AEROREPORT: Was genau macht so eine Industriegasturbine?
Kuhlbrodt: Ich sitze zum Beispiel gerade vor einer LM2500TM+. Solche Industriegasturbinen werden sehr vielseitig eingesetzt: Offshore auf Plattformen, auf Schiffen oder an Gaspipelines, wo sie Gas verdichten und weiterleiten. Häufig geht es auch um Stromerzeugung. Das Spektrum ist enorm – und entsprechend kritisch ist es, wenn so eine Turbine ausfällt.
AEROREPORT: Denn dann wird es schnell teuer?
Kuhlbrodt: Absolut. Offshore laufen meist mehrere Triebwerke parallel, damit die Versorgung grundsätzlich sichergestellt ist. Aber es kann vorkommen, dass mehrere Systeme gleichzeitig ausfallen und dann wird es ernst. Und genau dann kommen wir ins Spiel. Unser Job ist es, die Turbinen so schnell wie möglich wieder ans Netz zu bringen.
AEROREPORT: Gibt es bei so einem Job überhaupt so etwas wie einen Alltag?
Kuhlbrodt: Ehrlich gesagt: kaum. Natürlich haben wir geplanten Urlaub wie alle anderen auch. Aber man ist immer ein Stück weit auf Abruf. Es kommt vor, dass man morgens ins Büro fährt und am Nachmittag schon im Flieger sitzt. Es gibt aber auch Einsätze, die lange im Voraus geplant sind – mit Visa, Logistik, allem Drum und Dran. Diese Mischung macht den Job aus.
AEROREPORT: Was war der spontanste Einsatz, an den du dich erinnerst?
Kuhlbrodt: Das war ein Einsatz im Oman. Sehr kurzfristig, mit großer Hitze und Ramadan – völlig anderen Rahmenbedingungen, als ich sie gewohnt war. Solche Situationen zeigen einem schnell, wie wichtig Vorbereitung, Erfahrung – und ein gutes Team im Hintergrund sind.