Dass die Luftfahrtindustrie zu den Branchen mit den höchsten Sicherheitsstandards gehört, dürfte kaum überraschen. Nicht nur die Flugzeuge selbst, sondern auch die Triebwerke und deren einzelne Komponenten durchlaufen aufwendige Tests und Prüfungen, bei denen nichts dem Zufall überlassen wird. Doch was genau passiert eigentlich, bevor ein Triebwerk schließlich am Flügel eines Flugzeugs hängen darf?
Hört man Dr. Stefan Gehring zu, der die Musterprüfleitstelle bei der MTU Aero Engines verantwortet, wird schnell klar, dass all das ein herausfordernder Prozess ist, bei dem es einerseits um die Zertifizierung gegenüber einer Luftfahrtbehörde geht, aber auch um die Validierung darüber hinausgehender Anforderungen. „Wir unterscheiden hier zwischen Certification und Qualification. Die Zertifizierung durch die Behörden fragt rein nach der Sicherheit und der Flugtauglichkeit, ist also ein flugsicherheitstechnischer Funktionsnachweis.“ Dieser Nachweis soll sicherstellen, dass das Triebwerk im gesamten Lebenszyklus in allen Betriebssituationen und Umgebungen nie den sicheren Flug gefährdet, also dass etwa ein sicherer Start auch bei Schnee und Eis möglich ist. Neben der unabhängigen Begutachtung der Konstruktion selbst wird beispielsweise ein umfangreiches Testprogramm durchgeführt, das anspruchsvolle Dauerläufe, das Ansaugen von Fremdkörpern und den Betrieb bei hohen Temperaturen oder unter Vereisungsbedingungen umfasst. Nach der ersten Zertifizierung kann das Triebwerk in Betrieb gehen. Danach werden oft weitere Verbesserungen und Reparatur-Verfahren aufgrund der Betriebserfahrung entwickelt, die ebenfalls zugelassen werden müssen, um sie anwenden zu können.
„Für uns als Hersteller und für unsere Kunden hat bei allem die Sicherheit der MTU-Produkte Vorrang. Darüber hinaus fragen wir aber auch nach Effizienz, Energieverbrauch, Instandhaltungsintervallen und zahlreichen technischen Messwerten“, so Gehring. Denn die MTU arbeitet natürlich daran, mit weniger Kraftstoff und Energie und damit weniger Emissionen auszukommen, um einen möglichst effizienten Flugbetrieb zu ermöglichen. Daher umfasst das Validierungsprogramm sehr verschiedene Triebwerkstests, die mit Fachabteilungen und Kooperationspartner abgestimmt werden und damit einen größtmöglichen Erkenntnisgewinn gewährleisten.