, auch dank zweistrahliger Langstreckenflugzeuge wie Airbus A350 und Boeing 787 Dreamliner. Vier Triebwerke bedeuten zudem vier Aggregate in der Instandhaltung, ein wichtiger Kostenfaktor für Airlines. 2021 endete die A380-Produktion nach 251 Exemplaren. Emirates betreibt 119 der 190 noch aktiven A380. Bei Passagieren und Crews ist die leise und komfortable A380 bis heute sehr beliebt.

Technologie aus zwei Triebwerksfamilien

Für das GP7000 fanden sich zwei Welten zusammen: Für Hochdruckturbine und -verdichter war GE zuständig, wobei man sich ausgiebig beim 777-Antrieb GE90 bediente, die einzelnen Komponenten aber an den geringeren Schubbedarf der A380 anpasste. Auch Pratt & Whitney nutzte für Niederdruckturbine und -verdichter Komponenten aus dem eigenen Produkt für die 777, dem PW4000.

Die Engine Alliance ist ein Joint Venture von GE Aviation und Pratt & Whitney, doch gefertigt wird das Triebwerk nicht allein von den beiden Partnern. Die meisten Anteile sicherte sich die MTU Aero Enginesl. Insgesamt 22,5 Prozent des GP7000 stammen von Deutschlands führendem Triebwerkshersteller, dem Entwicklung, Fertigung und Montage der kompletten Niederdruckturbine und des Turbinenzwischengehäuses sowie die Fertigung von Schaufeln und Scheiben der Hochdruckturbine übertragen wurden. In München findet zusätzlich die Instandsetzung der Niederdruckturbine statt.

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Bei der MTU in München wird die Niederdruckturbine instandgesetzt.

Nach dem Produktionsende zählt die Instandhaltung

Für die MTU war das GP7000-Programm ein wichtiger Meilenstein. Es hat den Münchnern zum Einstieg in die nächste Generation von Widebody-Antrieben verholfen, denn dem Auftrag für Entwicklung und Fertigung des Turbinenzwischengehäuses für das GP7000 folgten entsprechende Arbeiten für das GEnx (787, 747-8) und das GE9X (Boeing 777-8X und -9X). Und nicht zuletzt profitiert auch die MTU Maintenance von Aufträgen und vom Knowhow-Gewinn bei der Instandhaltung von Widebody-Triebwerken.

Seit dem Produktionsende von A380 und GP7200 konzentrieren sich die Engine Alliance und die MTU auf die Instandhaltung. Im Juni 2024 hat die MTU in München mit Unterstützung von ihren Standorten in Hannover und Malaysia die 100. GP7200-Niederdruckturbine überholt. Und seit 2023 gibt es eine strategische Partnerschaft zwischen Engine Alliance und MLS für GP7200-Lease Pool Assets.

Die MSN 009 übrigens, die erste A380 mit GP7200-Triebwerken, wurde bis zum Frühling 2008 noch als Testflugzeug betrieben, dann zur Passagiermaschine umgerüstet und am 4. Juni 2010 an Emirates übergeben, wo sie die Registrierungsnummer A6-EDJ erhielt. Seit dem 24. März 2020 ist sie am internationalen Flughafen in Dubai geparkt.

Flugzeug der Superlative

  • Der Rumpf der A380 ist 72 Meter lang, das entspricht etwa der Länge von zwei Fußballfeldern.

  • Mit 24 Metern ist die A380 am Leitwerk so hoch wie ein achtstöckiges Haus.

  • Die Flügelspannweite beträgt 80 Meter. Jeder Flügel hat eine Fläche von 845 Quadratmetern.

  • In der A380 sind 530 Kilometer Kabel verlegt.

  • Die beiden Decks sind 50 bzw. 48 Meter lang – jedes ist damit deutlich länger als die Strecke, die die Gebrüder Wright 1903 bei ihrem ersten Motorflug zurücklegten (36 Meter).

  • Die A380 ist für maximal 853 Passagiere und 20 Crewmitglieder zugelassen. Beim Test im März 2006 gelang die Evakuierung dieser fast 900 Personen innerhalb von weniger als 90 Sekunden. Der Ernstfall ist bislang nicht eingetreten.

FAQ

Warum gilt der Airbus A380 als das größte Passagierflugzeug der Welt? Der Airbus A380 ist weist als einziges in Serie produzierte Verkehrsflugzeug zwei durchgehende Passagierdecks auf und bietet Dimensionen, die ihn unangefochten zum größten kommerziellen Passagierjet der Geschichte machen. Zugelassen wurde die A380 für bis zu 853 Passagiere. Tatsächlich hatte Emirates in einer Version mit 615 Sitzen die meisten Plätze.
Warum wurde die Produktion des Airbus A380 eingestellt? Die A380 wies mit vier Triebwerken wesentlich höhere Betriebs- und Treibstoffkosten auf als moderne Großraumjet mit zwei Triebwerken. Außerdem bevorzugen Airlines und Passagiere heute direkte Verbindungen, statt Umsteigeverbindungen über Drehkreuze mit großen Flugzeugen. Für diese Direktverbindungen sind kleinere Jets geeigneter. Daher hat sich der Airbus A380 für viele Märkte als zu groß und zu schwer auszulasten erwiesen.
Warum setzen einige Airlines den Airbus A380 wieder ein? Nachdem der weltweite Luftverkehr während der Corona-Pandemie weitgehend zum Erliegen kam, stieg danach die Nachfrage rasant an. Bereits stillgelegte A380 zu reaktivieren war kurzfristig die einzige Möglichkeit für viele Airlines, den Kundenansturm zu bewältigen. Gleichzeitig verzögerte sich die Auslieferung der Boeing 777X um rund sieben Jahre, diese Lücke überbrückt ebenfalls die A380.
Welchen Beitrag leistet die MTU Aero Engines zum GP7000-Triebwerk des Airbus A380? Die MTU Aero Engines übernimmt spezifische Verantwortungsbereiche: Für den Pratt & Whitney-Anteil ist sie zuständig für die Entwicklung und Fertigung der Niederdruckturbine. Im GE-Anteil obliegen der MTU die Entwicklung und Fertigung des Turbinenzwischengehäuses sowie die Produktion von Komponenten für die Hochdruckturbine. Darüber hinaus wurde im Rahmen des Pratt & Whitney-Anteils eine Aftermarket-Beteiligung vereinbart, wobei die Instandsetzungsarbeiten der Niederdruckturbine in München durch die MTU erfolgen.
Warum ist der Airbus A380 trotz seiner Größe vergleichsweise leise? Trotz ihrer beeindruckenden Größe gilt die A380 als vergleichsweise leises Flugzeug. Am Boden sorgen die großen Turbofan-Triebwerke (GP7000 oder Rolls-Royce Trent 900) mit ihrem hohen Nebenstromverhältnis dafür, dass ein Großteil der Luft am eigentlichen Triebwerkskern vorbeiströmt und den Lärm reduziert. Auch in der Kabine bleibt es angenehm ruhig: Dafür sorgen eine aufwendige Schalldämmung sowie die Position der Triebwerke weit außen an den Tragflächen, wodurch die Passagiere deutlich weiter von den Schallquellen entfernt sitzen.
Welche Bedeutung hat der Airbus A380 für nachhaltige Luftfahrttechnologien wie SAF und Wasserstoff? Airbus nutzt den ersten Prototyp der A380 als Testflugzeug, stellt jetzt dafür noch ein jüngeres Flugzeug in Dienst. Bereits 2022 wurde in einem von vier Triebwerken 100 Prozent nachhaltiger Flugtreibstoff (SAF) erfolgreich erprobt. Die geplante ZeroE-Testkampagne mit einem fünften, wasserstoffgetriebenen Propeller oben am Rumpf wurde abgesagt. 2029 soll es aber Testflüge mit einem Open Rotor-Triebwerk an Stelle des linken inneren Turbofan-Triebwerks geben. Dafür ist die A380 mit ihren weit über dem Boden angebrachten Tragflächen und der für Testinstrumente geräumigen Kabine gut geeignet.

Eleonore Fähling

Redakteurin Unternehmenskommunikation bei der MTU Aero Engines AG

Eleonore Fähling gehört seit 2014 zum Redaktionsteam des AEROREPORT und ist seit 1999 verantwortlich für die MTU-Mitarbeiterzeitung.


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