Noch kein industrieller Maßstab
Doch warum ist das so? Technologisch ist DAC zwar längst kein bloßes Zukunftsversprechen mehr, befindet sich jedoch noch in einer frühen Phase der Skalierung. Weltweit existieren bislang vor allem Pilot- und Demonstrationsanlagen. Eine der größten steht in Island: die „Mammoth“-Anlage des Schweizer Unternehmens Climeworks, die eine jährliche Abscheideleistung von rund 36.000 Tonnen CO₂ ausgelegt ist. „Insgesamt wurden im Jahr 2024 weltweit etwa 59.000 Tonnen CO₂ per Direct Air Capture abgeschieden“, sagt von Frowein. „Gemessen an den globalen Emissionen von rund 40 Milliarden Tonnen bleibt das bislang jedoch ein marginaler Beitrag.“
„Die zentrale Herausforderung liegt weniger in der grundsätzlichen Funktionsfähigkeit der Technologie als in ihrer Effizienz“, sagt Batteiger. „Die CO₂-Konzentration der Umgebungsluft liegt bei etwas über 0,04 Prozent.“ Für das Klima sei dieser Wert bereits problematisch, für die technische Nutzung hingegen extrem niedrig – was die Abscheidung von CO₂ besonders energie- und kostenintensiv macht.
Die Kosten liegen derzeit bei ca. 500 Euro bis 1000 Euro pro Tonne CO₂. „Die entscheidende Frage der kommenden Jahre lautet, ob es gelingt, Direct Air Capture wirtschaftlich zu skalieren – und damit CO₂ aus der Luft tatsächlich zu einem tragfähigen Rohstoff für die zukünftige Luftfahrt zu machen“, sagt Batteiger. Nach einer Studie der ETH Zürich könnten die Preise langfristig auf ca. 300 Euro reduziert werden, was selbst dann noch einen signifikanten Kostenbeitrag zur Herstellung von synthetischem SAF mittels PtL-Verfahren darstellt. Wegen des hohen Energiebedarfs für Direct Air Capture Systeme ist zudem die Verfügbarkeit von genügend grüner Energie entscheidend. Auch der Flächen- und Materialbedarf ist hauptsächlich der Prozessenergieerzeugung zuzuschreiben.