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Embraer E-Jet E2 – Gamechanger für Regionalrouten

Mit modernen Getriebefans wurde die Embraer E-Jet E2 zu einem der effizientesten und komfortabelsten Regionaljets ihrer Klasse.

Autor: Andreas Spaeth | 5 Min. Lesezeit | veröffentlicht am: |

Kopf

AEROREPORT-Serie: Ikonen der Luftfahrt

Einen komfortablen und wirtschaftlichen Regionaljet – das wünschte sich die damals führende europäische Regionalfluggesellschaft Crossair aus Basel Ende der 1990er Jahre. Ihr visionärer Unternehmensgründer Moritz Suter fand im aufstrebenden brasilianischen Flugzeughersteller Embraer den passenden Partner. „Keine Mittelsitze“ lautete eine seiner wichtigsten Vorgaben. Bis dahin hatte Embraer ausschließlich kleinere Regionaljets gebaut. Mit der Entwicklung der E-Jet-Familie legten die Brasilianer jedoch zu Beginn des neuen Jahrtausends den Grundstein für eines ihrer erfolgreichsten Programme.

2004 eröffnete LOT Polish Airlines als Erstkunde das Zeitalter der größeren Regionaljets aus Brasilien. Die Flugzeuge mit 80 bis 120 Sitzplätzen überzeugen Passagiere bis heute durch ihren Komfort – nicht zuletzt, weil sie ohne Mittelsitze auskommen und damit manch größeres Schmalrumpfflugzeug übertreffen. Bis 2026 wurden mehr als 1.750 E-Jets verkauft.

Der Getriebefan bringt den Quantensprung

Rund ein Jahrzehnt nach der ersten Generation ermöglichten die neuen Getriebefan-Triebwerke in Kombination mit der bewährten E-Jet-Plattform einen deutlichen Effizienzsprung: bis zu 30 Prozent weniger Treibstoffverbrauch, geringere Lärm- und Emissionswerte sowie eine größere Reichweite (im Vergleich zur Vorgängerversion). Besonders gefragt war von Beginn an die größte Variante, die E195-E2. Sie bietet Platz für bis zu 146 Passagiere und kann Strecken von rund 5.600 Kilometern zurücklegen. Bereits vor ihrem Erstflug am 23. Mai 2016 lagen mehr als 260 Bestellungen vor. Erster Betreiber war die norwegische Fluggesellschaft Widerøe, die mit der E195-E2 2018 ihre erste Jet-Flotte aufbaute.

Bis Mitte 2026 wurden 203 E2 ausgeliefert, insgesamt gingen mehr als 500 Bestellungen ein. Die südafrikanische Airlink nutzt das Flugzeug unter anderem auf der Strecke zwischen Kapstadt und Mauritius. Bis zu 124 Passagiere können die rund sechseinhalbstündige Verbindung in einer Zweiklassenkonfiguration nutzen. „Für uns ist die E2 ein Gamechanger bei Reichweite und Sitzkosten“, sagt Airlink-CEO Engelbrecht de Villiers.

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Die E190-E2 und E195-E2 verfügen über eine Steilanflugfunktion, die über den „Steep Approach Button“ aktiviert wird.

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Die Fertigung aller E-Jets erfolgt im Embraer-Werk in São José dos Campos in Brasilien.

Embraer E-Jet E2 – Zahlen, Daten, Fakten

  • Für die zwei Varianten der Embraer E2 sind Getriebefan-Triebwerke von Pratt & Whitney die einzige Triebwerksoption. Die E190-E2 (maximal 114 Sitze) und die E195-E2 (maximal 146 Sitze) werden vom PW1900G angetrieben.

  • Für die E2 entwickelte Embraer die bestehende E‑Jet-Plattform umfassend weiter: mit neuen Tragflächen aus Verbundwerkstoff, einem höheren Fahrwerk für die größeren Triebwerke, einem kleineren Leitwerk sowie einer modernisierten Fly-by-Wire-Steuerung.

  • Die höhere Triebwerksleistung ermöglichte längere Rümpfe. Bei der E195-E2 wuchs der Rumpf gegenüber der Ausgangsversion um knapp drei Meter, wodurch drei zusätzliche Sitzreihen Platz fanden.

  • Die E190-E2 und E195-E2 verfügen über eine spezielle Steilanflugfunktion. Sie ermöglicht Anflugwinkel von bis zu 5,5 Grad und ist unter anderem für den London City Airport wichtig. Aktiviert wird sie über den „Steep Approach Button“, anschließend passt die Fly-by-Wire-Software die Konfiguration von Steuerflächen, Klappen und Spoilern an.

  • Die größten E2-Betreiber waren im Frühjahr 2026 Porter Airlines aus Kanada (52 Flugzeuge), Azul aus Brasilien (43) und KLM Cityhopper aus den Niederlanden (25).

  • Alle E‑Jets werden im Embraer-Werk in São José dos Campos gefertigt, rund 100 Kilometer von São Paulo (Brasilien) entfernt.

Embraer E195-E2

Embraer E195-E2

Typ:
Zweistrahliges Kurzstreckenflugzeug
Hersteller/Herkunft:
Embraer, São José dos Campos/Brasilien
Erstflug:
23. Mai 2016
Indienststellung:
24. April 2018
Produktionszeit:
2016 bis heute
Anzahl gebaut:
203 (bis Juni 2026)
Länge:
41,51 Meter
Spannweite:
35,12 Meter
Reichweite:
5600 Kilometer
Reisegeschwindigkeit:
833 km/h
Sitze (typisch/maximal):
120/146

Das Triebwerk der Embraer E2: PW1900G

Das PW1900G ist ein Getriebefan-Triebwerk von Pratt & Whitney, das speziell für die E-Jets von Embraer entwickelt wurde. Sein Untersetzungsgetriebe zwischen Fan und Niederdruckverdichter sowie der antreibenden Niederdruckturbine erlaubt es dem Fan, langsamer zu drehen. Gleichzeitig können Niederdruckverdichter und -turbine erheblich schneller laufen. Dadurch lassen sich geringere Fan-Druckverhältnisse und damit höhere Nebenstromverhältnisse verwirklichen sowie alle Komponenten in ihrem jeweiligen Optimum betreiben. Das verhilft dem PW1900G zu einem sehr hohen Gesamtwirkungsgrad und verringert Treibstoffverbrauch, Kohlenstoffdioxidausstoß und Lärmentwicklung erheblich.

Die MTU Aero Engines ist mit einem Anteil von 15  Prozent am PW1900G-Programm beteiligt und verantwortlich für die Entwicklung und Fertigung der schnelllaufenden Niederdruckturbine sowie der ersten vier Stufen des Hochdruckverdichters. Zudem übernimmt die MTU die Instandhaltung des PW1900G über das Joint Venture EME Aero in Polen, das gemeinsam mit Lufthansa Technik betrieben wird.

PW1900G

PW1900G

Typ:
Zweiwellen-Zweistromtriebwerk
Schub (Pfund):
19 – 23 k
Bypass Ratio:
12.5:1
Fan-Durchmesser:
1,85 m
Programmanteil MTU:
15% – Entwicklung und Fertigung verschiedener Stufen des Hochdruckverdichters, der schnelllaufenden Niederdruckturbine und von Bürstendichtungen bei allen Anwendungen

Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth erinnert sich

Mein zweiter Flug mit einer Embraer E2 war ein besonderer: die Typenpremiere am London City Airport. Der Stadtflughafen in den Docklands ist wegen seines aus Lärmschutzgründen vorgeschriebenen Steilanflugs nur für ausgewählte Flugzeugtypen zugelassen. Seit dem 2. September 2021 gehört auch die E2 dazu.

Beim Anflug sinkt sie mit bis zu 1.200 Fuß (365 Metern) pro Minute statt der üblichen 800 Fuß (244 Meter). Dadurch verkürzt sich der Endanflug von rund 13 auf knapp fünf Kilometer. Die Fähigkeit zu steilen Anflügen geht auf Anforderungen von Crossair als Erstbesteller der E-Jets zurück. Die Schweizer Fluggesellschaft wollte damit auch anspruchsvolle Flughäfen wie Lugano, Sion und Florenz bedienen.

Mitten in der Corona-Pandemie bot sich 2021 die seltene Gelegenheit, an diesem Erstflug teilzunehmen. Mit Helvetic Airways ging es von Zürich zur ersten Landung einer E2 in London City. Sowohl der steile Anflug als auch der kraftvolle Start hinterließen Eindruck. „Das fliegt sich sehr bequem“, sagte der Chefpilot und zeigte auf den „Steep Approach Button“ links vor den Schubhebeln auf der Mittelkonsole.

Andreas Spaeth

Freier Luftfahrtjournalist und Podcaster

Andreas Spaeth ist seit über 30 Jahren als freier Luftfahrtjournalist in aller Welt unterwegs, um Airlines, Flugzeughersteller und Flughäfen zu besuchen und über sie zu berichten. Bei aktuellen Anlässen ist er ein gefragter Interviewpartner in Hörfunk und Fernsehen, außerdem Buchautor und Co-Host des Podcasts Flugforensik.


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