Mustererkennung aus Maschinendaten, statistischen Annahmen und Erfahrungswerten
Diese Stufe ist deshalb so wichtig, weil sie für Baaders und Hechts Kolleg:innen aus der Datenanalyse den Schritt in eine neue Welt ermöglicht. Plötzlich kommen sie in die Lage, das sprichwörtliche große Ganze der Maschinenbetriebsdaten zu analysieren. Nicht mehr nur kleinere Ausschnitte. „Für eine echte Mustererkennung sind wir auf die Werte aus längeren Zeiträumen angewiesen“, sagt Informatikerin Hecht. In Extremfällen aus mehreren Jahren.
Wegen der steigenden Komplexität von Triebwerkskomponenten wird auch deren Produktion immer komplexer. „Die schlussendliche Qualität eines Bauteils hängt ganz maßgeblich von den Wechselwirkungen der einzelnen Produktionsschritte ab“, erklärt Hecht. Was, wenn sich Maschinendaten, statistische Annahmen sowie Erfahrungswerte zu belastbaren Prognosen vernetzen ließen? Dann wäre eine datengetriebene Vorhersage der Produktqualität geschaffen, eine echte Predictive Quality.
Prognosefähigkeit liefert Fertigungsingenieur:innen Einblick in bislang unsichtbare Zusammenhänge
„Gibt es vielleicht an einem bestimmten Fertigungsschritt eine bestimmte Abhängigkeit zwischen Druck, Drehmoment und Temperatur, die sich womöglich erst Fertigungsschritte später negativ in einer Qualitätskennzahl niederschlägt?“, fragt Hecht. Relevante Werte wie mit einer digitalen Schere aus den Datensätzen geschnitten, als Muster extrahiert und in Dashboards visualisiert, geben den Fertigungsingenieur:innen unmittelbar an ihrer Linie Einblick in bislang unsichtbare Zusammenhänge. „Sie könnten einem möglichen Fehler bereits zu einem Zeitpunkt gegensteuern, an dem sie ihn noch nicht einmal ahnen können.“
Analog werden Prognosen zu den Verläufen von Werkzeugverschleiß denkbar. Triebwerksbauteile sind hochwiderstandsfähig – leider auch gegenüber den Fräswerkzeugen, die sie herstellen. Um die geringen Fertigungstoleranzen von Triebwerksbauteilen nicht zu gefährden, sind die Werkzeuglaufzeiten stets mit einem gewissen Materialpuffer versehen. Besser ausgenutzte Restlebensdauer könnten den Fertigungsfluss spürbar verbessern, weil die zeitaufwendigen Werkzeugwechsel seltener werden. Zudem sind Werkzeugkosten im Triebwerksgeschäft ein echter Kostenfaktor.