Die Besatzung kann fünf Tage komfortabel in der Gondel leben
Im Segment außergewöhnlich große Frachtgüter sieht das französische Projekt Flying Whales seinen Markt, unterstützt mit staatlichen Geldern aus dem Heimatland und aus Québec in Kanada. Riesige Rotoren von Windkraftanlagen könnten vom 200 Meter langen Luftschiff LCA60T aus der Luft direkt am abgelegensten Bauplatz entladen werden, mobile Hospitäler in Katastrophengebiete geflogen oder schwere Baumstämme aus unwegsamem Gelände geholt werden. 40 Vorbestellungen liegen bereits vor. Der Bremer Professor Apel sieht hier durchaus einen möglichen Markt und attestiert dem französischen Projekt „den richtigen Ansatz“, obwohl es nach seinem Eindruck in der Entwicklung noch nicht weit fortgeschritten ist. Auch für die Nutzung als Höhenplattform wären die neuen Riesen geeignet, etwa für Erdbeobachtung oder Mobilfunkübertragung. In der großen Gondel des Airlander 10 könnte eine 16-köpfige Besatzung zum Beispiel komfortabel bis zu fünf Tage in der Luft bleiben. Entscheidender Vorteil ist, dass Luftschiffe nicht auf komplexe Infrastruktur wie Häfen oder Flughäfen angewiesen sind.
Prof. Dr. Jens Friedrichs, Leiter der Arbeitsgruppe für Propulsoren an der TU Braunschweig, weist allerdings auf ein gravierendes Problem der Frachtluftschiffe hin: „Beim Be- und Entladen müssen Auftrieb und Traggewicht präzise ausgeglichen werden, damit das Luftschiff nicht in Schräglage gerät und zu kentern droht. Die dafür geeigneten Verfahren sind entweder teuer – oder bislang nicht ausreichend erforscht.“ Überdies seien die mit Helium gefüllten fliegenden Hohlkörper im Betrieb recht störungsanfällig: „Bei Sturm, Starkregen oder Schneefall reicht es nicht aus, sie an einem Mast festzubinden“, so Friedrichs, „man braucht einen großen Hangar, denn die Außenhaut ist sehr empfindlich.“