Individuelle Lösungen statt Patentrezepte
Beschichtungen können hauchdünn oder mehrere Millimeter dick aufgetragen werden. Sie können porös, dicht, spröde oder weich sein und sogar Komponenten enthalten, die als Schmiermittel wirken. „Es gibt keine Patentrezepte, nur individuelle Lösungen: Jede Beschichtung muss zum Werkstoff passen und auf ihn abgestimmt sein. Nur so bekommt man am Ende genau die Oberflächenbeschaffenheit, die für eine spezifische Anwendung benötigt wird“, erläutert Schneiderbanger.
Doch wie findet man eine solche Lösung? Schneiderbanger erinnert sich noch gut an den Tag, als ein Konstrukteur ihm von einem drohenden Verschleiß der Outer Air Seals in einem Triebwerk berichtete, das gerade entwickelt wurde. Diese Shroud-Segmente befinden sich in ringförmiger Anordnung in der Niederdruckturbine und werden während des Betriebs mit hohem Druck gegen einen Kolbenring gepresst. Durch den Druck können sich Verbindungen zwischen den Berührungsflächen der beiden Metallbauteile bilden, die dann etwa durch Vibrationen wieder aufreißen und das Material schädigen. Um diesen Schwing-Reib-Verschleiß (Fretting) zu eliminieren, musste eine Beschichtung gefunden werden, die den direkten Materialkontakt verhindert sowie ein Verfahren, mit dem sich diese mit hoher Präzision aufbringen lässt, sodass die Bauteile nicht mehr maßgeblich nachgearbeitet werden müssen. Mehr als hundert Proben beschichtete Schneiderbangers Team, bis exakt die gewünschten Werte für Haftfestigkeit, Härte, Porosität und Oxidgehalt erreicht waren. Ein Jahr lang dauerte die Entwicklungsarbeit, bevor die Shroud-Segmente serienmäßig beschichtet und in die Triebwerke eingebaut werden konnten. Doch die Mühe hat sich gelohnt. „Wenn keine Probleme auftreten, dann haben wir unseren Job gut gemacht“, resümiert Schneiderbanger.