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Wie MTU-Experten Industriegasturbinen weltweit einsatzfähig halten

Field Service Techniker der MTU sorgen weltweit dafür, dass Industriegasturbinen zuverlässig laufen. Marvin Kuhlbrodt gibt Einblicke in einen ganz besonderen Job.

Autorin: Isabel Rauschert | 4 Min. Lesezeit | veröffentlicht am: 08.04.2026

Autorin:
Isabel Rauschert ist studierte Politologin und Kommunikationswissenschaftlerin. Bei der MTU steuert sie den redaktionellen Prozess des AEROREPORTs und ist zuständig für die Konzeption und Entwicklung der Inhalte.

Kopf

Marvin Kuhlbrodt ist Field-Service-Technician bei der MTU Maintenance Berlin‑Brandenburg. Sein Arbeitsplatz: irgendwo auf der Welt. Auf Schiffen, auf Offshore‑Plattformen, an entlegenen Industriestandorten – immer dann, wenn es darauf ankommt. Ein Gespräch über Industriegasturbinen, Improvisationstalent und die Faszination eines Jobs fernab des Gewöhnlichen.

AEROREPORT: Marvin, dein Arbeitsplatz ist selten ein klassischer. Du arbeitest auf Schiffen, auf Öl- und Gasplattformen, oft unter Zeitdruck. Wie erklärst du jemandem, was ein Field-Service-Technician bei der MTU eigentlich macht?

Marvin Kuhlbrodt: Ich sage immer: Wir sind die verrückten Jungs, die um die ganze Welt fliegen und dafür sorgen, dass große Maschinen wieder laufen. Wir kommen oft an Orte, an die ich früher nicht einmal gedacht hätte – und müssen dort mit dem klarkommen, was wir vorfinden.

"Unser Ziel ist immer dasselbe: dem Kunden so schnell und zuverlässig wie möglich zu helfen, damit die Triebwerke wieder ihren Job machen können."

Marvin Kuhlbrodt

Field-Service-Technician bei der MTU Maintenance Berlin‑Brandenburg

AEROREPORT: Was genau macht so eine Industriegasturbine?

Kuhlbrodt: Ich sitze zum Beispiel gerade vor einer LM2500TM+. Solche Industriegasturbinen werden sehr vielseitig eingesetzt: Offshore auf Plattformen, auf Schiffen oder an Gaspipelines, wo sie Gas verdichten und weiterleiten. Häufig geht es auch um Stromerzeugung. Das Spektrum ist enorm – und entsprechend kritisch ist es, wenn so eine Turbine ausfällt.

AEROREPORT: Denn dann wird es schnell teuer?

Kuhlbrodt: Absolut. Offshore laufen meist mehrere Triebwerke parallel, damit die Versorgung grundsätzlich sichergestellt ist. Aber es kann vorkommen, dass mehrere Systeme gleichzeitig ausfallen und dann wird es ernst. Und genau dann kommen wir ins Spiel. Unser Job ist es, die Turbinen so schnell wie möglich wieder ans Netz zu bringen.

AEROREPORT: Gibt es bei so einem Job überhaupt so etwas wie einen Alltag?

Kuhlbrodt: Ehrlich gesagt: kaum. Natürlich haben wir geplanten Urlaub wie alle anderen auch. Aber man ist immer ein Stück weit auf Abruf. Es kommt vor, dass man morgens ins Büro fährt und am Nachmittag schon im Flieger sitzt. Es gibt aber auch Einsätze, die lange im Voraus geplant sind – mit Visa, Logistik, allem Drum und Dran. Diese Mischung macht den Job aus.

AEROREPORT: Was war der spontanste Einsatz, an den du dich erinnerst?

Kuhlbrodt: Das war ein Einsatz im Oman. Sehr kurzfristig, mit großer Hitze und Ramadan – völlig anderen Rahmenbedingungen, als ich sie gewohnt war. Solche Situationen zeigen einem schnell, wie wichtig Vorbereitung, Erfahrung – und ein gutes Team im Hintergrund sind.

Was macht eigentlich ein Field Service Technician bei der MTU Maintenance? Marvin Kuhlbrodt nimmt euch mit in seinen Alltag – oder besser gesagt: in ein Leben ohne klassischen Alltag. Als Spezialist für Industriegasturbinen (IGT) ist er weltweit im Einsatz – ob auf Schiffen, auf Offshore Plattformen oder an entlegenen Industriestandorten.

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Offshore-Einsatz: Per Hubschrauber zum abgelegenen Arbeitsplatz auf See.

AEROREPORT: Dein Arbeitsplatz ist oft ziemlich abgelegen. Du hast Fotos von Offshore‑Plattformen mitgebracht. Wie kommt ihr dorthin?

Kuhlbrodt: Meistens mit dem Hubschrauber. Gerade im Winter kann das wetterbedingt herausfordernd sein. Manchmal ist der Job eigentlich schon erledigt, aber man kommt nicht sofort zurück. Das gehört dazu. Dafür erlebt man Momente, die man nie vergisst – etwa ein Abendessen mit Blick auf die Nordsee bei Sonnenuntergang.

AEROREPORT: Klingt nach Abenteuer – aber auch nach Verantwortung.

Kuhlbrodt: Definitiv. Wir sind vor Ort die Visitenkarte der MTU. Qualität steht immer über allem. Wir arbeiten nach klaren Standards, mit voller Unterstützung aus dem MTU-Shop in Ludwigsfelde. Auch unter schwierigen Bedingungen muss das Ergebnis stimmen – und das tut es auch.

AEROREPORT: Gab es einen Einsatz, der besonders komplex war?

Kuhlbrodt: Komplex ist eigentlich jeder Einsatz, weil die Bedingungen immer unterschiedlich sind. Ein Beispiel war ein Projekt in Myanmar: Durch einen Erdrutsch auf dem Weg zur Anlage musste alles Material vom großen Laster auf kleinen Pick-ups verladen und durch den Dschungel gefahren werden. Unseren ersten Tag haben wir damit verbracht, das verschmutzte und teils beschädigte Werkzeug zu säubern, zu sortieren und wieder funktionsfähig zu bekommen. Da braucht man Ruhe und Erfahrung – aber vor allem Teamarbeit. Am Ende haben wir den Job sauber erledigt, und darauf kommt es an.

AEROREPORT: Was ist für dich der größte Unterschied zwischen einem Einsatz draußen und der Arbeit im Shop?

Kuhlbrodt: Im Shop herrschen konstante Bedingungen – angenehme Temperaturen, alles griffbereit. Draußen weißt du nie, was dich erwartet: Kälte, Hitze, Wind, Nässe. Mal arbeitest du bei Minusgraden auf See, mal bei extremer Hitze an Land. Aber die Qualität muss immer gleich hoch sein.

AEROREPORT: Hast du ein Ritual, wenn du in einem neuen Land ankommst?

Kuhlbrodt: Wenn es die Sicherheitslage erlaubt, schaue ich mir erst einmal die Umgebung an. Wie leben die Menschen? Was gibt es zu essen? Wie tickt der Ort? Man bekommt unglaublich viel mit – auch wenn die Einsätze meist straff durchgetaktet sind.

AEROREPORT: Und zum Schluss: Gibt es diesen einen Moment, in dem du weißt, warum du diesen Job machst?

Kuhlbrodt: Ja, eigentlich nach jedem Einsatz. Wenn es kritisch war, die Turbine wieder läuft und wir im Hubschrauber oder Flugzeug auf dem Heimweg sitzen. Dann bin ich stolz – auf das Team, auf die Arbeit und darauf, dass alles funktioniert hat. Genau deshalb liebe ich diesen Job.


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