Das innovative Konzept der MTU-Expert:innen überzeugte, sie bekamen den Auftrag und legten los. „Es gibt bei der Planung von MRO-Shops immer die Grundsatzfrage: Bewegen sich die Triebwerke oder bewegen sich Werkzeuge und Personal?“, erläutert Hofner. Diese Frage der Shop-Philosophie – durchläuft das Triebwerk eine Montagelinie oder wird es an einer einzigen Station, dem Triebwerk-Dock, instandgesetzt – kann stets unterschiedlich beantwortet werden. Sie hängt auch damit zusammen, wie viele Triebwerke pro Jahr instandgesetzt werden – im Falle einer großen Anzahl an Shop Visits an baugleichen Triebwerken bietet sich die Linien-Philosophie an. „EME Aero musste sich nicht zwischen Montagelinie und einzelnen Triebwerk-Docks entscheiden. Mit unserem Montagekonzept kann der Shop die Vorteile beider Welten flexibel nutzen“, sagt Hofner.
Keine Störungen im Gesamtfluss
„Flexibel“ ist das Stichwort: Anders als bei klassischen Flowlines basiert das Montagesystem des Münchner Projektteams nicht auf fest installierten Strukturen, wie beispielsweise dem in der MRO üblichen Überkopf-Triebwerksaufhängungssystem. Stattdessen werden die Antriebe an bodengebundenen, frei beweglichen Trägern angebracht, die in die Produktionslinie hinein- und aus dieser herausbewegt werden können, ohne den Gesamtfluss zu stören. Highlight des Konzepts sind zwei Systeme: Die Komplettzerlegung erfolgt in der Linie am Mobile Transport and Overhaul System (MTOS), die Teilzerlegung hingegen wird im Dock des Fixed Overhaul Systems (FOS) durchgeführt.
„Das MTOS besteht aus einem ferngesteuerten Wagen, mit dem das Triebwerk von einer zu nächsten Station gefahren und ergonomisch positioniert werden kann“, erläutert Hofner. „An jeder Station `wartet´ das passende Werkzeug und das spezialisierte Personal für die anstehenden Arbeiten. Das ist sehr effizient im Falle hoher Volumen im Shop.“ Beim FOS hingegen bleibt das Triebwerk an einer Station, also im Triebwerk-Dock. Hofner: „Die Werkzeuge werden nach Bedarf angeliefert, Personal entsprechend angefordert. Das FOS eignet sich etwa für geringere Stückzahlen und kleineren Spezialreparaturen.“