Die MTU Aero Engines unterstützt, auch in Kooperation mit anderen Branchenvertretern, die Einführung dieser Kraftstoffe in den Markt. „Die PtL-Technologie ist technisch beherrscht und bereit zur Skalierung – das muss unserer Ansicht nach jetzt geschehen“, sagt MTU-Experte Fabian Donus aus dem Innovationsmanagement. Denn noch gibt es weltweit keine Handvoll größerer Anlagen, was den PtL-Kraftstoff erheblich teurer macht als fossiles Kerosin. Sizmann plädiert daher ebenso für eine schnelle Skalierung, auch beim StL-Verfahren. „Da benötigen wir zwar noch Forschungsarbeit, um den Prozess effizienter zu machen. Diesen Schritt können wir aber parallel zum Aufbau einer Anlage im Megawattbereich gehen.“
Der Luftfahrtsektor könnte weitgehend CO2-neutral werden
Alle heute zugelassenen Herstellrouten von SAFs verlangen eine Beimischung von mindestens 50 Prozent fossilen Kerosins. „Herstellrouten, die keine Beimischung mehr benötigen, werden aber bereits untersucht. Umfangreich eingesetzt, würden SAFs die CO2-Bilanz der Luftfahrtbranche sofort spürbar verbessern“, so Donus. MTU verfolge auch weiterhin die Entwicklung der StL-Technologie, sagt Donus. „Aktuell scheint PtL aber einen Schritt voraus zu sein.“ Ohne Subventionen sei der Aufbau einer PtL-Industrie allerdings nicht zu stemmen, so Donus. Sizmann und Batteiger sehen das auch so. „Wie schnell wir die Technologien ausrollen können, hängt vom politischen Willen und von der Entwicklung der Kosten für den Einsatz von Erdöl ab. Eine Sun-to-Liquid-Anlage würde auf 38 Quadratkilometern Fläche rund 300.000 Liter synthetisches Kerosin pro Tag produzieren – knapp eine Airbus-A380-Tankfüllung. Die PtL-Technologie mit Solarstrom brauche in etwa die gleiche Fläche, so Batteiger. Windstrom wäre zwar platzsparender, dafür sinke aber die Akzeptanz für die Windräder.
Aufgrund der vergleichsweise geringen Transportkosten für flüssige Kraftstoffe ist eine Produktion großer Mengen synthetischer Kraftstoffe vor allem in Regionen sinnvoll in denen viel Wind oder Sonne vorhanden ist. Rund ein Prozent der Wüstenfläche würden ausreichen, um den weltweiten Bedarf der Luftfahrt mit synthetischen Kraftstoffen zu decken, so Batteiger. Mit etwa 300.000 Quadratkilometern wäre das Gebiet fast so groß wie Deutschland. „Für Biokraftstoff würde man mindestens die zehnfache Fläche brauchen – auf landwirtschaftlich nutzbaren Böden“, so Batteiger. „PtL und StL sind daher trotz aller Herausforderungen unsere besten Optionen, Fliegen CO2-neutral zu gestalten“.