Als vorgelagertes Testsystem starten zwei MES-„Piloten“
Management Execution System (MES) heißt der Mastermind. Als Produktionsleitsystem soll es einmal in der Ausbaustufe die gesamte MTU-Produktion dirigieren. Doch die Sache ist komplex. „Je mehr Bereiche und Menschen beteiligt sind, desto heterogener und individueller sind die Bedarfe“, sagt Teufel. „Es geht also um möglichst flexible Lösungen und darum, fachliche Gemeinsamkeiten der zahlreichen Arbeitsschritte zu erkennen und technische Standards zu schaffen.“ Deshalb wird das Großprojekt nicht einfach aufgebaut und eingeschaltet. Stattdessen soll das MES wachsen. Von der Maschine zur Linie. Von der Linie zur Halle. Von der Halle zur kompletten Produktion. Die Blisk-Produktionslinie startet als einer von zwei „MES-Piloten“ sprich: Als vorgelagertes Testsystem, mit dem die MTU ihr MES auf die Bedarfe und Anforderungen der Fertigungslandschaft hin ausgestalten und maßschneidern wird.
Teufel verantwortet das MES-Projekt aus der Digitalisierungsperspektive. Sein fachliches Pendant in der Produktionshalle heißt Bernhard Gürtler. Etwa 6.000 Stunden im Jahr laufen an dessen Linie alleine die Fräsmaschinen. „Ist die für den Arbeitsschritt passende Maschine verfügbar? Das aktualisierte Maschinenprogramm freigegeben und heruntergeladen? Die richtigen Rohteile, Vorrichtungen und Werkzeuge im Zulauf? Und steht auch der passend ausgebildete Mitarbeiter zur jeweiligen Zeit im Schichtplan?“ Natürlich: „Wir haben all diese Ressourcen auf dem Schirm. Wir haben Planungen verfeinert und Sicherungen etabliert.“
Aber der Organisationsaufwand bleibe enorm. „Eine entsprechende MES-Automatisierungsplanung könnte uns da einiges abnehmen und obendrein Stillstandzeiten minimieren.“ Zum Beispiel, weil Bauteil und Vorrichtung zwar an der Maschine sind – aber erst noch ein aktualisiertes Maschinenprogramm aufgespielt werden muss. Auf der anderen Seite könnte das MES für mehrtägige Fertigungsschritte einen teilautomatisierten Dauerbetrieb in greifbare Nähe bringen. „Dann könnten wir, übers MES entsprechend abgesichert, Maschinen vorrüsten und die Maschinenprogramme beispielsweise übers Wochenende abfahren“, skizziert Gürtler.