Ausleger-Systeme und Lösungen mit Sonde und Fangtrichter
Grundsätzlich gibt es zwei Verfahren, die sich bei der Betankung im Flug etabliert haben. Beim Ausleger-System positioniert sich das Tankflugzeug mit seinem in Grenzen beweglichen Ausleger am Heck vor dem zu betankenden Flugzeug. Der Ausleger wird dabei in dessen Tanköffnung geführt. Sind Rohr und Betankungsstutzen sicher verriegelt, schließt sich ein Stromkreis, der die Druckbetankung startet. Das zu betankende Flugzeug fliegt während des Tankvorgangs in Formation hinter oder unter dem Tankflugzeug. Nach Abschluss des Tankvorgangs werden die Ventile geschlossen und das Teleskoprohr zurückgezogen.
Eine alternative Strategie arbeitet mit einer Sonde und einem Fangtrichter, der aussieht wie ein überdimensionaler Federball. Dieser ist über einen flexiblen Schlauch angebracht, den das Tankflugzeug hinter sich herzieht. Das Tankflugzeug fliegt vor dem zu betankenden Kampfjet her, dessen Pilot die Sonde seinerseits in den Fangkorb steuert. Durch den Windzug am Fangtrichter wird eine Verbindung zwischen der Sondenspitze der Treibstoffsonde und dem Ventil hergestellt und nach Verriegelung der Tankvorgang über Druck gestartet.
Dieses Verfahren verlangt dem Piloten des Empfängerflugzeugs mehr Präzision ab als die Ausleger-Lösung, bei der es dafür mehr auf das Geschick des Betankungsoperators ankommt, der den starren Ausleger nur in begrenztem Umfang steuern kann. Während der Ausleger schnelleres Betanken aufgrund des größeren Querschnitts zulässt, ist bei der Fangtrichter-Variante aufgrund des größeren Abstands des 22 Meter langen Schlauchs das Kollisionsrisiko geringer.
Alle gängigen Tankflugzeuge, etwa auch der Airbus A330 MRTT, sind für diese beiden Verfahren geeignet, wobei es jeweils auf die Zertifizierung zur Betankung des jeweils gewünschten Flugzeugtyps ankommt. Neben diesen beiden Grundkonzepten gibt es aber auch kombinierte Lösungen, die sowohl mit einem Ausleger als auch mit einem oder mehreren Fangtrichtersystemen ausgestattet sind.