Wenn die fünfachsige Fräsmaschine im Dienst der Wissenschaft eine Blisk fertigt, kann Pascal Kienast von seinem Büro aus jeden Schritt mitverfolgen. In Echtzeit. Drei Jahre hat der Fraunhofer-Ingenieur an den Algorithmen gearbeitet, mit deren Hilfe sich die Informationen aus der Maschine – beispielsweise die Größe und Position des Werkstücks, der Materialabtrag, die genaue Bewegung von Bauteil und Werkzeug – virtuell darstellen lassen. Mit ein paar Klicks kann Kienast sichtbar machen, wo welche Kräfte auftreten, wie und wo sich Schwingungen verstärken, welche Folgen Defekte an der Spindel oder in einem Lager haben und ob der Zustand der Blisk den vorgegebenen Werten entspricht. Die Ergebnisse dieser aufwändigen Forschungsarbeit nutzt jetzt Retzes Team in München.
Und das sei erst der Anfang, betont Gierlings: „Im ersten Teil des Projekts haben wir mit Hilfe der Modellierungen Zusammenhänge sichtbar gemacht und können so die Prozessstabilität unserer Fertigung verbessern. Im nächsten Schritt wollen wir die Software-Tools so weiterentwickeln, dass sie uns effizient bei der Prozessauslegung für neue Bauteilgeometrien unterstützen.“
Wie Simulationen Zeit und Geld sparen
Bisher ist die Umstellung der Fertigung auf eine neue Blisk-Generation aufwändig und mit hohen Kosten verbunden: „Man muss durch Trial and Error die richtigen Einstellungen finden. Dabei entsteht zwangsläufig Ausschuss“, sagt Retze. „Wenn es uns gelingt, die Maschinensteuerung schon im Vorfeld virtuell zu optimieren, können wir viel Zeit und Geld einsparen.“
Bis zum Ende des Projekts, in fünf Jahren, wollen die Ingenieur:innen das Simulationsprogramm sogar noch einen Schritt weiter entwickeln: „Langfristig wird es möglich sein, immer mehr Daten der Fräsmaschinen zu nutzen, um die Serienproduktion zu überwachen, zu steuern und auf diese Weise die Prozessstabilität zu steigern“, prognostiziert Gierlings.