„Aus unseren präventiven und reaktiven Qualitätsmethoden wollen wir zukünftig einen systemischen Abgleich zwischen entstandenen und vorhersehbaren Fehlern schaffen. So sollen Mitarbeiter Produktionsfehler einfach dokumentieren und künftig nachhaltig vermeiden können“. Die neue Software unterstützt die Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA), eine Strategie, um potenzielle Fehler in Design- und Produktionsprozessen schon zu erkennen und zu bewerten, bevor sie überhaupt passieren. „Wir hatten hierfür in der Vergangenheit eine ganze Reihe von teilweise eigenentwickelten Tools und Workarounds, die sich ergänzten. Doch die Insellösungen werden nun durch eine umfassende Software aus einem Guss ersetzt”, erklärt Wacker.
Grundfunktionen der Triebwerkstechnik erklären
Nicht ganz so umfassend und umfangreich, dafür aber greifbarer, ist ein anderes Projekt, das gerade vor einigen Wochen in Zusammenarbeit mit der Ausbildung fertiggestellt wurde. In Zukunft werden MTU-Auszubildende im Bereich Triebwerkstechnik mit der animierten Darstellung eines modernen Turbofan-Triebwerks geschult. Möglich wird das mit Hilfe einer Virtual-Reality-Brille und dem dazugehörigen VR-Modell, das im Rahmen einer Masterarbeit mit Unterstützung des MTU-DigiLabs in eine Animation überführt wurde.
Das VR-Modell basiert auf der Bauweise des A320neo-Antriebs PW1100G-JM aus der modernen Pratt & Whitney GTF™ Triebwerksfamilie. Es geht dabei vor allem darum, die Grundfunktionen verständlich zu vermitteln, das technische Konzept dahinter plausibel zu machen. Auszubildende können das Triebwerk anschalten, den animierten Luftstrom und die drehenden Teile studieren, die Module einzeln herausnehmen. Neben einer Explosionszeichnung der einzelnen Bauteile stehen Infoboxen mit detaillierten technischen Daten zur Verfügung. Mit jeder Kopfbewegung passt sich das dreidimensionale Bild der Brille an und gibt weitere technische Details des Triebwerks preis.
Seit März kommt das Modell in der Lehrwerkstatt der MTU zum Einsatz. „Schon aus Kostengründen wäre es gar nicht möglich, ein solches reales Triebwerk in die Ausbildung zu stellen“, erklärt Ausbilder Markus Voag. Er sieht aber auch den didaktischen Mehrwert des 3D-Modells: „Wenn junge Menschen schon einmal die Vorteile einer solchen Technik erfahren haben, sind sie möglicherweise auch im späteren Berufsleben offener für Virtual Reality-Anwendungen.“
Für Martin Roth ist das Erlebbar-Machen des Triebwerks ein Paradebeispiel dafür, was das DigiLab im Kampf um die besten Köpfe leisten kann: „Das DigiLab ist angesichts des Fachkräftemangels in vielen Ingenieurfächern ein gutes Argument, um Nachwuchskräften die Attraktivität und Innovationskraft der MTU zu vermitteln und zu unterstreichen, dass wir ein spannender Arbeitgeber sind.“