Immer im Einsatz: die Werkfeuerwehr von MTU und MAN

Von wegen Blaulicht anschalten‚ löschen und wieder zurück in die Garage. Der Alltag der Werkfeuerwehr MTU/MAN ist weit komplexer.

09.2020 | Autor: Thorsten Rienth

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Thorsten Rienth schreibt als freier Journalist für den AEROREPORT. Seine technikjournalistischen Schwerpunkte liegen neben der Luft- und Raumfahrtbranche im Bahnverkehr und dem Transportwesen.

„Da geht es, und das meine ich ganz und gar nicht sprichwörtlich, um Sekunden.“

Markus Schmid, Leiter der Werkfeuerwehr MTU/MAN

In der Alarmzentrale läuft alles zusammen. Durch Telefone und Mikrofone, über Lichter und Schalter, auf Tastaturen und Bildschirmen. Digitale Lagepläne flimmern darauf. Sie stilisieren die Werkgelände von MTU Aero Engines und MAN Truck & Bus in München. Die Werkgrenze der MAN entspricht der der MTU. Direkt an der Grenze steht die gemeinsame Feuerwache der Werkfeuerwehr MTU/MAN.

„Über 3.200 Einsätze hat sie im vergangenen Jahr koordiniert und erfolgreich abgearbeitet“, erzählt der Leiter der Werkfeuerwehr, Markus Schmid. Darunter fallen abwehrender Brandschutz, technische Hilfeleistungen, Gefahrguteinsätze, Sicherheitswachen, Rettungsdienst und betriebsmedizinische Versorgung. Bei einem besonders hohen Einsatzaufkommen im Umland unterstützt die Werkfeuerwehr auch die umliegenden Leitstellen.

Der Kollege, der in der Alarmzentrale die Stellung hält, schickt für einen solchen Einsatz den Rettungswagen los. Nur ein paar hundert Meter südlich vom Werkgelände verläuft der Münchner Autobahnring. „Die Integrierte Leitstelle München koordiniert die Feuerwehren und Rettungsdienste im Umkreis. Wenn ein Unfall passiert und die Kollegen sehen, dass wir am schnellsten vor Ort sein können, werden wir alarmiert. Unsere Notfallsanitäter der Feuerwehr „übernehmen“ an der Unfallstelle, bis der reguläre Notarzt angekommen ist“, erläutert Werkfeuerwehrleiter Schmid.

Blaulicht anschalten‚ löschen und wieder zurückfahren: Gibt es. Ist aber die Ausnahme.

Seit dem Jahr 1963 betreiben die beiden Unternehmen eine gemeinsame Werkfeuerwehr. Die Anforderungen an Brandschutz und Gefahrenabwehr sind sehr ähnlich.

Die klassische Feuerwehrtätigkeit von früher – Blaulicht anschalten‚ löschen und wieder zurückfahren – macht aber nur noch einen kleinen Teil der Arbeit aus. Nur mehr vier Prozent der Einsätze entfällt auf die klassische Brandbekämpfung. „Die Anforderungen an moderne Feuerwehren haben sich gewaltig verändert“, erklärt Schmid.

Werkfeuerwehr MTU/MAN: Seit dem Jahr 1963 betreiben die beiden Unternehmen eine gemeinsame Werkfeuerwehr. Über 3.200 Einsätze hat sie im vergangenen Jahr erfolgreich abgearbeitet.

Agieren statt reagieren, lautet die Strategie. Dahinter steckt eine vorbeugende Gefahrenabwehr. Möglichst viele Notfälle sollen von vornherein verhindert werden. Etwa über den vorbeugenden Brandschutz oder über Sicherheitswachen. Dazu kommt die Überwachung von mittlerweile fast 35.000 Sensoren, die in Form von Brand- und Gasmeldeanlagen auf den beiden Firmengeländen verteilt sind. Jede einzelne ist mit der Alarmzentrale verbunden. „Ein ausgefeiltes System regelt Instandhaltungen und Funktionsüberprüfungen“, erklärt Schmid.

Fünf Minuten, um jeden Ort auf den Werkgeländen zu erreichen

Auf den Werkgeländen passiert kaum etwas, ohne dass die Feuerwehr irgendwie eingebunden wäre. Was ist hinsichtlich der neuen Gefahrstoff-Anforderungen zu beachten? Reicht die Hubrettungsbühne bis ins oberste Stockwerk eines neuen Gebäudes? Und was bedeutet das alles für die Rettungswege, während der Bauphase und danach? Fünf Minuten hat die Werkfeuerwehr Zeit, um vom Notrufeingang in der Alarmzentrale jeden beliebigen Ort der Werkgelände zu erreichen. „Da geht es, und das meine ich ganz und gar nicht sprichwörtlich, um Sekunden.“

Aktuell ist die Werkfeuerwehr davon sogar doppelt berührt. Noch bis Jahresende generalsanieren MTU und MAN die teilweise auf Mauern aus den 1930er Jahren stehende Wache komplett. Betroffen sind allen voran Werkstätte, Alarmzentrale und Fahrzeughalle. Immer auf dem neuesten Stand zu sein, lautet die Maßgabe. Deshalb ist auch der Neubau einer Desinfektions- und Hygienehalle Teil des Umbaupakets. „Brandrauch kann krebserregende Stoffe enthalten, die sich auf Geräten, Fahrzeugen und medizinischer Ausrüstungen niederschlagen“, sagt Schmid. In der neuen Halle lässt sie sich – Stichwort Risikominimierung – professionell reinigen. Zudem erhalten die 46 Feuerwehrmitglieder neue Sozialräume.

„Für die Sicherheit der Mitarbeiter und der Werke sorgen wir selbstverständlich auch während der Bauarbeiten“ stellt Schmid klar. „Rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr.“

Wasser marsch: Nur mehr vier Prozent der Einsätze entfallen auf die Brandbekämpfung. Die klassische Feuerwehrtätigkeit von früher macht nur noch einen kleinen Teil der Arbeit aus.

Die beiden Highlights aus dem hochmodernen Fuhrpark

„MAN TGS 26.440“ (Hubrettungsbühne 42) – für Brände in höheren Stockwerken oder zum Beispiel für Hilfeleistungen in großen Industriegebäuden:

Hubrettungsbühne 42: Ein 1.200-Liter-Löschwasserbehälter sowie ein Schaummittelbehälter mit einem Inhalt von 200 Litern sind fest verbaut.

Angetrieben von einem 420 PS-Motor liegt das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs bei 26 Tonnen. Ist die Hubrettungsbühne ausgefahren misst sie 42 Meter. Der Rettungskorb an ihrem Ende ist für eine maximale Belastung von 500 Kilogramm ausgelegt, aus dem elektrischen Löschmonitor kommen bis zu 3.800 Liter Löschwasser in der Minute. Eine festverbaute Normaldruckpumpe befördert es mit acht Bar Druck über eine am Teleskopmast installierte Rohrleitung in die Höhe. Ebenfalls fest verbaut sind ein 1.200-Liter-Löschwasserbehälter sowie ein Schaummittelbehälter mit einem Inhalt von 200 Litern.


„MAN TGS 18.340 4x2 BL“ “ (Universalhilfeleistungslöschfahrzeug) – eines der vielfältigsten Feuerwehrfahrzeuge überhaupt. Es trägt der Verschiebung des Einsatzspektrums vom Löschen hin zur technischen Hilfeleistung Rechnung:

Universalhilfeleistungslöschfahrzeug: Das vielfältigste Feuerwehrfahrzeug überhaupt, mit 3.500 Liter Wasser, 500 Liter Schaummittel, 240 kg Kohlendioxid.

Das Universalhilfeleistungslöschfahrzeug bringt bis zu 18 Tonnen auf die Waage. Dass das vergleichsweise kleine Fahrzeug trotzdem so schwer ist, liegt an seiner Ausstattung zur technischen Hilfeleistung: Zu ihr gehören beispielsweise Spreizer, Schneidgerät, Hebekissen, Abstützgerät, Rettungsplattform, Mehrzweckzug, ein fest verbauter 60 kVA-Generator sowie verschiedene Löschmittel (Wasser, Schaum, CO2). Über den Pumpenbedienstand im Heck können die verschiedenen Löschmittel zum Einsatz gebracht werden. Der Wasserwerfer auf dem Dach lässt sich sogar ferngesteuert während der Fahrt bedienen.

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