Leben und Arbeiten in China

Marcel Gerth-Noritzsch, Technischer Leiter bei der MTU Maintenance Zhuhai, gibt Einblicke über das Arbeiten und Leben in China.

12.2018 | Autorin: Victoria Nicholls

Autorin:
Victoria Nicholls berichtet innerhalb der MTU-Unter­nehmens­kommuni­kation über Themen wie Trieb­werks-MRO, Leasing und Asset Management sowie inter­nationale Markt­trends. Die gebürtige Britin wohnt in Berlin und arbeitet an den MTU-Standorten in Hannover und Ludwigsfelde.

„Wer es nicht in Er­wä­gung zieht, grenzt sich sel­ber ein“ – so lau­tet das Fa­zit von Mar­cel Gerth-No­ritzsch über Ent­sen­dun­gen zur MTU Main­ten­an­ce Zhuhai. Gu­te Grün­de für ei­nen sol­chen Schritt gibt es vie­le: auf­re­gen­de Pro­jek­te, ein ra­san­tes Wachs­tum in­ner­halb des Un­ter­neh­mens, ei­ne mo­der­ne und dy­na­mi­sche Ar­beits­um­ge­bung so­wie vie­le neue und span­nen­de Er­fah­run­gen. Und was spricht da­ge­gen? „Nun, sa­gen wir ein­mal so: Die chi­ne­si­sche Kul­tur ist ganz an­ders und oft sehr ge­wöh­nungs­be­dürf­tig, be­son­ders für Deut­sche. Wir sind da manch­mal et­was un­fle­xi­bel“, stellt Gerth-No­ritzsch fest.

MTU und China

Laut dem Wirt­schafts­ma­ga­zin Wirt­schafts­Wo­che ist Chi­na seit zwei Jah­ren der welt­weit wich­tigs­te Han­dels­part­ner Deutsch­lands. Der Wert des bi­la­te­ra­len Wa­ren­han­dels be­lief sich auf fast 190 Mil­li­ar­den Eu­ro. Auch für die MTU Ae­ro En­gi­nes ist die Zu­sam­men­ar­beit mit Chi­na von zen­tra­ler Be­deu­tung.

Chi­na ist schon heu­te ein be­deu­ten­der Wachs­tums­markt, und das wird auch in Zu­kunft so blei­ben. Nach An­ga­ben von Flight­glo­bal ver­füg­te das Land im Jahr 2017 über ei­ne Flot­te von 3.100 Kurz-, Mit­tel- und Lang­stre­cken­flug­zeu­gen, ei­ne Zahl, die sich den Pro­gno­sen zu­fol­ge bis 2037 auf 9.400 ver­drei­fa­chen wird. Da­mit wird Chi­na ge­gen En­de des nächs­ten Jahr­zehnts die Ver­ei­nig­ten Staa­ten über­ho­len. Auch das In­stand­hal­tungs­ge­schäft boomt: 2027 wer­den 35 Pro­zent al­ler Shop­vi­sits welt­weit auf chi­ne­si­sche Air­lines ent­fal­len.

So kommt es nicht von un­ge­fähr, dass auch für die MTU Main­ten­an­ce Zhuhai, die vor 17 Jah­ren ge­grün­det wur­de, al­le Zei­chen wei­ter­hin klar auf Wachs­tum ste­hen. Das Un­ter­neh­men ist be­reits heu­te der größ­te In­stand­hal­tungs­be­trieb für Luft­fahrt­an­trie­be in Chi­na; bei Trieb­wer­ken für Kurz- und Mit­tel­stre­cken­flug­zeu­ge ist sie so­gar der Mark­füh­rer in ganz Asi­en. Der­zeit wird die Ka­pa­zi­tät am Stand­ort bis zum Jahr 2021 um 50 Pro­zent auf 450 Shop­vi­sits jähr­lich aus­ge­baut.

Die MTU un­ter­hält nicht nur her­vor­ra­gen­de Kun­den­be­zie­hun­gen mit den Luft­fahrt­ge­sell­schaf­ten, son­dern ist auch mit an­de­ren Ak­teu­ren in der Luft­fahrt­bran­che und im In­dus­trie­gas­tur­bi­nen­ge­schäft bes­tens ver­netzt. Das Un­ter­neh­men ver­fügt über ei­ne Re­prä­sen­tanz in Shang­hai, die die Be­lan­ge der MTU di­rekt vor Ort ver­tritt und ih­re viel­fäl­ti­gen Ak­ti­vi­tä­ten in die­ser boo­men­den Re­gi­on ko­or­di­niert. Er­heb­li­ches Markt­po­ten­ti­al be­steht in Chi­na et­wa bei sta­tio­nä­ren Gas­tur­bi­nen; auf die­ses Ge­biet sind die MTU-Toch­ter Ve­ri­cor so­wie das Ex­per­ten­team für Bürs­ten­dich­tun­gen der MTU spe­zia­li­siert, die un­ter dem Dach der Mar­ke „MTU Power“ agie­ren.

2010 führt ihn ein glück­li­cher Zu­fall erst­mals in das Perl­fluss­del­ta: Als Prak­ti­kant schreibt er bei der Toch­ter­ge­sell­schaft sei­ne Ab­schluss­ar­beit, wird als Pro­jekt­lei­ter über­nom­men und bleibt bis 2012 in Zhuhai. Im Som­mer 2017 kehrt er als Tech­ni­scher Lei­ter der Ab­tei­lung zu­rück, in der sei­ne Kar­rie­re einst ih­ren An­fang nahm, und war­tet nun ge­spannt auf die an­ge­kün­dig­ten Er­wei­te­run­gen so­wie al­le neu­en Pro­gram­me, die die Zu­kunft brin­gen mag.

Hin­ter sei­ner Ent­schei­dung für den auf drei Jah­re be­fris­te­ten Pos­ten ste­hen na­tür­lich kon­kre­te be­ruf­li­che Ent­wick­lungs­plä­ne, doch auch per­sön­li­che Grün­de spiel­ten für den Fa­mi­li­en­va­ter ei­ne Rol­le: So wol­len sei­ne chi­ne­si­sche Ehe­frau und er, dass ihr Sohn spä­ter ein­mal flie­ßend Chi­ne­sisch spre­chen und schrei­ben kann. Und das ist in Deutsch­land schwer, vor al­lem, wenn auch zu­hau­se Deutsch ge­spro­chen wird. „Ich wuss­te ja be­reits, dass mir das Le­ben hier ge­fällt, das war na­tür­lich von Vor­teil“, fügt Gerth-No­ritzsch hin­zu. „Ich den­ke, dass vie­le Kol­le­gen Ein­schnit­te ge­gen­über ih­ren bis­he­ri­gen Le­bens­stan­dards be­fürch­ten. Aber das ist nicht der Fall, mir fehlt es hier an nichts. Ich kann oh­ne gro­ße Um­stän­de durch Asi­en rei­sen, und da ich re­gel­mä­ßig nach Deutsch­land flie­ge, kann ich mich dort mit al­lem ein­de­cken, was ich hier vor Ort nicht be­kom­me.“

Persönlich und beruflich wachsen

Na­tür­lich ist es nicht im­mer leicht, in ei­nem an­de­ren Land zu le­ben und zu ar­bei­ten. „In Deutsch­land sind die Ar­beits­ab­läu­fe sehr stark ge­re­gelt, und das zeigt sich auch in un­se­ren Pro­zes­sen. Uns man­gelt es oft an Fle­xi­bi­li­tät. Hier in Chi­na gibt es zwar auch ge­re­gel­te Ab­läu­fe, aber die Men­schen ge­ben auf der Su­che nach ei­ner Lö­sung eher ein­mal nach und hel­fen an­de­ren so, ihr Ge­sicht zu wah­ren“, er­klärt Gerth-No­ritzsch. „Das schafft auch ei­ne kun­den­freund­li­che­re At­mo­sphä­re.“

Laut Gerth-No­ritzsch be­trach­ten vie­le Men­schen ihr Hei­mat­land als das Maß al­ler Din­ge. „Doch wenn man of­fen für neue Er­fah­run­gen ist und er­kennt, dass es nicht nur ei­nen rich­ti­gen Weg gibt, ent­wi­ckelt man sich wei­ter und kann viel über sich selbst ler­nen. Mir ist zum Bei­spiel klar ge­wor­den, dass un­se­re Au­to­bah­nen in Deutsch­land wirk­lich ei­ne tol­le Sa­che sind und dass wir sehr stolz auf un­ser in­dus­tri­el­les Er­be sein kön­nen.“

Was rät er al­so je­nen, die über ei­nen Wech­sel nach Zhuhai nach­den­ken? „Schau­en Sie sich ein­mal di­rekt vor Ort um, und zwar nicht nur zwei Ta­ge, denn das reicht nicht. Ver­ges­sen Sie chi­ne­si­sche Re­stau­rants in Deutsch­land – das, was Ih­nen dort ser­viert wird, ist mit dem Es­sen in Chi­na nicht zu ver­glei­chen! Den­ken Sie im­mer auch dar­an, dass west­eu­ro­päi­sche Me­di­en bei ih­rer Be­richt­er­stat­tung über Chi­na nicht ganz un­vor­ein­ge­nom­men sind. Und Sie müs­sen sich auch au­ßer­halb Ih­rer Ar­beits­um­ge­bung wohl­füh­len, das gilt vor al­lem, wenn Ihr Part­ner oder Ih­re Fa­mi­lie Sie be­glei­tet.“

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