Sekundenschneller Messwert-Zugriff von allen Fachdisziplinen
Genau diese Verknüpfung von Daten ist für die moderne Triebwerksentwicklung aber geradezu zentral. Berechnungsingenieur Michael Kern aus der Triebwerksleistungsrechnung gibt ein Beispiel: An einer Turbine etwa lassen sich einige physikalische Größen unmittelbar messen, zum Beispiel der Druck am Eintritt der Komponente. „Andere Größen, wie etwa der thermische Wirkungsgrad (ein Maß für die Effizienz) eines Triebwerks, werden hingegen in Analyserechnungen ermittelt. Diese Analysen basieren auf komplexen Triebwerksmodellen, in denen sehr viele Messwerte eingelesen werden.“ Hunderte, manchmal tausende Messwerte müssten die Entwickler:innen in Kontext setzen. „In diesen Zusammenhang lassen sich die Messwerte im bisherigen Messdatenmanagement nur mit sehr großem Aufwand setzen – weil sie eben nur mit sehr großem Aufwand zugänglich sind.“
Zusammen mit Kern hat Bayerlein deshalb mit der Etablierung eines standardisierten und zentralen Versuchsdatenmanagements begonnen. Unter dem Projektnamen MDM2020, kurz für „Messdatenmanagement 2020“, arbeiten sie fachübergreifend und interdisziplinär mit einer ganzen Mannschaft an nicht weniger als einem kompletten Neuaufbau des MTU-Messdatenmanagements.
Möglichst unkompliziert sollen auf der einen Seite die gemessenen Werte aller Test- und Prüfläufe hineinfließen – und die Entwickler:innen auf der anderen mit ihren bestehenden Tools möglichst unkomplizierten Zugriff darauf erhalten. Solche IT-technischen Lösungen unterstützen die Effizienz von Auslegungsprozessen und damit die Wettbewerbsfähigkeit der MTU. Das meiste muss die Mannschaft von Grund auf aufbauen. Eine Blaupause, an der sich die Entwickler:innen orientieren könnten, gibt es nicht.