Fensterblick auf Weltraum und Erdkrümmung
Die Concorde flog nun in der oberen Stratosphäre am Rande des Weltraums. Beim Blick aus dem Fenster nach oben sah ich die Weite des Universums – der Himmel ist auch am Tage beinahe pechschwarz. Nach unten bot sich ebenfalls ein seltener Anblick: War der Horizont nicht durch Wolken oder Dunst unscharf konturiert, erkannte man deutlich die leicht gebogene Linie des Horizonts – nichts anderes als die Erdkrümmung. Wir flogen jetzt 57.000 Fuß (rund 17.000 Meter) hoch. „Nur die Astronauten der Raumstation ISS sind jetzt höher als wir“, sagte mir mal British Airways Concorde-Chefpilot Mike Bannister.
„Aber die müssen Raumanzüge tragen, während wir hier im Hemd sitzen und 37 Kilometer pro Minute zurücklegen“. Das Flugzeug schien allerdings stillzustehen, die Oberkante der nächsten Wolken waren mindestens 6.000 Meter unter der Concorde, die Orientierungspunkte fehlten. In der Zeit, die es dauerte, allein diesen kurzen Satz zu lesen, waren bereits über drei Kilometer Distanz zurückgelegt. Obwohl die umgebende Luft in dieser Höhe extrem dünn und mit etwa minus 50 Grad Celsius sehr kalt ist, reichte die durch die Reibung erzeugte Wärme aus, die Aluminiumlegierung des Flugzeugs gehörig zu erhitzen. Am heißesten wurde es an der Spitze – die Concorde-Nase erreicht nach zwei Stunden Überschallflug bis zu 127 Grad Celsius.
Ein Flugzeug, das im Flug länger wird
Während jedes Überschallflugs wurde das Flugzeug etwa 20 Zentimeter länger und schrumpfte bei langsamerer Geschwindigkeit bis zur Landung wieder auf die Originallänge zusammen. Die Leitungen an Bord waren entsprechend flexibel verlegt. Dieses Phänomen ließ sich nur an einem Platz an Bord beobachten, dem Instrumentenpanel des Flugingenieurs. Vor dem Start lag es rechts eng an der Cockpitwand an, während nach zwei Stunden Flug hier plötzlich ein Spalt klaffte, der so breit war, dass man problemlos seine Hand hineinstecken konnte.
„Versuchen Sie das mal – aber wenn Sie die Hand jetzt drin lassen bis zur Landung, dann sind Sie gefangen“, scherzte Pilot Bannister mal mit mir, als ich im besonders engen Cockpit mitfliegen durfte. Viel zu schnell, wie ich fand, ließ er dann schon das Visier vor den Cockpitscheiben versinken und klappte dann für die Landung die berühmte Concorde-Nase herunter. Der Fahrtwind rauschte laut, und kurz darauf berührte unser Hauptfahrwerk schon die Piste am JFK Airport. Diese faszinierende Reise ging so schnell, dass das Bewusstsein, mal eben von Europa nach Amerika gelangt zu sein, immer etwas länger brauchte, um das zu realisieren, als die Flugzeit der Concorde dauerte.