Denn Werkzeugverschleiß verläuft nicht gleichmäßig. Erst ist er degressiv, dann ein bisschen linear, schließlich progressiv. Natürlich ist alles auch abhängig von Material und Schnittgeschwindigkeit. Die Sache ist so komplex, dass selbst heute noch keine Modelle existieren, mit denen sich Werkzeugverschleiß modellbasiert in die Werkzeug- und Fertigungsprozessauslegung einbringen ließe. Nicht einmal die Finite-Elemente-Methode, die bei der Lösung von physikalischen Problemen in ingenieurswissenschaftlichen Berechnungen normalerweise die Methode der Wahl ist, genügt beim Werkzeugverschleiß den industriellen Anwendungen.
Die Folgen sind keinesfalls zu verachten: Wo sich die Form der Schneidfläche durch den Verschleiß verändert, geschieht dies auch an der Kontur des Werkstücks. Oberflächenintegrität und Prozessstabilität leiden darunter. Ließe sich der Verschleiß des Werkzeugs vorausberechnen, könnten ihn die Fertigungsingenieure während des Prozesses exakt ausgleichen. Indem sie etwa Schnittgeschwindigkeit, Werkzeugeinstellwinkel und Vorschub entsprechend nachjustieren. Gerade in der Luftfahrtindustrie, wo die Produktionskosten durch die Bearbeitung von Superlegierungen auf Nickel oder Titan hoch sind, steckt in verlässlichen Vorhersagen einiges an Potenzial.