Die MTU hat bereits langjährige Erfahrung mit Antrieben für Businessjets. „Unser Fokus liegt dabei auf mittelgroßen und großen Varianten“, erklärt Wolfgang Mattig, Leiter für die gemeinsam mit Pratt & Whitney Canada betriebenen Programme bei der MTU in München. An den etwas kleineren Triebwerken PW300 und PW500 ist die MTU mit Programmanteilen zwischen 15 und 25 Prozent beteiligt, „die Flotte mit diesen Triebwerkstypen wächst stark, wir haben bislang bereits rund 7.000 Module an unseren Partner in Kanada geliefert“, berichtet Mattig. So werden die beliebte französische Dassault Falcon 7X und ihr Nachfolgemodell 8X von PW307A - beziehungsweise PW307D-Triebwerken mit MTU-Beteiligung angetrieben.
Ein weiterer Antrieb für große Geschäftsreiseflugzeuge erweitert nun das MTU Portfolio: „Mit unserem Anteil am PW800, ebenfalls von Pratt & Whitney Canada, wollen wir an den Chancen in diesem Segment partizipieren“, so Mattig. Diese Triebwerke haben das gleiche Kerntriebwerk wie jene, die die Passagierjets A320neo, A220, Embraer E2 und Mitsubishi MRJ antreiben. Das PW800 hat künftig noch einen richtigen Businessjet-Abnehmer: Die Dassault Falcon 6X, deren Erstflug für 2021 geplant ist und die zur Grundlage einer neuen Flugzeugfamilie werden soll.
Mach 0,98 und 1,98 Meter Deckenhöhe
Wolfgang Mattig schwärmt von den Neuerscheinungen, an denen als exklusiver Antrieb das PW800 hängt: „Die G500/G600 sind komplett neu entwickelte Flugzeuge und mit Mach 0,9 die schnellsten Jets ihrer Klasse, während die Falcon 6X über die breiteste Kabine und mit 1,98 Meter auch die größte Deckenhöhe verfügen wird.“ Auch das wird sicher bei diesem besonderen Kundenkreis für Aufmerksamkeit sorgen, der zu fast 65 Prozent in Nordamerika beheimatet ist, gefolgt von Europa mit 13 Prozent und Südamerika (12 Prozent).
Bei der MTU blickt man optimistisch auf das Potenzial: „Wir sehen den Markt für große Businessjets sehr positiv“, sagt Wolfgang Mattig, „und erwarten eine Verdreifachung unseres Umsatzes im Segment der Geschäftsreiseflugzeuge in den nächsten zehn Jahren.“ Eine erwartete Belebung dieses Marktes, den die Prognose von Aviation Week stützt: Demnach steigen die weltweiten jährlichen Flugzeug-Auslieferungen in diesem Segment von 792 in 2019 auf 917 in 2028. Interessant daran ist, dass in diesem Zeitraum laut Vorhersage Ultralangstrecken-Businessjets wie die G500/600 oder die Dassault Falcons im Wert von fast 105 Milliarden US-Dollar verkauft werden sollen, mit weitem Abstand gefolgt von großen Businessjets im Wert von 30 Milliarden US-Dollar.