„Tiere haben hier freie Bahn, wir sind nur Besucher“
Davon können alle Pilot:innen in Maun unglaubliche Geschichten erzählen, nirgendwo sonst kommen sich Luftfahrt, Löwen, Leoparden und andere wilde Tiere regelmäßig so nahe wie im Okavango-Delta. „Ich war im Endanflug und plötzlich sah ich ein Rudel aus fünf Löwen genau an der Landebahnschwelle liegen, wo ich aufsetzen wollte“, berichtet Samantha Steel. Die 35-jährige Pilotin entschied sich zunächst für einen Low Pass, einen Überflug in geringer Höhe, doch ohne die gewünschte Wirkung. „Die Löwen hatten gerade gefressen, die hatten dicke Bäuche und waren so träge, dass sie nicht bewegen wollten“, erinnert sich die Pilotin.
„Ich bin dann trotzdem gelandet, und unsere Flugzeuge sind nicht leise“, sagt die Südafrikanerin, „aber die Löwen haben sich überhaupt nicht bewegt, das kümmert die einfach nicht, die sind an Flugzeuge gewöhnt.“ Und auf den Buschpisten gelten andere Prioritäten als auf Flughäfen. „Tiere haben hier freie Bahn“, sagt Samantha Steel, „wir sind nur Besucher. Das ist für uns Pilot:innen eine riesige Herausforderung. Die Pisten sind kurz, überall tummeln sich Tiere und es gibt viele Beinahe-Kollisionen.“
Störrische Strauße, gefräßige Hyänen
Samantha Steel weiß auch von notorisch störrischen Straußenvögeln zu berichten, die beinahe grundsätzlich nicht gewillt sind, das Flugfeld zu räumen. Und von gefräßigen Hyänen, die sich die Piste schon mal als weiß gedeckten Tisch aussuchen, um ihre gerade erlegte Beute genüsslich zu verspeisen – just zur Zeit der planmäßigen Landung der Cessna Caravan. „Da musste ich dreimal den Anflug abbrechen und einen Go-Around machen“, erzählt sie. Ihr Kollege Paul Murdock erinnert sich an ein Nashorn, das sich drei Monate lang nicht von der Landepiste vertreiben lassen wollte. „Wenn man es mit dem Auto versucht, denken die Tiere, das sei eine Herausforderung und rammen den Wagen, das hat einige haarige Situationen gegeben.“
Trotzdem fühlen sich die Pilot:innen hier gut aufgehoben: „Früher waren die Dinge zwar viel entspannter“, weiß Murdock. „Aber das ist gut so, es ist jetzt noch viel sicherer als vorher, wir haben alle möglichen Risiken ausgeschlossen.“ Aber auf den weiter lockenden Nervenkitzel, welche Laune der Tierwelt bei der nächsten Landung im Delta wartet, will ohnehin kein Pilot verzichten.