Galvanische Prozesse zur Qualitätssicherung
Bei der Fertigung von Blisks spielt die Galvanik immer wieder eine wichtige Rolle: Sobald die Rohlinge die ersten Bearbeitungsschritte durchlaufen haben, werden sie in ein säurehaltiges Becken getaucht, um eine mikrometerdünne Schicht abzutragen. Dieses Beizen aktiviert die Oberfläche. Es folgt ein alkalisches Bad, durch das sich auf den Oberflächen eine blaue Oxidschicht bildet. Diese lässt Korngrenzen im Metall hervortreten. Die Spezialist:innen bei der MTU können auf diese Weise auffällige Muster im Gefüge aufspüren, die auf Schwachstellen hindeuten. Solche Materialfehler sind gefährlich, denn sie können im Flugbetrieb zu Rissbildungen und im schlimmsten Fall zum Zerplatzen der ganzen Scheibe führen. Bei der Sichtprüfung werden daher alle Blisks, die Fehler aufweisen, aussortiert.
Nur Blisks, die alle Stationen der Qualitätssicherung – neben der Gefüge- spielt auch die Rissprüfung eine wichtige Rolle – durchlaufen haben, kommen für die finale Spitzenpanzerung zurück ins galvanische Bad. Damit sich die Nickel-Diamantschicht tatsächlich nur auf den äußersten Spitzen der Schaufeln ablagert, müssen alle anderen Teile abgedeckt werden: „Wegen der komplizierten Geometrie ist das ein aufwändiger Prozess“, erklärt Blümel. Zunächst wird eine schützende Lackschicht auf die Schaufeln aufgebracht und anschließend an den Stellen, die beschichtet werden sollen, wieder entfernt: Um die Oberfläche der Schaufelspitzen freizulegen, benötigen die Expert:innen Skalpell, Lupe und eine ruhige Hand. Am Ende werden die Scheibenkörper mit Halbschalen abgedeckt und jeweils zwei Blisks auf die eigens dafür entwickelten drehbaren Gestelle montiert.