Langlebige Kondensstreifen vermeiden
Die restlichen zwei Drittel setzen sich wiederum aus den Erwärmungseffekten durch langlebige Kondensstreifen (zwei Drittel) sowie der Ozonbildung infolge der Stickoxidemissionen zusammen. Eine kleinere Rolle spielten auch noch Wasserdampf und Rußpartikel, die bei der Kerosinverbrennung ausgestoßen werden, so Sausen. „Fasst man alle Faktoren in einer Klimakostenfunktion zusammen, die jedem Ort der Atmosphäre den aktuellen Wert der Gesamtklimawirkung zuordnet, kann man die Flugroute mit den kleinsten Auswirkungen auf das Klima berechnen“, sagt der Forscher. Seine Berechnungen haben gezeigt, dass die Klimawirkung so um 20 Prozent verringert werden kann – ohne technische Änderungen an den Flugzeugen. Rein theoretisch wäre laut Sausen noch mehr drin, wenn alle Maschinen zusätzlich etwas langsamer fliegen würden.
Der Experte schätzt, dass sich eine Gesamtberechnung von klimaoptimierten Flugrouten bei Flugverkehrsmanagern erst in 10 bis 15 Jahren durchsetzen könnte. Schneller hilft ihm zufolge die simple Meidung von Gebieten, in denen sich die langlebigen Kondensstreifen bilden. Die Maßnahme käme ohne große Eingriffe in das globale Luftfahrtsystem aus. Kondensstreifen machten einerseits den Löwenanteil am klimawirkenden Anteil der Nicht-CO2-Emissionen aus, so Sausen. Andererseits brauche man nicht alle von ihnen zu verhindern. „Ein bis zwei Prozent der gesamten langlebigen Kondensstreifen, die sogenannten ‚Big Hits‘, bewirken mehr als 80 Prozent der Erwärmung – es reicht also sich vorerst darauf zu konzentrieren“, so der Atmosphärenphysiker. Da sich die Big Hits nur in sehr kalten und feuchten Luftschichten bilden, die oft nur wenige hundert Meter dünn sind, müsse man nur etwas tiefer oder höher fliegen, um ihre Bildung fast vollständig zu unterdrücken. Flugverbotszonen für Big-Hit-Bereiche oder Mautlösungen könnten schon in fünf Jahren kommen, schätzt der DLR-Wissenschaftler.