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Triebwerksreparatur vor Ort: MTU im Einsatz in Malaysia

In Malaysia realisierte die MTU Maintenance einen ihrer bislang größten On-Site-Service-Einsätze für eine Airline.

Autorin: Nicole Geffert | Min. Lesezeit | veröffentlicht am: |
Kopf
Kurz zusammengefasst

Als Malaysia Airlines kurzfristig 25 CFM56-7B-Triebwerke mit neuen Hochdruckturbinenschaufeln ausrüsten musste, entwickelte die MTU Maintenance innerhalb kürzester Zeit eine maßgeschneiderte On-Site-Service-Lösung. Statt die Triebwerke in den Shop zu bringen, führten die MTU-Expert:innen die Arbeiten direkt vor Ort durch – ermöglicht durch ein globales On-Site-Service-Netzwerk und perfekt aufeinander abgestimmte Abläufe

Der Regen prasselt auf das Hallendach des Hangars am Rande des Kuala Lumpur International Airport. Draußen herrschen tropische 32 Grad, drinnen läuft die Zeit. Das Mechanikerteam vom On-Site-Service (OSS) der MTU Maintenance zerlegt ein CFM56-7B-Triebwerk des Kunden Malaysia Airlines. Die Niederdruckturbine ist bereits ausgebaut, nun arbeiten sich die Spezialist:innen Schritt für Schritt bis zur Hochdruckturbine (HDT) vor. Dort müssen Schaufeln ausgetauscht werden – möglichst schnell. Denn jede Stunde zählt.

„Zeit ist Geld, vor allem in der Luftfahrt“, sagt Tom-Patrick Naurath, Fluggerätmechaniker Triebwerkstechnik im OSS-Team der MTU Maintenance am Standort in Ludwigsfelde. „Die Airline will ihre Flugzeuge so schnell wie möglich wieder zurück im Betrieb. Und dann sind wir als On-Site-Service-Teams gefordert.“

Der Einsatz, der im Frühjahr 2025 startet, ist in dieser Größenordnung ein Novum im globalen OSS-Geschäft der MTU Maintenance. Die ursprünglich geplanten Shop Visits wurden innerhalb kürzester Zeit in eine maßgeschneiderte On Site Lösung überführt, die deutlich zeitsparender ist. In nur sechs Monaten tauschen die MTU-Expert:innen insgesamt 25 CFM56-7B-Triebwerke mit neuen HDT-Schaufeln aus und übernehmen zusätzliche Arbeiten. OSS-Spezialist:innen von den MTU-Standorten in Ludwigsfelde/Deutschland, Perth/Australien und São Paulo/Brasilien arbeiten dafür in einem rollierenden System zusammen – zwei bis drei Triebwerke pro Einsatz und Team. Insgesamt sind mehr als zwanzig Mechaniker:innen und Prüfer:innen beteiligt. Doch wie läuft ein derart logistisch aufwändiger Einsatz eigentlich ab?

Bereit für den nächsten Einsatz: Das On-Site-Service-Team der MTU Maintenance unterstützt Kunden weltweit.

Jedes Detail muss stimmen

Die Anfrage des Kunden setzt alles in Bewegung. In der Zentrale des On-Site-Service am MTU-Standort in Ludwigsfelde starten umgehend die Vorbereitungen für den umfangreichen Einsatz, um den Kunden schnellstmöglich vor Ort zu unterstützen. Saurabh Pagare, Customer Account Manager bei der MTU Maintenance Berlin-Brandenburg, weiß, dass sich ein solcher Auftrag nur mit präziser Planung und Abstimmung zwischen dem Kunden, dem Triebwerkshersteller und dem OSS-Team der MTU erfolgreich bewältigen lässt.

„Die Airline“, sagt Pagare, „kann nicht alle Flugzeuge gleichzeitig am Boden lassen, um die Triebwerke auszubauen. Der Flugbetrieb muss weiterlaufen – gerade während der Sommermonate mit hohem Reiseaufkommen. Und der Hersteller muss die Ersatzteile, die HDT-Schaufeln, zur Verfügung stellen können. Wir von der MTU wiederum müssen das erforderliche Personal, Material und Werkzeug passgenau einplanen.“

Auch Naurath und seine Kolleg:innen vom OSS-Team beginnen mit der Organisation: Flüge, Visa, Werkzeuglisten, Zollunterlagen und Luftfracht. Denn bei einem Einsatz dieser Art fliegt nicht nur hochqualifiziertes Personal um die halbe Welt – sondern auch tonnenweise Spezialequipment. „Wir prüfen genau: Welche Vorrichtungen brauchen wir? Welche Öle oder Schmierstoffe? Welche Spezialwerkzeuge und welche Ersatzteile?“, erklärt Naurath. „Die Kisten, die wir packen, sind teilweise bis zu 1,80 Meter mal zwei Meter groß. Und weil alles per Luftfracht verschickt wird, muss jedes Detail stimmen.“

In enger Abstimmung mit der Airline und MAB Engineering Services entwickeln die OSS-Expert:innen einen eng getakteten Sechs-Monats-Plan für den Einsatz vor Ort. Die Einsätze der OSS-Teams erfolgen gestaffelt. In der Regel wird ein Triebwerk repariert und wieder an den Flügel montiert, bevor das nächste folgt.

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Jeder Handgriff sitzt: Vor Ort arbeiteten die OSS-Teams an insgesamt 25 CFM56-7B-Triebwerken von Malaysia Airlines.

Boroskopie

Bei der Boroskopie wird das Innere eines Triebwerks mit Hilfe eines Boroskops untersucht. Dabei handelt es sich um eine schlanke Sonde mit Kamera und Beleuchtung, die durch vorhandene Öffnungen in das Trieb-werk eingeführt wird. So können Techniker schwer zugängliche Bereiche inspizieren, ohne das Triebwerk zu zerlegen.

Präzisionsarbeit im Hangar

Dabei übernimmt ein Mechanikerteam der Airline wichtige Vorbereitungen. Die Triebwerke werden noch am Flügel boroskopiert. Die Aufnahmen sichten anschließend auch die MTU-Spezialist:innen. „Anhand der Bilder erkennen wir den Zustand des Triebwerks in den Bereichen, die sich mit dem Boroskop untersuchen lassen“, erklärt Naurath. „Liegen Auffälligkeiten vor, können wir entsprechendes Werkzeug und Ersatzteile bereitstellen, bevor wir zum Kunden fliegen.“

Im Hangar in Kuala Lumpur beginnt für Naurath und sein Team dann die richtige Arbeit – die, für die sie bis zu 150 Reisetage im Jahr weltweit unterwegs sind. Bei MAB Engineering Services in Sepang arbeiteten MTU-Spezialist:innen eng mit den technischen Teams der Fluggesellschaft zusammen, um die umfangreichen Triebwerksarbeiten durchzuführen. Das lokale Team brachte seine Kenntnisse des Flugzeugs und der Hangarumgebung ein, die die spezialisierte OSS-Expertise der MTU ideal ergänzten. So konnten die Arbeiten effizient und sicher direkt vor Ort ausgeführt werden.

Die Reparaturen vor Ort bringen mehrere Vorteile: Zusätzliche Shop Visits werden vermieden, Ausfallzeiten reduziert und damit die Verfügbarkeit der Flotte maximiert. „Was unsere Spezialistenteams vor Ort reparieren können, das erledigen sie vor Ort“, sagt Pagare. „ Am Ende wollen wir unseren Kunden so schnell wie möglich und in der geforderten Qualität ein flugfähiges Triebwerk übergeben.“

In Kuala Lumpur setzt sich das OSS-Team meist aus vier Triebwerksprofis zusammen: drei Mechaniker:innen und einem Experten vom Certifying Staff, der die Arbeiten nach geltenden Standards freigibt. Mehrere OSS-Teams wechseln sich während der Kampagne ab wie in einer Staffel. „Manchmal sind wir uns auf dem Flughafen sogar über den Weg gelaufen“, erinnert sich Naurath. „Die einen flogen zurück, die anderen kamen gerade an.“

Ein globales Netzwerk im Einsatz

Was diese Kampagne auch auszeichnet, ist die globale Zusammenarbeit. OSS-Teams mit MTU-Triebwerksexpert:innen von drei Kontinenten arbeiten Hand in Hand. „Unsere Kunden erwarten schnelle und verlässliche Unterstützung, unabhängig davon, wo auf der Welt sich ihr Triebwerk befindet. Genau dafür haben wir unser globales On-Site-Service-Netzwerk aufgebaut“, erklärt Xaver Schmid, Vice President Global On-Site Services der MTU.“

Damit solche Einsätze weltweit effizient koordiniert werden können, wurden die zentralen Prozesse im On-Site-Service der MTU global harmonisiert und digital miteinander vernetzt. Sobald eine Kundenanfrage eingeht, werden alle relevanten Daten – etwa Kunde, Triebwerkstyp, Seriennummer, Schadensbild und Einsatzort – zentral erfasst und für die weitere Einsatzplanung genutzt. Auch Logistikprozesse greifen nahtlos ineinander: Ersatzteile werden bereitgestellt, Spezialwerkzeuge inklusive Versand und Zoll organisiert und Einsatzteams zusammengestellt. „Für unsere Kunden bedeutet die globale Vernetzung vor allem eines: schnellere Reaktionszeiten, maximale Flexibilität und Zugang zu unserem weltweiten Expertennetzwerk. So können wir unabhängig vom Einsatzort die passende Lösung in MTU-Qualität bereitstellen“, erklärt Schmid.

Mit zunehmender Dauer der Kampagne werden die Abläufe immer effizienter. Das Team von Malaysia Airlines und die MTU-Spezialist:innen arbeiten wie eine eingespielte Einheit. „Jeder weiß, was wann zu tun ist – ohne erneut nachzufragen“, erinnert sich Naurath. „Der größte Wert, den wir dem Kunden bieten, ist Zeit“, sagt Pagare. „Am Ende war jedes Triebwerk, das vor Ort repariert wurde, innerhalb von etwa zehn Tagen wieder einsatzbereit.“

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Aus zwei Triebwerken wird eines: Mit technischem Know-how und enger Abstimmung fand das OSS-Team eine Lösung, die zusätzliche Ausfallzeiten vermied.

Aus zwei Triebwerken wird eines

Bei aller perfekten Planung: Überraschungen gehören im OSS-Geschäft dazu. „Du weißt letztendlich nie genau, was während eines Einsatzes auf dich zukommt“, sagt Naurath. „Es kann immer zu ungeplanten Reparaturen und zusätzlichen Arbeitsaufträgen, sogenannten Workscopes, kommen.“ Manche Schäden sind erst sichtbar, wenn das Triebwerk zerlegt wird.

Genau so ein Moment tritt während der Kampagne ein. Bei zwei Triebwerken entdecken die OSS-Teams bei der Demontage zusätzlichen Reparaturbedarf – an der Niederdruckturbine des einen Triebwerks sowie am Rotor der Hochdruckturbine des anderen Triebwerks. Eigentlich müssten beide Antriebe zur Instandhaltung in den Shop der MTU Maintenance. Die Reparaturen sind zu komplex für einen On-Site-Einsatz.

Für die Airline wäre der Ausfall von zwei Triebwerken ein erheblicher Rückschlag – mit längeren Standzeiten und zusätzlichen Kosten. „Das ist keine Nachricht, die ein Kunde gern hört“, sagt Naurath. „Aber zu unserem Job gehört, in schwierigen Situationen wie dieser eine Lösung zu finden – schnell und vor Ort.“

Die Idee: Die intakten Module beider Triebwerke sollen kombiniert werden, um daraus ein einsatzfähiges Aggregat aufzubauen. „Das zeigt die Flexibilität unseres On-Site-Services, von der die MTU-Kunden profitieren“, sagt Pagare. Nach Rücksprache mit dem OSS-Team wird die Lösung dem Kunden vorgeschlagen. „Unsere Expertinnen und Experten haben dafür das technische Know-how, die Erfahrung und das nötige Fingespitzengefühl – sowohl am Triebwerk als auch im Umgang mit dem Kunden.“

Die Lösung überzeugt: Zusätzliches Werkzeug wird eingeflogen, damit die MTU-Spezialist:innen an beiden Triebwerken parallel arbeiten können – auch das spart Zeit. Die Abstimmung zwischen dem Triebwerksmanager der Airline, dem OSS-Team in Kuala Lumpur und dem Customer Account Manager am MTU-Standort Ludwigsfelde läuft rund um die Uhr. „Wir haben die Zeitverschiebung clever genutzt“, sagt Pagare. „Der Kunde soll möglichst auf jede seiner Fragen am nächsten Morgen eine Antwort vorfinden.“

Nicole Geffert

Freie Journalistin & Autorin

Nicole Geffert arbeitet als freie Journalistin mit den Themen Luftfahrt und Mobilität, Forschung und Wissenschaft sowie Steuern und Recht.


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